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Konserven-Sommer mit SRF: schauen Sie noch oder gähnen Sie schon?

Ich gebe es gerne zu: ich bin ein Fangirl. Ich mag Fernsehen. Ich mag Entertainment.
Als Schweizer Medienkonsumentin auf SRF1 habe ich natürlich feste TV-Termine, die mir wichtig sind und die ich schaue, falls irgendwie möglich. „Kassensturz“ ist einer davon, der zweite „Club“ und schliesslich die „Arena“. Alle drei Sendungen konsumiere ich, seit ich 15 oder 16 bin.

Vor der Sommerpause graut es mir allerdings. Denn da läuft auf SRF1, dem sogenannten Hauptsender, nicht mehr wirklich viel. Allerdings habe ich dies noch nie so deftig wahrgenommen wie dieses Jahr, obwohl ich 2015 schon für furchtbar hielt. Um uns herum passierte so viel, derweil SRF Sommerpause machte und ich mir engagierten Journalismus gewünscht hätte. Ich wich gezwungenermassen auf ARD in Sachen Information und Arte und 3sat, was Unterhaltung und Anspruch anging, aus.

Am 28. Juni lief der letzte Kassensturz vor der Sommerpause, am 23. August der erste danach. Das sind fast zwei Monate. Am Dienstagabend wurde jeweils eine langatmige Krimiserie und an den anderen Abenden irgendwelche Konserven gezeigt. Der „Donnschtigsjass“ lief zwar live, ist aber wohl für TV-Zuschauer unter 85 nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Bis vor einem Jahr gab es zumindest noch Live-Produktionen wie „SRF bi de Lüt“ mit Nik Hartmann. 2016 beschenkte uns SRF schliesslich am Samstagabend mit dem drögen „Traumschiff“ und am Sonntagabend mit Schweizer Filmen aus dem hinteren Regal. Die wirklich, wirklich geilen Filme und Dokus liefen erst um 0.00.

Natürlich könnte ich mir gewisse Dinge im Replay anschauen, aber das ist doch wohl nicht der Sinn eines Informationsgefässes wie SRF.

Aktualität war zwischen Juni und August auf SRF1 nur noch grad in der Tagesschau und bei „10vor10“ gewährleistet. Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich hätte mir Sendungen gewünscht, die auf das eingehen, was um uns herum gerade geschieht. Bei SRF1 bin ich da offenbar an der falschen Adresse.

Tatort Frankfurt: Kälter als der Tod

Ich hege ja die leise Hoffnung, dass es mal wieder ein ähnlich erfrischendes Ermittlerpaar im Tatort gibt wie in Münster. Sollte dieser Wunsch wirklich an diesem 17. Mai 2015 in Erfüllung gehen?

Ab heute ermitteln die Kommissare Janneke und Brix in Frankfurt. Aufgrund der Dialoge, der Bildsprache und der Story kann man wirklich nur guter Hoffnung sein. Da ist erst einmal Margarita Broich als Janneke, die mit ihren blauen Augen gleich den ganzen Bildschirm in Beschlag nimmt. Keine Tussen-Kommissarin by the way.

Und dann ist da noch Zazie de Paris, Brix‘ Freundin und Vermieterin. Ihre Stimme ist wohltuend sanft. Man kann nur hoffen, sie noch mehr zu sehen und zu hören. Auch Roeland Wiesnekker fällt auf durch physische Präsenz und Witz. Wolfram Koch als Brix läuft zwar mehrheitlich unrasiert und desorientiert durch den Film, doch offenbar stört ihn das nicht gross.

Die Story ist schnell erzählt: eine Familie wird erschossen aufgefunden. Die 17jährige Tochter und ihre Nachhilfelehrerin werden vermisst. Doch dann werden die beiden wieder gefunden, sogar lebend und die Schwester der einen Toten stirbt durch einen Treppensturz. Dieser ist natürlich nicht einfach so passiert, sondern wurde durch einen Einstich im Hals provoziert.

Am Ende erfahren wir, wer der Mörder des beinahe erweiterten Selbstmords ist. Die Geschichte ist enttäuschend flach und nicht nachvollziehbar, besonders in Anbetracht der Tatsache, wie sich solche erweiterten Selbstmorde wirklich zeigen. Trotzdem darf man gespannt sein, was das Frankfurter Ermittler-Duo noch in petto hat.

