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TV Real macht Ferien – Internationale Begegnungen

Das Hotel beim Grimselsee scheint mir ein Spiegel der heutigen Touristenlandschaft in der Schweiz zu sein. Da ist der bayrische, braungebrannte Lifestyle-Wanderer komplett in Chiemsee gekleidet, an der Seite die blonde Freundin, die so glücklich aussehen, dass es einen rührt. Dort sitzt die japanische Reisegruppe, alle zwischen 45 und 80, in den Farben grau, schwarz und hellgrau gekleidet, gut gelaunt, leise flüsternd und immer etwas geschockt von der italienischen Kaffeemaschine, die auch noch Milchschaum macht. Neben uns nimmt eine französische Grossfamilie Platz, alle sehr gut gekleidet und die Kinder auffällig wohlerzogen. Dann fehlt nur noch das Schweizer Zürcher Rentnerpaar, gut zu erkennen am Partnerlook, der jeglichen Farbgeschmack vermissen lässt. Hier jedenfalls scheint es an interessiertem und gut zahlendem Klientel nicht zu fehlen. Wen wundert’s?

Während unserer Reise vom Grimsel über die Furka, den Gotthard, den San Bernardino über den Splügen und schlussendlich den Maloja fällt uns etwas auf: es hat im Vergleich zu den letzten Jahren sehr viel weniger ausländische Autos, besonders Franzosen, Belgier und Holländer. Ich erinnere mich, dass ich noch vor zwei Jahren halb wahnsinnig wurde, weil so viele holländische Campingwagen die Furka zu meinem absoluten Hass-Pass machten.

Letzte Woche hingegen schienen mir die Alpenpässe fast leer. Ab und zu wurden wir von Töfffahrern überholt, aber auch das hielt sich in Grenzen. Ich nehme mal an, dass all diese Touris den Schweizer Hoteliers fehlen werden. Aber was ist mit den Schweizer Gästen?

TV Real macht Ferien – Ferien in der Schweiz

Da hörte ich in den letzten Wochen davon, wie schwierig die Situation für die Schweizer Hotels in der aktuellen Krise oder was auch immer ist. Auffällig waren die Beteuerungen, was man nun alles für seine (Schweizer) Gäste tun würde. Ich war gespannt, denn seit mittlerweile vier Jahren mache ich im Sommer eine Tour de Suisse durch verschiedene Hotels. Was würde sich wohl verändert haben?

Unser erster Halt fand in Vitznau unterhalb der Rigi statt. Das kleine, familiär geführte Hotel, eine sehr persönliche Begrüssung durch die Chefin und schliesslich das Zimmer waren ein erstes Highlight. Ich hoffte auf weitere.

Die Terrasse mit Blick auf den Vierwaldstättersee und Bürgenstock war göttlich. Wir fläzten uns sofort in die nicht mehr ganz neuen Liegestühle und sonnten uns. Das Besorgen der Drinks im Restaurant stellte sich dann als Tour de Force heraus. Aufschreiben oder nicht? Jetzt bezahlen oder nicht? Es schien sehr kompliziert. Rauftragen konnte/wollte niemand, aber zumindest hielt mir eine freundliche Mitarbeiterin die schwere Tür in den oberen Stock auf.

Im Zimmer schliesslich machten wir uns mit den Tatsachen des Hauses bekannt. Dass sich ein Hotel derart vehement bekennt, kein Wifi anbieten zu wollen, erlebten wir so noch nie. Glücklicherweise hat frau eine Flatrate.

Das Abendessen sollte ein weiterer Höhepunkt werden: wir bekamen einen wunderbaren, allürenfreien Drei-Gänger serviert und wurden vom Patron aufs Beste unterhalten. Leider aber schmeckt das beste Essen nicht, wenn das restliche Personal nicht danach fragt, was man trinken will. Auch die Tatsache, dass man das Dessert serviert kriegt, während noch die Teller des Hauptgangs herum stehen, macht keine gute Falle. Selbstverständlich haben auch Kellner nur zwei Hände, der Kugelschreiber muss entsprechend im Mund parkiert werden, bevor er dem verdutzen Gast gereicht wird.

