Archiv der Kategorie: ** Points for Germany

Tatort Köln: Ohnmacht

Wer ans Gute im Menschen glaubt, ist mit dem heutigen Tatort aus Köln schlecht bedient. Gleich zu Anfang werden wir Zeugen, wie Ballauf in eine Schlägerei in der U-Bahn läuft und versucht, zu schlichten. Ohne Erfolg. Das Opfer wird krankenhausreif geschlagen, stirbt kurze Zeit später, und Ballauf vor die U-Bahn geschmissen. Nach fünf Minuten Tatort sitzt man total geschockt da.

Die jugendlichen Schläger sind schnell gefunden. Es wird einem übel, wenn man sie so reden hört. Ein junger Mann und eine junge Frau werden verdächtigt, mit der Sache etwas zu tun zu haben. Unser aller Ballauf, der so heldenhaft versucht hat, das Opfer zu retten, wird von den Jugendlichen als alkoholisiert beschrieben. Sein Renommée ist dahin. So schnell kanns gehen im schönen Köln.

Wir erfahren mehr über die Elternhäuser der beiden jungen Menschen. Der junge Mann ist gewalttätig gegen seinen alleinerziehenden, kettenrauchenden Vater, sensibel gespielt von Sebastian Rudolph. Die junge Frau hingegen wirkt wie eine Prinzessin in einer eigens für sie kreierten Welt. Ihre Mutter stolpert wie ein sedierter Zombie um sie herum und liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Der Vater hingegen scheint realistischer zu sein. Felix von Manteuffel spielt den Vater, der das Monster in seiner Tochter erkennt, mit einer unnachahmlichen Mischung aus Gutmütigkeit, Entsetzen und – Ohnmacht.

„Ohnmacht“ endet zuerst so, wie man sich Verfahren gegen jugendliche Straftäter vorstellt. Das bittere Ende hingegen entsetzte sogar mich. Andreas Knaup ist ein heftiges Drehbuch gelungen, welches herausragend von Thomas Jauch umgesetzt wurde.

Ein wirklich sehenswerter Tatort aus Köln.

Ein Fall für zwei (junge Männer)

Nach Matulas Claus Theo Gärtners Abgang habe ich nicht daran geglaubt, dass eine neue Sendung mit unverbrauchten Charakteren ähnliches Potential hätte.

Die Mitwirkung von Antoine Monot jr und Wanja Mues hingegen liess mich hoffen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Wir lernen Leo Oswald (Wanja Mues) kennen. Er ist in verdeckter Mission unterwegs, was durch das Halbdunkel und die geduckte Haltung offensichtlich wird. Aus uns noch unbekannten Gründen hält er sich in einem Etablissement auf, in welchem leicht bekleidete Frauen herumwandeln. Wir bleiben neugierig.

Schnitt. Benni Hornberg (Antoine Monot jr) ist Fachanwalt für Versicherungsrecht und sucht Leo Oswald im Gefängnis auf. Er wirkt etwas zwanghaft und gleichzeitig chaotisch. Dass seine Anzüge alle gleich aussehen, verwundert keinen. Aber irgendwie tut einem dieser Anwalt, inmitten seiner kalten Wohnung, leid. So erstaunt es uns alle dann auch nicht, dass er kurze Zeit später seine knackige Frau auf der Terrasse bei einem Quickie mit dem Yogalehrer erwischt. Das kennen wir alle.

Wenig später sitzt Benni Hornberg in einer Runde Männer, die alle gekleidet sind wie er. Man erahnt es rasch: das können nur Anwälte sein. Schliesslich sind wir in Frankfurt.

Die Auflösung dieses Falls ist leider einfach. Jürgen Tarrach als Gastdarsteller spielt dabei natürlich eine Rolle. Liebe, Leidenschaft und ein Sportgerät sind in diese unglückliche Sache involviert.

Natürlich freue ich mich auf diese Serie, deren Darsteller noch nicht jenseits der 75 agieren, sondern haarig und noch nicht sooo faltig herummarschieren. Wanja Mues als Leo Oswald wirkt noch ein wenig kühl, aber nach Genuss der letzten Filmminuten nicht minder anziehend. Davon bitte gerne mehr, auch ohne Unterwäsche. Antoine Monots Darstellung von Hornberg macht neugierig und grosse Freude. Er moduliert in wunderbarer Weise seine Stimme. Wir hoffen allerdings darauf, dass seine Figur auf dem Hausboot regelmässig die Haare waschen kann.

Ich jedenfalls werde das nächste Mal wieder einschalten und willig vor dem Fernseher ausharren. Danke, liebes ZDF!!!

