Archiv der Kategorie: hinter dem grossen Teich

Hart und herzlich

Wie sehr habe ich diese Serie als Kind geliebt!

Da sind die wunderschöne, immer toll gekleidete, rothaarige Jennifer Hart, gespielt von Stefanie Powers und ihr Mann Jonathan, Robert Wagner. Die beiden wirken ewig frisch verliebt, scheinen mindestens zehn Mal am Tag beglückenden Geschlechtsverkehr zu haben und sind märchenhaft reich. Und dann sind da noch die beiden Sidekicks Max und der Hund Friedwart. Wo sie die beiden aufgelesen haben, lässt sich nur noch in Friedwarts Fall eruieren: auf der Autobahn.

Über die Qualität der einzelnen Folgen kann man sich streiten. Aber unzweifelhaft sexy ist die Synchro: Jennifer Hart wird von Joseline Gassen, der deutschen Stimme von Linda Hamilton und Ellen Barkin gesprochen. Joachim Kerzel spricht Jonathan und ist seines Zeichens die Stimme von Dennis Hopper und Harvey Keitel. Das absolute Highlight aber ist die deutsche Stimme von Max, dem Butler. Der wird nämlich von Synchrolegende Arnold Marquis gesprochen.

In 110 Folgen während fünf Staffeln kann man dem schönen Ehepaar beim Lösen von Kriminalfällen zusehen. Wir verstehen beim Durchsehen der DVD-Boxen mit einem Mal, warum der Pilot nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde: furchtbare Längen!!! Viel mehr Spass aber machen die Kostüme, Stefanie Powers geiles, toupiertes Haar, Robert Wagners breites Grinsen und die Funkgitarre des Trailers. Und wenn am Ende die Harts gemeinsam in der Badewanne voller Schaum mit Champagner anstossen und sich bereit machen für den nächsten einvernehmlichen GV sind alle glücklich. Sogar Max und Friedwart.

 

TV Real wippt verhalten mit dem grossen Zeh

Wenn ich mich an die 90er zurückerinnere, fällt mir vor allem ein, wie unglaublich ungefragt die Hollywood-Musicals der 40er und 50er Jahre in den Augen der breiten Massen waren. Zwar liebten damals alle „Cats“ und „Das Phantom der Oper“, doch die Ahnen dieser Kunstform waren den meisten peinlich und wurden unter den Tisch gekehrt.

Allerdings scheint es unter den Drehbuchschreibern der TV-Serien der letzten Jahre doch noch einige Musical-Nerds zu geben. Denn anders kann ich mir nicht erklären, dass in jeder grossen Serie die Hauptdarsteller mindestens ein Mal singen und das Tanzbein schwingen müssen. Der sogenannte „Musical-Moment“ hat nämlich den Vorteil, dass er stilbrechend wirkt und damit die Dramaturgie etwas entlastet. Hier sind meine liebsten Musical-Momente.

 

In meiner Erinnerung ist in „Twin Peaks“ die erste What-the-Fuck-Musical-Szene zu sehen. Zwar wird hier nur ein kurzes Tanzbein geschwungen, aber unerwartet kommt es trotzdem.

Die meistens bierernste Serie „Chicago Hope“ hat dann mit ihrem Musical-Moment in der Folge „Brain Salad Surgery“ eingeschlagen. Alan Arkin, der schnieke George-Clooney-Klon, soll von seinem Hirntumor-oder-was-auch-immer befreit werden. Seine Kollegen ziehen in seiner Halluzination eine Busby-Berkley-würdige Show ab. Besonders Mark Harmon zeigt sich von einer recht unbekannten, aber nicht minder attraktiven Seite!

Anfangs der 90er Jahre wurde auf SF1 „Monty Python’s Flying Circus“ gezeigt. Während dieser Szene verschluckte ich mich fast an einer Brezel.

In „The Simpsons“ liefen irgendwie ständig Musical-Szenen. Warum hier gerade „Planet of the Apes – Das Musical“ mit Charlton Heston gezeigt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

Und dann wäre da noch „South Park“.

Diese Szene aus „Supernatural“ ist vielleicht nicht wirklich musicallike. Aber Darsteller Jensen Ackles zeigt schon mal den richtigen Enthusiasmus, den es dafür braucht.

„Scrubs“ hatte jede Menge toller Musical-Momente. Diese hier mag ich irgendwie am liebsten.

„House M.D.“ ist ein Beispiel dafür, dass ein Musical-Moment allen Spass macht, die Zuschauer aus dem Konzept wirft, Laurie endlich auch als Sänger bekannt wird und am Ende alle glücklich sind.

Und wenn einem echten Bro wie Barney Stinson die Worte ausgehen, dann singt er einfach „The Suit Song“ wie hier gesehen in „How I Met Your Mother“.