Tatort Hamburg – Tod auf Langenoog

In längst vergangenen Zeiten, als noch unser aller Stoever und Brocki in Hamburg ermittelten, war alles so harmonisch. So süss. Alles war gut.

Jetzt wirkt der Falke.
Alles ist anders. Sogar mit Hipstern müssen wir uns rumschlagen. Das ist nicht lustig.

Diese Tatort-Folge ist nicht per se schlecht.
Ich würde allerdings behaupten, dass wir es hier mit einem sogenannten Photographen-Tatort zu tun haben. Sie wissen schon, diese Jungs, bärtig, die Mädels bebrillt, begeistert und unverstanden.

Wenn Sie der Storyline nicht folgen konnten, so wie ich, shame on me, haben Sie sich zumindest an den WUNDERBAREN Bildern gütlich tun können.

Nein, wirklich!
Diesen Tatort sollte man sich auf einer Kinoleinwand ansehen dürfen.

Die Geschichte ist rasch erzählt.
Halbnackter Junge wird neben der Leiche einer Frau gefunden.
Irgendwer hat die Frau umgebracht.
Wir haben schnell eine Vorahnung.
Ist es wirklich der Junge? Oder gar die Kommissarin mit der schicken Brille?
Und was hat Jean Améry damit zu tun??

Das Ende ist gleichsam banal wie vielsagend über die Lage Deutschlands.
Bitte weitermachen.

Wie man den 1. August unpatriotisch übersteht.

Wem morgen der Sinn nach Ruhe und nicht nach Schweizer Fahnen, Bauernbrunch und Jodeln steht, dem kann ich einige sehr nette DVD empfehlen:

„Die Kennedys“ ist eine tolle Miniserie aus den USA und handelt, wie der Name sagt, von Familie Kennedy. Wir lernen John F., Bobby, Jackie und Daddy Kennedy kennen und leiden mit ihnen. Die Serie spielt auf verschiedenen Zeitsträngen, die alle sehr gekonnt miteinander verwoben sind. Die Darsteller, allen voran Greg Kinnear als John F., Barry Pepper als Bobby und die wunderbare Katie Holmes als Jackie, überzeugen nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern vor allem mit ihrem Ausdruck. Mein persönliches Highlight ist aber Tom Wilkinson, der den Patriarchen mit allen Facetten darzustellen weiss.

Mit dieser Serie ist man ein paar Stunden lang beschäftigt und wenn man dazu noch Bier und Schnittchen konsumiert, geht die Zeit schnell vorüber.

„Lawrence von Arabien“ ist ein englischer Klassiker von David Lean. Peter O’Toole, ihr wisst schon, dieser grossartige Schauspieler mit dem blonden Haar und den strahlenden blauen Augen, spielt T.E.Lawrence, einen britischen Offizier, der nach Arabien entsandt wird, um die politische Lage zu beobachten. Zusammen mit Sherif Ali, der vom damals so ziemlich schönsten Mann der Welt, Omar Sharif gespielt wurde, führt er die arabischen Kämpfer an und wird so zu einer Gefahr für die anderen Mächte.

Dieser Film eignet sich hervorragend für die Liebhaber wunderbarer Bilder. Minutenlang kann man in den Aufnahmen der Wüste und der Musik versinken. Geeignet ist „Lawrence von Arabien“ auch für Frauenhasser. Die Darsteller sind alles Männer, ausgenommen eine Krankenschwester in einer Massenszene. Und wenn man den Film so timt, dass die Kampfszenen während des abendlichen Feuerwerks laufen, hat man doppelten Spass und regt sich weniger auf, wenn die Katze an der Decke klebt.

Meiden sollte man am 1. August den Sender 3Sat, der an diesem Tag jegliche Dokus und Filme aus der Schweiz bringt. Wenn Sie aber meine Meinung wissen wollen: da verpassen Sie aber echt was!

Tatort: Duckface meets Knautschgesicht

Praktisch jeden Abend könnte man im deutschen Fernsehen einen Tatort sehen.
Und das ist gut so!