Tatort Leipzig: Frühstück für immer.

Dass Frauen ü40 kein einfaches Leben haben, war klar. Dank Tatort erfahren wir nun endlich, wie es wirklich aussieht.

Die Geschichte ist wie immer verworren und gleichzeitig einfach. Da stirbt eine Frau ü40. Die hat eine Tochter. Die Tochter hat einen Mann. Einen richtigen. Und dann ist da noch dieser Schönheitschirurg, der ein Faible für SM hat (oder das, was man bei der ARD dafür hält). Der hat eine Frau, die gerne unter ihrem Trenchcoat in Reizunterwäsche herumläuft. Aber ganz keusch. Schliesslich ist ja noch nicht mal 21.30.

Wieder einmal ermitteln Saalfeld und Keppler. Simone Thomalla ist gewohnt nachdenklich-neutral, was nicht nur am Thema, sondern auch an ihren stillgelegten Gesichtsnerven liegt. Keppler? Ja. Der war auch mit dabei. Irgendwie.

Ja. Frauen ü40 wollen Sex. Harten Sex. Und manchmal sterben sie dabei. Schliesslich ist das hier ein Krimi und kein Kindergeburtstag.

MAKE LOVE – oder wie man Bauarbeiter verlegen macht.

MDR gehört nicht zu meinen Lieblingssendern. Zu sehr verstört haben mich Schlagersendungen, die ich damals noch mit meiner Mutter angeschaut habe. MDR hatte für mich immer den Goût eines altbackenen Provinzsenders. Meine Erwartungen an das neue Format „Make love“ waren dementsprechend niedrig.

Doch ich sollte überrascht werden.
Ann-Marlene Henning, Autorin, führt durch die Dokufolge 1 „Was ist guter Sex?“. Was mir besonders gefiel, war ihr Auftreten: keine verknorzte, krampfhaft aufgestellte Sextante, sondern eine Frau mittleren Alters mit einer tollen offenen Ausstrahlung.

Sie quatscht mal kurz ein paar junge Bauarbeiter in Sachen „Was ist für euch guter Sex?“ an und kriegt Antworten sowie verschämte Gesichter. Doch die Verlegenheit währt nur kurz. Als Zuschauerin kriege ich das Gefühl: der Frau ist nichts peinlich. Mit der kann man reden.

Das junge Pärchen tut’s dann auch. Frau Henning steht bei ihnen vor der Türe. Natürlich erwähnt sie nebenbei, dass das so abgemacht ist. (Danke, hätten wir sonst nicht bemerkt, trägt aber zur guten Stimmung der Sendung bei.)
Hennings lockere, aber konzentrierte Art löst die Zungen des Paares. Was mir dabei besonders gefällt, ist, dass das Paar mit seinen Problemen nicht vorgeführt wird. Das ist in Zeiten wie heute echt ungewöhnlich!

Am Ende wissen wir natürlich nicht genau, was das Paar jetzt mit den erarbeiteten Ratschlägen anstellt. Das ist auch nicht so wichtig, denn die beiden sehen nun wesentlich zufriedener aus als am Anfang der Sendung und das ist doch schon mal was.

Mein Fazit: ich werde mir auch die nächsten Folgen anschauen. Schliesslich lernt frau nie aus!

Eine Ode an arte

1993, es war Sommer, und ich verbrachte ein Jahr in Nyon. Abgesehen davon, dass ich richtig gut Französisch lernte, war das tollste davon meine Bekanntschaft (und spätere Liebe) zu arte.

Fernsehen war bis dahin Geplätscher für mich, in einer Kindheit, die aus wenigen Sendern bestand (DRS, ARD, ZDF und TSI). arte war die grosse weite Welt. Buntheit. Eine andere (Bild-)Sprache.

Seit vielen Jahren bin ich begeisterte Zuschauerin von arte.
Ich hasse langweiliges Bullshit-TV und SAT1, RTL und RTL2 habe ich seit Jahren aus meiner Senderliste gelöscht. Wenn ich nackte Ärsche und vergrösserte Brüste aus Silikon anschauen will, kann ich gerade so gut in unser Stadtschwimmbad gehen.

arte ist für mich zu einer Art Insel in der Fernsehlandschaft geworden. Nachdem ich längst gelangweilt, ausser den Nachrichten, nicht mehr viel auf den heimischen Sendern schaue, brauche ich nicht lange zu überlegen, wenn mir an drögen Musikantenstadl-Samstagen nach echtem Fernsehen ist. Auf arte läuft immer eine Doku. Dank arte schwimme ich zurück in längst vergangene Zeiten und fühle mich wie eine Entdeckerin neuer unbekannter Welten.