Mein erstes Resümee: einfach ist besser als kompliziert. Keiner erwartet in einem 3Sterne-Hotel einen Rundum-Service. Aber Dinge wie Geschirr abräumen und Gäste als solche wahrnehmen sind ein Muss!

Unseren zweiten Halt machten wir in Flüeli-Ranft. Das Hotel wurde renoviert und erstrahlt nun in neuem Glanz. Zwar hatten wir in unserem Zimmer weder Fernseher noch Internetanschluss, doch die atemberaubende Landschaft und das wunderbare Essen machten all dies wett. Unsere Bedienung, ein Deutscher, war sehr aufmerksam und freundlich. Wir fühlten uns wie Könige. Einziger Wermutstropfen für mich war die Tatsache, dass das Hotel nichts für Kinder anbietet. Während eines Mehrgängers mit Geschrei und rumtobenden Kindern zwischen den Tischen beschallt zu werden, ist nicht wirklich lustig.

Der Höhepunkt unserer Reise sollte die Übernachtung auf dem Grimsel werden. Das Hotel steht auf einem Felsen mitten im Stausee und ist unübersehbar. Dass dieses Hotel sehr beliebt ist erkannten wir daran, dass wir bis nach 15h warten mussten, um einzuchecken. Der sehr freundliche Service und die Liegestühle auf der Terrasse trösteten darüber hinweg. Unser Zimmer war sehr funktional und klein. Allerdings hatten wir hier prima WLAN-Empfang und eine wunderschöne Dusche. Auf unseren Nachttischen stand jeweils eine riesige Flasche Mineralwasser. Das ist doch Service, wenn es schon keine Minibar gibt.

Auch hier wird in Halbpension ein Mehrgänger angeboten, der sich sehen lässt: Fisch, Suppe, wunderbar zartes Fleisch und ein megafeines Dessert. Die Weinempfehlung des Sommeliers war engagiert und treffend, auch er ein Deutscher.

In den letzten zwei Hotels unserer Reise auffällig: das hervorragende Servicepersonal. Diese machen kleine Unannehmlichkeiten mit ihrer Freundlichkeit und ihrem Engagement wett. Die beiden gehörten zu den teureren Hotels dieses Sommers. Zufall?

 

Fortsetzung folgt.

TV Real macht Ferien: Wasserland Schweiz

Alle paar Jahre muss es einfach sein: die Fahrt per Schiff von Kreuzlingen nach Schaffhausen. Da kommt nämlich bei mir dieses vergessen geglaubte Safari-Gefühl auf. Ich muss mir khakifarbene Kleider anziehen, mich mit Moskito-Spray einhüllen und Feldstecher und Schlapphut einpacken.

In Kreuzlingen schliesslich erwartet den geneigten Untersee-Rhein-Besucher das Gefährt der nächsten Stunden, ein Schiff mit Namen Diessenhofen oder Reichenau oder dergleichen. Der Eingang mitsamt Rampe ist von einer Traube aggressiver, kaffeesüchtiger Rentner besetzt und ohne Gehstöcke oder Rollator komme ich mir auf einmal schrecklich wehrlos vor.

Nach einigen knochigen Ellbogenstössen in die Seite und der Bekanntschaft eines überaus haarigen Männerarms schaffe ich es, ins Restaurant zu flüchten. Die Crew, bestehend aus sehr gut gelaunten Stewards, die einem so ziemlich jeden Wunsch von den Augen ablesen würden („Sind Sie sicher, dass Sie jetzt keinen Apfelkuchen mögen?“), wirbelt zwischen Tischen und Gehhilfen herum. Wir bestellen zwei Menüs und staunen. Das Essen ist sehr schmackhaft.

Wir wundern uns, warum das Restaurant plötzlich aus allen Nähten platzt. Neben all den älteren Herrschaften haben sich nun auch die Familien mit mehr als drei Kindern eingefunden. Diesen scheint die Reise im Innern des Schiffs nicht annähernd so grossen Spass zu machen. Zwischen den Tischen spielen sie Fangis und die Dame am Tisch neben mir stellt ihr Hörgerät ab. Wir zahlen und gehen.