Natürlich hält nicht jeder Tatort, was er verspricht. Es gibt einige ausserordentlich langweilige oder moralinsaure Filme, sehr viele mittelmässige Sachen und ab und zu ein Schmankerl, das den Zeitgeist mit seiner Geschichte, der Kameraführung und den richtigen Kommissaren trifft. Aber darum geht’s jetzt nicht:

Seit Ehrlicher und Kain nicht mehr in Leipzig ermitteln, tat ich mich mit den neuen Kommissaren schwer. Ich mein‘, Simone Thomalla wird für mich auf ewig die Trulla mit der Bierflasche sein. Dass sie ihr tolles Gesicht mit Botox und co aufmotzt, macht die Sache nicht besser und ich habe vier Jahre lang alle Leipziger Tatorte boykottiert.

Schlussendlich wurde ich von meiner besseren Hälfte überzeugt, endlich mal den Leipziger zu schauen. Dafür bin ich @nggalai auf ewig dankbar!

Natürlich besitzt die Saalfeld, also Simone Thomalla, wie erwartet, keine drei unterschiedlichen Gesichtsausdrücke. Das ist schade. Stattdessen stöckelt sie elegant durch die heftigsten Tatorte, immer charmant, immer mit gespitzten Lippen. Wie anstrengend! An ihrer Seite, Keppler, ihr Ex-Ehemann. Der ist ein bisserl vom Leben gezeichnet, aber nicht unsympathisch. In der ersten Sendung wirkt er mehr noch wie eine Art verstörter Monk. Vier Jahre später scheint die Figur wesentlich entwickelter. Er ist für mich der Grund, sich die Tatorte aus Leipzig anzuschauen!

gesellschaftlich korrekt über den Tatort twittern

Jeden Sonntagabend spielt sich ein seltsames Schauspiel auf twitter ab. Menschen verschiedenster Herkunft tauschen sich über die wirklich wichtigste TV-Serie der Alpenländer aus. Tatort!! Damit auch Sie gesellschaftlich korrekt mitzwitschern können, hier meine wichtigsten Regeln fürs unbeschwerte Mitreden in 140 Zeichen:

Du sollst nicht spoilern!
Dies betrifft vor allem die Schweizer. Wir sehen auf SRF den Tatort mit ein paar Minuten Vorsprung. Es ist nicht die feine Art, Lösungen und Erkenntnisse diesbezüglich live zu verbreiten. Nicht jeder schaut auf dem helvetischen Heimkanal!!

Diskutiere nicht mit Tatort-Hassern!
Davon gibt es mehr als genug. Und weil jeden Sonntagabend die grosse Tatort-Verbrüderung auf twitter stattfindet, stehen diese Menschen aussen vor. Nicht jeder interessiert sich für Mord und Totschlag, auch wenn die Assistentin des Kommissars supersexysüss ist. Also, kein Bekehrungsversuch, sondern Gelassenheit ist hier gefragt.

Die weibliche Nebenfigur muss intensiv besprochen werden!
Die Kommissare sind natürlich die Hauptfiguren. Aber so ziemlich jeder Autor, jeder Regisseur, mogelt seine weibliche Nebenfigur à la carte rein. Dies bedarf einer gründlichen Prüfung: ist sie anständig gekleidet? Kann sie sich anständig ausdrücken? Hat sie Verkehr mit anderen Männern als dem Kommissar?? Falls Sie alle Fragen mit Nein beantworten können, ist sie perfekt.

Sei ein Innenausstatter!
Stellen Sie sich nicht so an. Schliesslich gehen Sie alle vier Wochen mit Tamara/Cindy/Rösli in die IKEA und schauen sich dort Esszimmermöbel an. Wenn nicht Sie, wer dann könnte sich gekonnt über die Ausstattung im Tatort auslassen? Etwas mehr Mut, meine Herren!

Autos
Sie wissen schon. Kein Kommentar.

Kommentieren Sie dramaturgische Fehler!
Sie wollten schon immer mal Schriftsteller werden? Hier ist Ihre Chance! Geben Sie Ihren Senf dazu. Vielleicht werden Sie ja entdeckt.

Kommentieren Sie die Bildsprache!
In Zeiten der Supergigadigitalkameras ist jeder ein Kameramann. Sie finden den Film zu grün? Setzen Sie einen Tweet ab und Sie werden 10 Follower gewinnen!