Da ist beispielsweise Tracks. Diese Sendung läuft immer samstagabends und wenn immer möglich schaue ich sie. Ich staune, habe x wtf-Moments, freue mich, schniefe. Selten ist einem der Künstler in den Medien näher als hier.

Pflichtprogramm ist auch Karambolage. Diese intelligente, kurze Sendung ist eine Art Rätselbrücke zwischen Deutschen und Franzosen. Selbst als Schweizerin lerne ich regelmässig neues über meine Nachbarn.

Und dann ist da noch meine absolute Lieblingssendung: Abgedreht! Die läuft jeden Sonntagnachmittag. Herzstück der Sendung ist ein alter Hollywoodstreifen, der sehr schräg neu synchronisiert wird. Ein wahres Fressen für Filmnerds!! Weitere Rubriken sind Skandal!, Dresscode und Super Cocktail. Wer Trickfilme mag und keine Scheu vor schrägen Filmen hat, ist hier total richtig.

Fest steht eines: ein bisschen mehr arte, Verrücktheit, weniger volkstümlichen Hirnschrott und mehr Distinguiertheit würden auch gewissen anderen Sendern nicht schlecht stehen. Solange bleibe ich auch untreu und das nicht mit schlechtem Gewissen!

Tatort Hamburg – Feuerteufel. Der Neue ist (k)ein Milchbubi

Schon wieder ein neuer Kommissar. Langsam wird es langweilig.
Ach nein! Es ist ja Wotan Wilke Möhring. Ihr wisst schon. Antikörper. Der süsse Fratz.
Ich jedenfalls war gespannt auf heute abend.

Wotan Wilke Möhring gibt den Thorsten Falke. Ein ganzer Mann. In der Anfangsszene lässt er seinen Kumpel über ein Feuerchen springen. Toll. Diesem Kommissar würde ich alles anvertrauen, besonders meine St. Galler Bratwürste.

Doch wer ist Thorsten Falke eigentlich?
Wir bemerken schnell: Der Mann ist nicht laktoseintolerant. Er säuft Milch am Laufmeter, in allen Situationen und in allen Temperatur- und Verwesungsgraden. Ist das etwa der Grund für die seltsame Synchro am Anfang? Sollten da Furzgeräusche übertönt werden?

Thorsten ist aber durchaus sympa. Er trägt nette T-Shirts, ist durchtrainiert und vor allem: er hat eine Katze. Mit dieser kommuniziert er auf eine Art und Weise, die wir bisher noch selten bei Kommissaren bemerkt haben. Doch eine Frage dazu hab ich noch: Warum denken alle jungen Regisseure, sie müssten „ihren“ Kommissar Schimanski-like sportlich und beim Einverleiben von Lebensmitteln beim geneigten Publikum einführen?

Auch seine Hospitantin, gespielt von der zauberschönen Petra Schmidt-Schaller, wird etwas ambivalent vorgestellt. Was um Gottes Willen macht diese Frau in Hotpants und hochhakigen Stiefelchen im Revier? Will sie da anschaffen gehen, um ihre Stipendien zurückzuzahlen? Schade. Diese Figur hätte gerne etwas realitätsnahe geschrieben werden dürfen…

Die Story scheint schnell erzählt: Offensichtlich verwirrter junger Mann zündet Autos an. Dabei stirbt ein Mensch. Er begeht diese Taten aus Liebe. Ja klar. Und wahrscheinlich wollte er sein Filmchen auf Facebook stellen. Wie realistisch. Fuck.

Natürlich kommt alles anders. Leider nicht besser. Das Ende der Story ist derart himmelschreiend schlecht konstruiert, dass man gleich noch einmal den Böögg anzünden möchte, in der Hoffnung, dass auch aus Deutschland endlich wieder gute Tatorte kommen.

Hey, Freunde. Ihr könnt doch echt mehr als gruselig gelbstichige Wohnungseinrichtungen filmen?? Nächster Versuch!

Tatort Köln – Trautes Heim. Ein Hoch auf die Ehe.

Am Anfang des neuen Tatorts aus Köln wird ein kleiner Junge entführt. Uns schwant Böses.
Der nerdige Endzeit-Raumschiff-Enterprise-Kommentar tut sein übriges zu der Situation. Wir ahnen: hier passiert was ganz schlimmes.

Dann werden Freddy Schenk und Max Ballauf auf den Platz gerufen.
Die beiden braven Kommissare waten bald in einem schlammigen Etwas von Lügen, Unbeholfenheit und Verzweiflung. Die Mutter des entführten Jungen fällt vor allem dadurch aus, dass sie sich an allen möglichen Körperstellen ausgiebig kratzt. Etwas mehr Tiefe wäre ihrer Rolle angemessen gewesen.