Draussen wird mir schnell klar, warum plötzlich alle ihr Glacéstengeli im Restaurant essen wollen. Ein sehr starker Wind bläst und zwischen Kreuzlingen und Reichenau kommt so das Adria-Feeling auf. Die Mütter halten ihre Kinder fest, während die Väter nach Bier schreien und die Schönheiten des Thurgaus (tiefer Ausschnitt, Amy-Winehouse-Gedenkfrisur) bewundern. Ich warte darauf, dass ein leicht bekleideter Bodensee-Fischer heranbraust und frisch gefangene Bodensee-Felchen an Bord liefert. Wo bleibt der Weisswein? Wo die fröhlichen Lieder?

Ich ziehe meine Jacke an und crème mich gut ein. Der Sonnenbrand wäre anders wohl nicht abzuwenden. Das nächste Highlight ist die Unterquerung der Rheinbrücken. Besonders Diessenhofen scheint dem gut aussehenden, jungen Steward den Schweiss über das schöne Gesicht zu treiben. Aufmerksam steht er auf dem Oberdeck und hält blasenschwache ältere Damen davon ab, den Kopf zu verlieren.

In Schaffhausen kommen wir drei Stunden später an. Total durch den Wind und glücklich.

TV Real macht Ferien – Frauen und Kunst

Natürlich gibt es in einem richtigen Kunstmuseum auch Frauen, und das nicht nur auf der Leinwand. Man könnte gewissermassen behaupten, dass es die Frauen sind, wegen denen Männer malen und überhaupt in Museen gehen. Frauen kommen also in rauen Mengen vor und die Katalogisierung mag einem im ersten Moment leicht vorkommen. Ich kann Ihnen aber versichern, sie ist es nicht.

Die alternde Künstlerin
erkennt man an ihren wallenden, bunten Kleidern und ihrem roten oder schwarzen Haar. Ihr Make-up ist gelinde gesagt sensationell und ihre Ausstrahlung sucht ihresgleichen. Gleichsam traurig scheint sie Skizzen und Bilder berühmter Maler zu durchsuchen, um sich selbst zu erkennen. Sie ist alleine unterwegs ist aber offen für neues, insbesondere den Studenten.

Die Erbin
Sie besticht durch ihr perfektes Aussehen. Sie ist meist Mitte 20, blond, trägt einen strengen Scheitel sowie einen Trenchcoat und eine Louis-Vuitton-Tasche. Sie hat eine hervorragende Ausbildung genossen. Kunstausstellungen sind ihr Lebenselixier. In ihrer Nähe entdeckt man öfters den gescheiterten Künstler (aus Gründen) und den (zukünftigen) Begleiter.

Die Studentin
Sie ist sehr jung und unschuldig anzusehen, allerdings nur auf den ersten Blick. Weil sie Photographie oder Theaterwissenschaften studiert, hat sie von allem eine Ahnung und schreckt auch nicht davor zurück, Pastellfarbene und Begleiter zurecht zu weisen.

Die Ehefrau
Dieses Exemplar fällt gar nicht auf. Sie ist meist Mitte 40, still und leidend an der Seite des Touris. Allerdings ist sie offen für Kunst und neue Eindrücke. Dumm ist nur, dass sie meistens stark auf Pastellfarbene reagiert.

Die Feministin
Sie fällt auf durch ihr zielgerichtetes Verhalten und ihr gutes Aussehen (kurze oder graue lange Haare, rote Brille). Im Gegensatz zur Ehefrau lässt sie sich von Pastellfarbenen nicht beim Anschauen von Bildern verscheuchen, die ihr gefallen und hat auch wirklich eine Ahnung, von dem was sie sieht. Sie ist meist alleine unterwegs, hat aber kein Problem, auch mit Fremden zu sprechen. Sie wirkt besonders abschreckend auf Begleiter.