Trauern Sie alten Zeiten nach!
Ist ja zwar schon 30 Jahre her, aber noch immer können Sie Nasti Kinskis knospende Brüste nicht vergessen. Teilen Sie Ihre Erkenntnisse. Ihre Tatort-Twitter-Freunde werden Sie verstehen.

Regen Sie sich über Sexszenen auf.
Sex vor 10 Uhr abends? Eine Unverschämtheit. Sie wollten schliesslich Kunst und Kultur.

Verteidigen Sie Ihren Lieblings-Tatort-Kommissar bis aufs Blut!
Jemand will Ihnen weismachen, dass die Münchner besser als die Münsteraner sind? Lassen Sie sich das bloss nicht gefallen. Wo bleibt Ihr Stolz? Wahre Fans streiten sich in jedem Forum über den einzig besten Kommissar. Wenn Sie niemals beschimpft wurden, weil Sie den Flemming so süss fanden, sind Sie kein Fan.

Carte Blanche für Linda B.: X Factor: Der Widerspruch in, um, sowie von Das Bo.

„Was für eine Show!“, dachte ich gestern Abend, als die vierte Live-Show von X-Factor über die Bühne ging. Begonnen hat sie mit ein paar wirklich coolen Acts, einem redseligen David Guetta und einem sprücheklopfenden Moderator. Doch dann endete diese leider mit einer derb falschen Jury-Entscheidung. Aber nun von Anfang an.

Als um 20.15 Uhr der X-Factor-Abend eingeläutet wurde, verfolgte ich gespannt den angeblichen Jurorenzoff, über den in den Medien viel diskutiert und so zusätzlich aufgeheizt wurde. Aber wo war er? Ich spürte nichts, und sehen konnte ich schon gar nichts. Es flogen keine Fetzen, keine Augen wurden ausgekratzt. Nein, es herrschte Friede, Freude, Eierkuchen und alle hatten sich lieb. Oder war das nur gespielt? Sozusagen gute Miene zum bösen Spiel?

Sarah Connors Kleid war nicht besonders vorteilhaft, vor allem um den Hals. Andauernd fragte ich mich, ob sie ihrer kleinen Tochter Flipper, äh Entschuldigung, ich meine Delphine Malou, den grauen Latz geklaut hatte.

Auf jeden Fall hatte David Guetta gute Laune. Er wollte gar nicht mehr aufhören zu reden, verteilte wertvolle Tipps und hinterliess einen sympathischen Eindruck.

Dann endlich eröffneten Nica und Joe die Show. Mit „When Love Takes Over“ von David Guetta feat. Kelly Rowland, welchen sie zu ihrem eigenen Song machten, begeisterten sie nicht nur David Guetta, sondern auch das Publikum und die Jury. Doch Das Bo hat recht, sobald Joe anfängt zu singen, zerstört er mit seinem Gejohle und Gequake die von Nicas wunderschöner Stimme erschaffene Stimmung. Ohne ihn wäre sie besser dran. Marktlücke hin oder her.

Anschliessend kam die wunderhübsche Raffaela Wais, welche permanent verneint, perfekt zu sein. Sie sang „One Love“ von David Guetta feat. Estelle. Schön singen kann sie, hat aber keinen grossen Wiedererkennungswert. Zudem geht mir die aufdringlich gezeigte Freundschaft zwischen ihr und GZSZ-Star Susan Sideropoulos auf die Nerven, besonders dieses überbemühte „sympathisch rüber kommen“ . Entweder man hat es oder man hat es nicht. Aber der Zuschauer soll sich immer noch selbst ein Bild machen dürfen. Nicht eines, dass man ihm aufdrängt.

Dann kam eins der Highlights dieses Abends: Der Gruppensong von Das Bo und seinen vier Kandidaten. „Kids“ verbreitete gute Laune und steckte zum Mitwippen an. Party!

Weiter ging es mit Kassim Auale, welcher „Moves Like Jagger“ von Maroon 5 sang. Die Inszenierung mit den Tänzern und den Neonfarben auf dem schwarzen Hintergrund war genial. Obwohl er nicht alle hohen Töne getroffen hatte, war dies ein sehr gelungener Auftritt mit einem coolen Rap-Part.