Wir erfahren sehr rasch, dass der Vater des entführten Jungen ein Doppelleben mit anderer Frau, Sohn und Haus führt. Der erfahrene Tatort-Zuschauer ahnt rasch, wer der/die Täterin sein könnte.
Es ist nicht der IKEA-Wohnberater.

Die Story war anfangs interessant, weil ungewohnt modern verfilmt. Sandra Borgmann, den Fans unter uns aus „Berlin, Berlin“ bekannt, spielt die zweite Ehefrau mit herbem Charme und einer Stimme, die einen in den Wahnsinn treibt.

Aufgrund des schlechten Schlusses möchte man diesen Tatort sehr schnell vergessen. Ich wünsche den beiden Kommissaren endlich mal wieder einen tollen Fall.

P.S. Joe Bausch muss einfach sein, oder?

Lebwohl, Matula, du alte Gletscherspalte.

Am 11. September 1981 lief der erste „Matula“. So hiess die Serie nämlich bei uns zu Hause. „Ein Fall für zwei“ war uns immer zu lang.

Matula haben wir alle geliebt. Meine Mutter fand ihn sexy. Mein Vater bewunderte ihn, weil er sich laufend prügelte und nebenbei irgendwelche Blondinen vernaschte. Meine Schwester und ich fanden ihn cool. Schnell hatten wir das Gerüst der Serie durchschaut:

Jemand kommt zum Anwalt, hoffnungsloser Fall. Der Anwalt setzt Matula drauf an. Matula wird jedes Mal arg verprügelt. Zwischendurch spielt er in seinem Loft mit einer grosszügig bebrüsteten Frau Billard. Am Ende kommt der Klient frei und Matula und der Anwalt trinken ein Bier.

In der letzten Folge soll es nicht so sein. Hier werden ALLE verprügelt: der Anwalt, Matula, die Sekretärin, die nicht mehr Helga ist. Sogar Matulas Altersvorsorge, die Loft, geht in Flammen auf.
Was bleibt da noch übrig?

Matula lernt sogar noch SMS schreiben. Das ist einfach zuviel.

Übrig bleibt mir da nur noch ein letztes Grusswort an diesen Helden meiner Kindheit. Diesen Cowboy, den unerschütterlichen, drahtigen und sehr sehr faltigen Matula. Ich hab ihn so sehr gemocht. Er wird mir sehr fehlen, in dieser Welt der ewig blendend aussehenden 0815-Detektive.

Lebwohl, Matula!

#ibes

Ich hab #ibes nicht gesehen. Es war mir zu blöd, so wie es mir schon letztes Jahr zu blöd war. Da hatte ich allerdings noch genügend Humor.
Ich finde diese Sendung ätzend und erniedrigend. Und das liegt nicht am Plumpsklo.

Allerdings hat #ibes eine positive Seite: ich kann gnadenlos meine virtuellen „Freunde“ aussortieren. Ich hab die Schnauze voll von Kommentaren über magersüchtige Frauen, abgebissene Insektenköpfe und Känguruhoden. Ich will nichts davon wissen. Ich will vor allem keine Menschen um mich, die diese hirnsubstanzzersetzende Sendung schauen. Also, lebt wohl, Freunde.

Tatort: Nachtkrapp. Und der neue Aargauer im Thurgau

Die Kritiken waren vernichtend. Eigentlich ist dieser Tatort von allem Anfang an ein Relikt für die Giftschublade. So was darf man weder zeigen noch anschauen.

Ich hab’s mir trotzdem angeschaut und war schockiert:

Nicht von der Story. Der Kameraführung. Den Schauspielern. Die waren nämlich allesamt ok. Ich wundere mich über die absolute Schlechtmacherei der deutschen Kritiker. Ich hab nämlich noch immer nicht verstanden, was denn soooo schlecht an dem Tatort aus Konstanz war. Die Bildsprache war klar, etwas unterkühlt, skandinavisch. Die Dialoge waren nicht gekünstelt. Matteo Lüthi, der Schweizer Kommissar im Dienst der Thurgauer Kantonspolizei durfte sogar ein paar wenige Dialektfetzen von sich geben: „Du verruckte Siech!“ Und Eva Mattes‘ grobporige Haut in Grossaufnahme ist kein Grund, einen Tatort schlecht zu bewerten.

Die Story ist irgendwie schnell erzählt: Teenager stirbt. Kommissarin ermittelt. Am Ende bringt sich der Täter um und das Umfeld ist desillusioniert. So funktioniert Fernsehen. Noch Fragen?