 

TV Real macht Ferien: Männer und Kunst

Einmal im Jahr muss es einfach drin liegen: kein TV, keine Serien, kein Alltagstrott. Ferien. Kunst und Kultur!! Aber leider ist man ja an den wirklich schönen Orten der Welt nicht so alleine, wie vor der Flimmerkiste. Und wenn man ein Freund von Tier-Dokumentarfilmen ist, fühlt man sich in einem Kunstmuseum wie der Albertina sofort wohl. Schliesslich ist Brehm’s Tierleben auch hier problemlos anwendbar. Menschen, insbesondere Männer, sind sehr rasch katalogisierbar. Da wären beispielsweise:

Der Asket
leicht erkennbar am dunklen, noch besser schwarzen Rollkragenpulli, dem ernsten Gesicht und dem kurzen, grau mellierten Haar. Er trägt eine Brille und kann stundenlang vor einem Bild verweilen.

Der Begleiter
sieht man im Idealfall an der Seite einer jungen, sehr schlanken Blondine, einem Audrey-Hepburn-Verschnitt oder einer prä-raffaelitischen Rothaarigen. Man erkennt sofort, dass er keine Ahnung von Kunst hat, aber willig ist, zumindest Akte genauer anzuschauen. Er trägt meistens ein blaues Polohemd, einen roten Pulli über den Schultern, Jeans und eine dicke Unterhose. Seine Haare sind halblang.

Der gescheiterte Künstler
Er ist mittelgross, dünn, hat halblange blonde Haare, trägt einen schwarzen Mantel und motiviert sich hauptsächlich an den Biographien jener Maler, die genau wie er, dank Papas Geld überlebt haben und nach ihrem Tode gross wurden. Er ist alleine unterwegs.

Der Pastellfarbene
Er ist sehr gutaussehend und gutriechend, mittleren Alters und immer zu zweit unterwegs.Gut erkennbar ist er an seinem perfekten Haarschnitt, der perfektsitzenden Kleidung und dem pastellfarbenen Pullover über den Schultern. Er diskutiert und steht mit seinem Begleiter stundenlang vor Männerakten, um dann vor Frauenakten verstört weiter zu gehen.

Der Student
Er ist hochinteressiert, pickelig, setzt sich auf jeden bereitgestellten Stuhl und macht sich Notizen in sein Moleskine oder iPad. Er fällt unter den vielen anderen Geschlechtsgenossen auf wie ein Paradiesvogel, trotz seines mausgrauen Auftritts. In Wirklichkeit wartet er auf seine Märchenprinzessin, die bitte eine Mischung aus Degas‘ Ballerinas und Klimts Gorgonen sein soll.

Der Touri
Er trägt kurze, helle Hosen, Sandalen und Socken in jeder Jahreszeit. Vor seinem grossen Bauch hängt eine Spiegelreflexkamera mit langem Zoomobjektiv, in den Händen hält er den Stadtführer. Sein Gesicht ist leicht gerötet, besonders vor Akten. Warum er hier ist, weiss er nicht genau. Aber missfallen tut es ihm auch nicht.

Fortsetzung folgt.

TV Real macht Ferien: Passland Schweiz

Was gibt es Schöneres, als in den Ferien von Menschen praktisch unerforschte Gebiete zu durchstreichen? Man lädt seinen Jeep mit Wasser und Lebensmitteln, Benzinkanistern, einem Kompass und Leuchtraketen. Damit kann man auf sich, falls man sich verirrt, aufmerksam machen.

Nun ist aber die Schweiz kein wirklich abenteuerliches Stückchen Land. Es ist bevölkert von Helvetiern, Kühen, Schafen und Handyantennen. Was tun, damit man sich trotzdem den Reiz des Unbekannten erhalten kann?