Nach Kassim „The Smile“ Auale, wie ihn Das Bo gerne nennt, kam Rufus Martin. Er performte mit neuer Frisur „Closer“ von Ne-Yo. Mir hat es nicht gefallen. Der Song hat irgendwie nicht zu ihm gepasst und die neuen Cornrows liessen ihn irgendwie böse aussehen. Er hatte allen Grund zur Freude, denn sein Vater aus Amerika sass im Publikum und feuerte ihn an. Zudem kann er nicht wirklich mit der Kritik der anderen Jurymitglieder umgehen und muss immer das letzte Wort haben.

Nun noch ein Wort zu dem sehr kreativen Moderator Jochen Schropp. Genauso kreativ und zum Teil dämlich waren seine Überleitungen. Richtig ZDF-mässig. Der Nachfolger von Thomas Gottschalk ist gefunden! Aber noch schlimmer fand ich Janin Reinhardt, welche backstage aus dem X-Room live moderierte. Ihr Lachen wirkt künstlich und aufgesetzt und das Vorlesen der Chatnamen sollte sie besser weglassen. Den Herzschlag („Heartbeat“) der Kandidaten finde ich total unnötig. Ausser natürlich als Kassim Auale ihn präsentierte ;-).

Weiter ging es mit den Schweizer Brüdern Benjamin und Manuel Frei alias BenMan. Mit ihrem Song „Stand By Me“ von Ben E. King konnten sie nicht wirklich punkten. Er war zu langweilig, die Choreographie war zu lasch und über die Stimme möchte ich schon gar nicht erst etwas sagen. Ich bin der Meinung, dass sie gesanglich die schlechtesten sind und das ist offensichtlich hörbar. Eigentlich müssten sie schon längst rausgeflogen sein, wären da nicht die Fans, welche die beiden lieben. Aber ich nehme nicht an, dass der Sender etwas dagegen hat. Denn schliesslich sind die Anrufe aus der Schweiz ein Stück teurer als die aus dem deutschen Inland.

Als nächste sang Monique Simon den Song „Edge Of Glory“ von Lady Gaga, welchen sie zu einem langsamen und gefühlvollen Lied umwandelte. Ihre Stimme hat zwar einen hohen Wiedererkennungswert, trotzdem bin ich kein grosser Fan von ihr. Aus einem unerklärlichen Grund finde ich sie unsympathisch.

Dann kam David Pfeffer. Sein Song: „What Is Love“ von Haddaway. Nicht gerade ein Party-Kracher, und so sang er ihn auch. Mit seinem traurigen Blick verbreitete er bei mir trübe Stimmung. Und dann das grosse Geheimnis um sein Privatleben. Was wohl dahinter steckt? Als er Kelly Clarkson fragte, ob sie Single sei, dann rot wurde und sie im Nachhinein mit den Worten „Sie ist eine nette Frau“ beschrieb, ja, da musste ich lachen. „Nett“ ist ja nicht gerade der Hammer.

Zum Schluss war Martin Madeja dran. Er sang den Hit von David Guetta feat. Sia „Titanium“. Als er das Lied dem Künstler Guetta vorsang, bekam dieser von Martins gefühlvoller Performance sichtlich Gänsehaut. Die tiefen Töne hat er nicht alle getroffen und an seinem Selbstbewusstsein hapert’s allerdings immer noch ein bisschen.

Bevor uns die grosse Entscheidung bevorstand hatte Taio Cruz mit seinem aktuellen Hit „Hangover“ seinen grossen Auftritt. Das Playback hätte er ein bisschen besser einüben sollen. Einige Bewegungen geschahen sichtlich halbherzig. „Hangover“ ist ein cooler Partysong und ein richtiger Ohrwurm. Schade.

