Archiv der Kategorie: Das Land aus dem die Hörbigers stammen

Tatort Wien. Wider die schlechte Erwartung

Schon früher zeichneten sich die Wiener Tatorte durch ihre Sozialkritik (Kolportage!) aus. Zwar verstanden wir die halbe Zeit nicht, was die Protagonisten sagten, aber das war egal. Die schöne Silhouette Wiens entschädigte einen für Grantler und schlecht angezogene Kieberer.

Moritz Eisner, die weiblichen Fans kennen den Darsteller auch aus der Serie «Der Bergdoktor», geistert noch immer durch Wien. An seiner Seite ist Bibi, die Aufrechte und, wie wir gegen Ende erfahren, Anonyme Alkoholikerin.

Der Plot ist, wie immer, schnell erzählt: Drei Chinesen tau(ch)en auf. Dazu kommen noch ein Fuss und ein Kopf, der wegen Feierabends im Eisner’schen Kühlschrank zum Schrecken des Töchterleins aufbewahrt wird. Zwischen Leichenteilen und Auflösung des Falls liegen oder knien noch einige weitere Tote. Am Ende wird ein möglicher Mörder überführt. Die wirklichen Drahtzieher bleiben aber im Dunkeln. Wen wundert’s? Zumindest nicht die drei Chinesen mit dem Kontrabass.

 

Nachgesang

Er war ein Idol unserer Kindheit. Nicht vergleichbar mit anderen. Eher ein witziger Onkel, der sich nachmittags auch mal als Frau verkleidete und gut singen konnte. Er war jede Woche bei uns daheim zu Gast. Er sang samstags oder sonntags auf einem der dritten Kanäle, schmuste und klaumaukte sich durch zweitklassige Komödien, begleitet von Gunther Philipp.

Peter Alexander war seit den 50ern ein ständiger Begleiter der kleinen Leute. Sie hörten seine Songs am Radio, gingen ins Kino, um ihn an der Seite Caterina Valentes oder Bibi Johns zu sehen. Sie liebten ihn. Er war perfekt. Seine Stimme klang familiär und doch fremd genug. Er war Wiener. Österreicher. Und keiner hätte in den 80ern zugegeben, ihn gerne zu mögen.

Peter Alexander. Ein fremdländischer Name und doch – Wien. Er brachte meinen Grosseltern und Eltern die weite Welt ins Haus. Er sang und vereinte alle. Kein Weihnachten verging bis zu meinem 18. Lebensjahr, ohne ihn. Er gehörte dazu, wie die alte Krippe mit den skifahrenden Zwergen, deren Leib aus einem Föhrenzapfen bestand. genauso wie die Witze meines Grossvaters über Irak und den Weltfrieden. Er wirkte wie ein Überbleibsel aus einer Zeit, deren Zauber sich erst jetzt, dank youtube, für mich erschliesst. Peter. Er war nicht nur ein Schauspieler, Schlagerkasper und das, was man heute so ehrerbietig „Entertainer“nennt, weil es keinen mehr gibt. Er war mehr als das. Er war die personifizierte Sehnsucht nach einer besseren Welt, Liebe und Harmonie.
Ruhe in Frieden, Peter Neumayer. Ich vermisse dich.

Der einzig wahre Blues

In den 90ern produzierte das ORF eine Sendung, die ihresgleichen sucht: Kaisermühlen Blues. Realistischer als die ewig langweilige Lindenstrasse, die bessere Musik sowieso (ich sag nur Extremschrammeln), sehr sarkastisch und gleichzeitig liebenswert.

Die Serie, die in einer „Gemeindebausiedlung“ spielt, handelt vom Leben der kleinen Leute. Die unbestrittene Hauptperson ist Gitti Schimek, die von der wunderbaren Marianne Mendt gespielt wird. Der „Fünfer“, der sich für eine Strassenbahn hält, und seine Schwester, die deutsche, etwas piefige Ehefrau des Bezirksrat und die Hausmeisterin sind Figuren, die einfach im Gedächtnis bleiben.
Die Charaktere sind eingängig, ebenso die Geschichten. So freut man sich immer wieder aufs Neue auf jene Begebenheiten, die das Leben auf Lager hat. Die Kameraführung ist für die damalige Zeit pragmatisch und gleichzeitig ästhetisch ausgerichtet. Es macht Spass, Wien für einmal mit anderen Augen zu sehen, die nicht mit dem ewigen Sissi-Schmus behaftet sind.

Die Crème de la Crème der österreichischen Kabarettisten- und Schauspielliga tritt in Kaisermühlen-Blues auf: Alfons Haider, Gunther Philipp, Peter Fröhlich und Lukas Resetarits sind nur einige der grossen Namen. Zwar fällt in jedem zweiten Satz „Neger“, „Tschuttschen“ und „Depperter“, aber Drehbuchautor Ernst Hinterberger trifft mit trockenen Dialogen und geschliffenen Sätzen den Nerv der Zeit. Dass „Kaisermühlen Blues“ heute aktueller denn je wirkt, ist zum grossen Teil sein Verdienst.

Dass 3Sat jeweils samstags zwischen 10.15 und 12.00 zwei Folgen der Serie bringt, ist ein Glücksfall für jeden Fan, der übersättigt von 24 und Konsorten ist. Einfachheit ist der neue Trend. Spannend ist es sowieso und für Freunde der Nackerten tritt in mindestens jeder zweiten Sendung eine barbusige (und barmuschige) Schönheit auf. Also, worauf warten? Amazon vertickt 65 Folgen auf 17 DVD’s in einem praktischen Album für 42 Euro…

Ach du lieber Moritz

Moritz Eisener ist Polizist in Wien und löst geheimnisvolle Mordfälle auf. Er hat ein Team von schrulligen Mitösterreichern und bewohnt einen Altbau mit seiner Tochter.
Er sieht furchtbar gut aus und ist dank seinem blonden Haar und den leuchtend blauen Augen der Traum jeder Schweizer Österreich-Touristin auf Männerfang.
Wie die meisten Tatort-Ermittler ist auch er einsam. Er hatte wohl mal eine Frau, was auch die Existenz seiner Tochter erklärt. Im Gegensatz zu Lena Odenthal hat er jedoch keine Katze, was bei seinem Lebensstil (er ermittelt in halb Österreich) wohl auch besser ist.
Er kann sehr gut weibliche Zeugen trösten und auch für seine Mitarbeiter hat er immer ein freundschaftliches Schulterklopfen parat. Ich persönlich stehe ihm gegenüber völlig unkritisch gegenüber, denn er sieht ja wirklich zum Anbeissen aus.
Meine Oma schwärmt ebenfalls für ihn, doch bei ihr heisst er nur „Der Bergdoktor“, was mich dazu bringt, ihn mir nochmals genau anzuschauen. Wenn Moritz Eisener im Nebenberuf Arzt ist, bräuchte er nicht jedes Mal ein solches Theater aufzuführen, wenn die nette Gerichtsmedizinerin ihm nicht die Obduktionsergebnisse rüberschickt.
Mann, was sind die Männer primitiv…!