  • Man belädt den familieneigenen Wohnwagen mit Fressalien, vorzugsweise Chips und vakuumierten Bratwürsten, mehreren Hektolitern Rivella rot, für die Ehefrau blau, sowie das wichtigste: Appenzeller Bier.
  • Man befestigt das Tomtom, lädt Handy, Laptop und iPod auf. Schliesslich hat man auch in den Abenteuerferien eine soziale Verantwortung, seine Freunde auf Facebook über aktuelle Befindlichkeiten und die Konsistenz des Stuhlgangs zu informieren.
  • Ganz wichtig in der Woche vor dem 1. August: Kantonswappen einpacken. Dabei sollte man sich im Vorfeld in Schweizer Geschichte einlesen, damit man nicht aus Versehen/Doofheit die Jurafahne in Zentralbern, die Innerrhödler Fahne in Ausserrhoden oder noch viel verhängnisvoller: die Zürcher Fahne im Thurgau, hisst.
  • Filmfreunde nehmen unbedingt ein (sauberes) Barchetleintuch mit, einen Beamer, einen Stromgenerator sowie eine Sammlung der schönsten Schweizer Filme (Füsilier Wipf, Gilberte de Courgenay und Willhelm Tell). Es gibt nichts Eindrücklicheres, als des Nachts auf dem Grimselpass eine campierende, naturnahe Hippiekommune mit vibrierender Eidgenossenschaftssuppe zu foltern.
  • Freunde von Passfahrten sollten sich unbedingt Sonnenbrille, Medikamente gegen Reisekrankheit, sowie einen Beifahrer mit starken Nerven organisieren. Dieser nimmt dann seine soziale Rolle bei Überholmanövern als Motivator, sowie bei schleichenden Nidwaldner Toyotafahrern (Ja, genau Sie meine ich. Wenn’s nach mir ginge, dürften Sie nicht einmal Trottinett fahren!!) als aggressionssenkenden Beistand wahr.

Und wenn man dann nach ein paar Tagen wieder ins heimische Nest zurück- kehrt, hat man nicht nur viel zu erzählen, auszupacken und auszudrucken, sondern mit etwas Pioniergeist auch noch eine Anzeige wegen Verstössen gegen das Naturschutzgesetz im Briefkasten (siehe oben unter Grimselpass).

 

TV Real macht Ferien: Thurgau einfach – das Seebachtal

Ferien machen kann man so ziemlich überall, besonders auf dem Land. Keine nervigen Nachbarn, wenig kackende Hunde, nur Stille und Harmonie. Wie heisst es so schön: „Warum bloss in die Ferne schweifen, das Gute ist so nah.“

Das Seebachtal ist für meine Begriffe wirklich sehr nah. Man fährt, am besten mit dem Auto, meinetwegen auch mit dem gelben Fliwatüüt von Frauenfeld in Richtung Diessenhofen. Auf der linken Seite entdeckt man dann zuerst den Hüttwiler-, nachher rasch den Nussbaumersee. Zwischen den beiden Seen, es gibt übrigens noch einen dritten, aber der ist popelig und heisst „Hasensee“, kann man anschliessend seinen Rundgang beginnen. Geht man in Richtung Hüttwilersee, erblickt man rasch die Ruine Helfenberg, freundlicherweise auf dem Schild in Dialekt „Hälfenbärg“ angeschrieben, dass man sie auch ja findet und korrekt anspricht. Und weil Ruinen das so an sich haben, dass sie etwas ruinös aussehen, braucht man sich nicht zu wundern, dass nur noch ein paar traurige Mauern herumstehen. Der Zauber des Mittelalters aber ist geblieben und wenn man sich in der richtigen Jahreszeit richtig platziert, können aus drögen Ferienfotos schnell einmal gepimpte „wir-waren-in-Schottland-oder-Irland“-Bildchen werden. Das schont den Geldbeutel und beeindruckt Bekannte und Freunde des LOTR ungemein.

In ca. einer Stunde kann man um den Nussbaumersee marschieren, wenn man dabei acht gibt, dass man nicht von tollwütigen Kampftraktoren angefahren oder aber von Rehen überrannt wird. Das Gebiet der drei Seen steht unter Naturschutz, was man auch sieht. Alles ist schön herausgeputzt, die Wege sind anständig gemacht und stets sauber.