Aber nun zur Entscheidung. Nach langem Warten und Zittern stand das Entscheidungsduell zwischen den beiden Kandidaten fest: Kassim Auale und Monique Simon traten gegeneinander an. Beide waren schon einmal in dieser Situation, Monique sogar bereits zweimal. Da Monique Simon erst sechzehn ist und das Gesetz es untersagt, nach elf Uhr aufzutreten, wurde ihr Lied im Voraus aufgezeichnet. „Girls Just Want to Have Fun“ zeigte eine solide Leistung. Dann kam Kassim Auale und sang „Chicago“ ganz gefühlvoll. Sarah Connor entschied sich für Kassim Auale. Till Brönner wählte „mit keiner besonders schlauen Herleitung“ wie er selbst sagte, Monique Simon. Nur damit Mentor Das Bo das letzte Wort haben konnte und somit zum goldenen Zünglein an der Waage wurde. Meiner Meinung nach war Till’s Aktion ziemlich unfair. Und dann das Hin und Her des harten Rappers Das Bo … Schlussendlich entschied er sich für Monique Simon und somit gegen Kassim Auale, den er noch vor wenigen Stunden mit den Worten, er sei eines seiner besten Pferde im Stall, beschrieben hatte. Und Juror Till – wie er so schön sagte – für Kassim Hass empfände, weil er ihn nicht in seiner Gruppe habe. Für mich war diese Entscheidung unfassbar; ich hatte nicht damit gerechnet. Langsam wird die Jury immer unglaubwürdiger. Besser gesagt, sie war es bereits und hat die Ahnung doppelt unterstrichen.

Trotzdem freue ich mich auf die nächste Show. Welche Fehlentscheidungen wird die Jury dann treffen? Wird Justin Bieber mit Windeln, Schnuller und schreiendem Baby im Arm über die Bühne hüpfen und von der sorglosen Liebe singen? Ich bin sehr gespannt.

 

 

tvreal.ch dankt der Gastautorin Linda B. ganz herzlich für ihren Beitrag!

ESC zum dritten

Ja. Wir klinken uns nun alle wieder ein. Anna Rossinelli und ihre süssen Boytoys haben’s geschafft: sie sind weiter. Und das ohne billigen Gunvor-Glitter, ohne russischen Lesben-Chic, ohne jegliche Vampirgebisse oder aber Piero Esteriore’s ekliges Grinsen. Fertig gelästert. Heute abend schauen wir alle fern und fühlen uns all jenen kleinen Staaten Europas nahe, die genauso wie wir keine Chance auf das Finale haben. Mögen die besten gewinnen…!!

1 Bosnien-Herzegowina: Willy Nelson spielt Balkan-Gitarre
2 Österreich: Mireille Mathieu meets Dita van Teese
3 Niederlande: U2 lebt. Scheisse auf den Anzug
4 Belgien: Nett und charmant
5 Slowakei: Kessler-Zwillinge reloaded
6 Ukraine: die Schneekönigin
7 Moldawien: schade: dröger Technobeat
8 Schweden: Boom Boom…
9 Zypern: der Typ, der wie Chris Martin aussieht
10 Bulgarien: Beth Ditto in dünn aber mit mieser Stimme
11 Mazedonien: keine Worte
12 Israel: Dana International. I love you.
13 Slowenien: Cat Eyes forever
14 Rumänien: gute Weste, fettes Grinsen. Das wird schon, Junge.
15 Estland: Katy Perry’s Look…
16 Weissrussland: boom-boom mit Folklore. Belarus, wir hätten uns gerne in dich verliebt.
17 Lettland: boom-boom bullshit. Sorry.
18 Dänemark: netter Junge mit Klobürstenfrisur
19 Irland: ich seh nur noch doppelt.

Da fällt mir ein: Bitte, liebe Göttin, mach, dass Sven Epiney sein Handy aufgeladen hat. Ohm.

Serien-Nerds Paradies: Hawaii-Five-O

Schon die Musik am Anfang lässt die Füsse ekstatisch im Takt mitwippen. Bilder wie aus den Ferien, eine geheimnisvolle Frau und – Jack Lord. Atemberaubende Schnitte. Das war Hawaii-Five-O.

Jack Lord spielt Steve McGarrett, den Leiter einer Polizeieinheit, die gegen das organisierte Verbrechen auf Hawaii kämpft. Er wird unterstützt von seinem milchgesichtigen Assistenten Danny Williams, der vom kürzlich verstorbenen James MacArthur dargestellt wurde und Kono Kalakaua (Zulu).

Die Stories sind spannend, geladen und gut abgedreht. Während zwölf Staffeln durfte Steve MacGarrett ermitteln. Dann war Schluss. Nicht aber für Jack Lord. Der zog sich zwar nachher ins Privatleben zurück, wird aber noch heute in Hawaii wie ein Nationalheld verehrt.