Das Seebachtal ist auch für Freunde des guten alten Edgar-Wallace-Films eine Wiege der Inspiration. Im Spätsommer und Winter gibt das Gebiet den perfekten Drehort her. Ich bin ja noch immer überzeugt, dass sich im Hüttwilersee der Frosch mit der Maske ein Quartier eingerichtet hat.

TV Real macht Ferien: Thurgau einfach – die Mainau

Vielleicht bin ich ein wenig hinterwälderisch veranlagt, aber schon als Kind hatte ich mir vorgestellt, dass die Insel Mainau irgendwo mitten im Bodensee liegt und von wildem Efeu überwachsen ist. Ein bisschen What-the-Fuck war das schon, als ich am Montag bemerken musste, dass die Mainau quasi per Brücke an Konstanz angedockt ist. Wenigstens, so bestätigte der Kapitän per Durchsage, würden wir schwedischen Boden betreten.

Die Insel Mainau ist ein kleines übersichtliches Flecklein Land im Überlinger See. (Für alle nicht Bodensee-Ansässigen: das ist dieses Hasenohr auf der Karte). Tausende von Carfahrten-Anbieter fahren Omas und Opas auf den grossen Parkplatz vor der Insel, nachdem sie sie mit Heizdecken ausgestattet haben, und bringen sie am Abend wieder wohlbehalten, aber betüdelt zurück auf den heimischen Bauernhof.

Die Mainau wird im Rentnerdeutsch auch „die Blumeninsel“ genannt, was wohl daran liegt, dass auf der Insel sehr sehr sehr viele Blumen wachsen. Was ich wesentlich interessanter finde, ist die hohe Anzahl von riesigen, alten Bäumen. Aber „Alte-Riesenbaum-Insel“ macht sich im Marketing wohl nicht so gut, es sei denn, die Adressaten sind Fantasy-Fans.

Was man den Insulanern zugute halten muss, ist ihre Freundlichkeit und die Fähigkeit, rollstuhlgängige Wege zu bauen, bzw. überall alles anzuschreiben, was nicht rollstuhlgängig ist. Bemerkenswert sind auch die vielen Überraschungen und die Gründlichkeit des Tuns, die man auf der Insel antrifft: die Blumenuhr nach Carl von Linné, den aus Blumen gepflanzten Bodensee, die Warnung vor bissigen Ziegen,  Pferden und Enten usw.

Dass man 20 Euro bezahlen muss, um überhaupt auf der Insel wandeln zu dürfen, scheint auf den ersten Blick etwas überrissen. Ich meine, mit ein bisschen Einfallskraft und einem Wasserschlauch verwandelt man doch auch Omas Garten in eine Replika der Insel Mainau. Allerdings muss ich zugeben, dass die 20 Euro gut investiert sind, wenn man auf der Suche nach Dauerwellen, deutschen Dialekten und Nordeuropäern mit schlechten Zähnen ist. Diese und vieles andere trifft man dort nämlich zuhauf.

TV Real macht Ferien: Thurgau einfach

Ferien sind so eine Sache. Entweder man packt Koffer und Kinder in die Karre und fährt gen Süden (und steht sich vor dem Gotthard die Pneus ins Chassis) oder man bleibt in der Gegend. Weil ich zugegebenermassen auf dem schönsten Fleckchen Erde wohne, liegt nichts näher als der Bodensee. Wir erinnern uns: der Bodensee ist dieser grosse blaue Fleck auf der Landkarte, von dem die Deutschen genauso wie wir selber sagen: er gehört uns.

Und weil der Thurgau auf den ersten Blick harmonisch wirkt, es aber bei genauerem Hinsehen nicht ist (die beiden Schifffahrtsgesellschaften Bodensee und Untersee und Rhein stimmen nicht mal ihre Fahrpläne aufeinander ab), blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Schiff von Romanshorn in Richtung Insel Mainau, statt nach Schaffhausen, zu fahren.