Fans wissen natürlich, warum die Serie ihren Namen trägt, oder?
Hawaii ist nämlich der 50ste Bundesstaat, also sowas ähnliches wie bei uns der Jura. Verstanden?

Ich war beim Lesen der neuen Cinema-Ausgabe etwas erschüttert, als ich einen Artikel über das Remake von Hawaii-Five-O las. Zuerst befürchtete ich schon ein ähnliches Kino-Desaster wie bei „The A-Team“.
CBS hat eine volle Staffel der Serie bestellt. Die Besetzung kann sich sehen lassen:
Alex O’Loughlin spielt Steve MacGarrett. Er war unter anderem bei „Moonlight“ und „Three Rivers“ beteiligt, alles Serien, die nach der ersten Staffel wegen mangelnden Erfolgs eingestellt wurden.
Scott Caan ist Danny. seit Ocean’s Eleven ist er einer meiner liebsten Darsteller. „Battlestar Galactica“-Heroine Grace Park spielt Zulus Paraderolle Kona „Kono“ Kalakaua. Daniel Dae Kim, bekannt aus Hits wie „24“ und „Lost“ , ist Chin Ho Kelly.
Schön auch, dass der Vorspann eine Art Ehrung an die Original-Serie darstellt und trotzdem modern daher kommt. Man darf also gespannt sein.

Vielleicht gibt es ja auch bald das hawaiianische Feeling auf dem farbigen Schweizer Kanal. Wär‘ mal ’ne willkommene Abwechslung nach all dem Hin und Her um House M.D. und die spinnerten Zickenweiber aus der Wisteria Lane.

Kopfschütteln, Stirntippen & Co

Nachdem vor einigen Wochen das neueste Kind aus dem Hause FaroTV gestartet ist, scheint es an der Zeit, ein wenig zurück zu blicken. 2003 war das Geburtsjahr der grossen Tier-Soaps.
Wie Pilze schossen auf allen Sendern die Auswüchse des Infotainments empor: „Tierische Kumpel“, „Dresdner Schnauzen“, „Elefant, Tiger und Co“ und wie sie alle heissen. In Deutschland gibt es keinen Sender, der nicht mindestens einmal täglich eine solche Sendung ausstrahlt.
Nur auf SF, da herrschte Funkstille. Bis jetzt.

Egal ob Blindenhund, schwangere Kuh oder rülpsende Echse, wir bekommen jetzt alles zu sehen. Eigentlich ja eine schöne Idee, wenn es das nicht schon alles, und zwar besser, gäbe.
Dass Heidi Abel vor 30 Jahren mit Charme und Liebe Tiere am Fernsehen vermittelt hat, war nur der Anfang. Da ist doch beispielsweise Netz Natur: Andreas Moser bringt seit vielen Jahren Herrn und Frau Schweizer die Tierwelt nahe. Er macht keinen Unterschied zwischen Silberfisch oder Wolf, sondern informiert mit grossem Fachwissen und der spürbaren Liebe zu allem Lebendigen. Ungeschönt, aber ehrlich wird der Zuschauer mit der biologischen Realität konfrontiert. Und im Gegensatz zu „Tierische Freunde“ bleibt kein bitterer Nachgeschmack im Mund, sondern echte Nachdenklichkeit.

Bitterer Nachgeschmack?

Ja. Tierische Freunde ist Billigstfernsehen. Alles wirkt gestellt. Die Tiere sind zwar echt, aber die Tierhalter lösen nichtsdestotrotz Kopfschütteln aus. Kein echtes Mitgefühl mag entstehen, wenn man zuschaut, wie die Tierfreundin die übergewichtige Katze aus dem Tierheim mit nach Hause nehmen darf oder der Tierarzt eine kranke Boa einschläfern muss.

Ich frage mich, für wen diese Sendung konzipiert ist. Kinder werden von den Bildern wohl nicht angesprochen. Tierfreunde finden die Herangehensweise und das „Drehbuch“ einfach nur strange. Bleiben die Zuschauer, die sich nicht für das Thema interessieren. Und die werden wohl nur die Fernbedienung nehmen und weiterzappen. Was ihnen nicht zu verdenken ist.