Zuerst einmal zu Romanshorn: Wenn Sie die Möglichkeit haben und/oder Raucher sind, umfahren Sie dieses ärgerliche Kaff. Die Restaurants sind heruntergekommen, dürfen aber aufgrund der harschen Politik keine miefigen Raucherecken führen, so dass man sich als paffender Gast nicht wirklich willkommen fühlt. Der zweite Grund, Romanshorn zu meiden, sind die fehlenden Mülleimer. Soweit ich mich erinnere, habe ich auf unserem Spaziergang durch das Dorf genau zwei Stück angetroffen. Diese waren hinter Gebüschen versteckt.

Kurz vor dem Mittag war es soweit: wir stiegen auf die MS St.Gallen. Umgeben von Wolken und weitem Land gibt der See den Blick frei auf das wirklich Wichtige: Wasser. Wasser. Und Wasser. Das Tosen des Schiffsmotors stört nicht gross, während man auf der Terrasse wenig elegant versucht, sich eine Zigarette anzuzünden und gleichzeitig verhindert, dass das Bier weg geweht wird. Da lenkt nicht einmal die Pfadihorde ab, die mitsamt Putzmittel, ungewaschenen Kleidern und einem Müllsack voll leerer Flaschen das Oberdeck heimsucht.

Die gut gelaunte Schiffscrew, die breitestes Thurgauerdütsch spricht und mit jeder Pore den Stolz auf die goldenen Löwen auf silbernem und grünem Grund ausstrahlt, gibt einem das Gefühl, dass man in Wirklichkeit gerade auf einer Kreuzfahrt in der Ägais unterwegs ist. Nun fehlen nur noch Sascha Hehn und der Schiffsarzt, der liebevoll meinen Sonnenbrand verarztet und nach meiner Oma fragt.

 to be continued

 

 

Warum Sie besser den ÖV benutzen sollten…

Ich hab natürlich keine Lust, mal wieder als die blöde Zicke da zu stehen, die ich natürlich trotzdem bin. Doch muss ich eines anmerken: Fahren Sie niemals im Sommer mit guter Laune und einem schnellen Auto durch die Schweiz. Es ist ganz einfach furchtbar. All die Appenzeller und Schwyzer in ihren roten oder silbernen Toyotas und Subarus sind ja eine Sache. An diese Sorte von Mitbürger habe ich mich ja mittlerweile gewöhnt. Aber dann gibt es da noch die Tiefflieger hinter dem Steuer, die eigentlich mit Ganz-Auto-Warnweste unterwegs sein sollten: die Holländer.

Sorry Folks, ihr seid ja echt toll beim Feiern (es gibt nichts über einen holländischen Tischnachbarn im Vier-Stern-Hotel, der schon morgens um acht im Feinripp-Unterhemd, Bierwampe und weissen Socken in Sandalen rumlatscht). Aber das Autofahren ist definitiv nicht eure Stärke. Ein Beispiel gefällig?

Dienstagvormittag. Der Susten. Ein wahres Schmankerl für alle, die ein Auto haben, das mehr als 50 km/h schafft. Warum aber fährt der schwarze Audi mit ständig leuchtenden Bremslichtern und 30km/h den berg hoch? Warum reagiert der nicht auf mein Hupen? Und warum wurden wir von einer genervten Kuh überholt? Keine Antwort auf meine Fragen. Leider auch keinen Platz zum Überholen und leider auch kein Mitleid mit mir. Ich weiss ja aus eigener Erfahrung als Beinahe-Flachländerin, wie unglaublich herausfordernd so eine Passfahrt sein kann. Aber muss der das unbedingt heute (und vor mir!) ausprobieren?

Er fährt nicht rechts raus, um mich, die langsam aber sicher kochende, endlich durchzulassen. Nein, das macht er erst auf der Talfahrt. Dann allerdings fährt er auf die linke Spur (dieser Lebensmüde, bei Gegenverkehr!!) und winkt mich durch. Dass ich zu Tode erschrocken bin, merkt allerdings nur mein Beifahrer. Das nächste mal nehm‘ ich die Postkutsche.