 

Hey, ich liebe Musical-Momente. Ach ja, und den deutschen Kollegen wünsche ich weiterhin so viel Mut und Verve wie im Tatort „Das Dorf“

 

 

 

 

Mad Men. Oder wie ich die heilige Johanna zu lieben lernte

Ich hab mir vor zwei Jahr die erste Staffel gekauft, aus Trotz, weil ich das Schweizer Farbenfernsehen für seine hinterwälderische Haltung gegenüber dem helvetischen Fernsehpublikum verurteilte. Bis heute habe ich mir keine einzige Folge auf meinem Haussender angesehen.
Der Hype um „Mad Men“ erschien mir zuerst etwas verdächtig. Wenn plötzlich meine ganzen Chanel-Handtäschchen-Freundinnen auf 60er Jahre Kleidchen schwören, muss das einen ja nachdenklich machen. Jedenfalls hab ich „Mad Men“ überflogen und weggelegt.

Dann geschah etwas Seltsames. Beim Kaufen der vierten Staffel fiel mir ein, dass ich die erste zwar gesehen hatte, aber mich nicht mehr dran erinnern konnte. Ich schaute mir alles von vorne an und wurde süchtig.

Don Draper, dieses Bild von einem Mann, dieser gutgekleidete Hengst im Anzug, dieser Ober-Macho ist die Hauptfigur und ich weiss nicht, ob ich ihn hassen oder mögen soll. Dann ist da noch Peggy Olson. Irgendwie erinnert sie mich an mich selbst vor zehn Jahren. Betty Draper, Dons angeheiratete Ehefrau, verstört einen solange, bis man auch sie nur noch eine dumme, blonde Nuss finden kann.

Die einzige, wirklich positive Figur scheint Joan. Die heilige Johanna der roten Haare, der Wespentaille und des gut ausgefüllten Tüten-BHs, ist die wirkliche Führungsperson der Werbeagentur Sterling-Cooper. Sie ist die Herrin über die frustrierten, saufenden, toll geschminkten Sekretärinnen. Ihr Lidstrich ist perfekt. Ihre pinken, violetten und grünen Kleider scheinen ihr wie auf den Leib genäht. Immer ist sie Dame im Salon, Hure im Schlafzimmer. Wo sie durchpuddingt, wächst kein Gras mehr und die ansässigen Erektionen ziehen sich vor Ehrfurcht in ihre ureigenen Gefilde zurück.

„Mad Men“ sollte man sich nicht einmal oder zweimal anschauen. Am besten ist es doch, man schaut sich alle Folgen immer und immer und immer wieder an. Darauf einen Old-Fashioned.

Wie man den 1. August unpatriotisch übersteht.

Wem morgen der Sinn nach Ruhe und nicht nach Schweizer Fahnen, Bauernbrunch und Jodeln steht, dem kann ich einige sehr nette DVD empfehlen:

„Die Kennedys“ ist eine tolle Miniserie aus den USA und handelt, wie der Name sagt, von Familie Kennedy. Wir lernen John F., Bobby, Jackie und Daddy Kennedy kennen und leiden mit ihnen. Die Serie spielt auf verschiedenen Zeitsträngen, die alle sehr gekonnt miteinander verwoben sind. Die Darsteller, allen voran Greg Kinnear als John F., Barry Pepper als Bobby und die wunderbare Katie Holmes als Jackie, überzeugen nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern vor allem mit ihrem Ausdruck. Mein persönliches Highlight ist aber Tom Wilkinson, der den Patriarchen mit allen Facetten darzustellen weiss.

Mit dieser Serie ist man ein paar Stunden lang beschäftigt und wenn man dazu noch Bier und Schnittchen konsumiert, geht die Zeit schnell vorüber.

„Lawrence von Arabien“ ist ein englischer Klassiker von David Lean. Peter O’Toole, ihr wisst schon, dieser grossartige Schauspieler mit dem blonden Haar und den strahlenden blauen Augen, spielt T.E.Lawrence, einen britischen Offizier, der nach Arabien entsandt wird, um die politische Lage zu beobachten. Zusammen mit Sherif Ali, der vom damals so ziemlich schönsten Mann der Welt, Omar Sharif gespielt wurde, führt er die arabischen Kämpfer an und wird so zu einer Gefahr für die anderen Mächte.

Dieser Film eignet sich hervorragend für die Liebhaber wunderbarer Bilder. Minutenlang kann man in den Aufnahmen der Wüste und der Musik versinken. Geeignet ist „Lawrence von Arabien“ auch für Frauenhasser. Die Darsteller sind alles Männer, ausgenommen eine Krankenschwester in einer Massenszene. Und wenn man den Film so timt, dass die Kampfszenen während des abendlichen Feuerwerks laufen, hat man doppelten Spass und regt sich weniger auf, wenn die Katze an der Decke klebt.

Meiden sollte man am 1. August den Sender 3Sat, der an diesem Tag jegliche Dokus und Filme aus der Schweiz bringt. Wenn Sie aber meine Meinung wissen wollen: da verpassen Sie aber echt was!

Alles über Al

Freunde der amerikanischen Serienkunst werden sich an ihn noch erinnern. Dunkel. Der Mann mit dem Karohemd, dem gut gestutzten Rauschebart: Al Borland. Heute möchte ich eine Lanze brechen für die wirklich gut geschriebenen Buddy-Charaktere in Serien.

In „Home Improvement“, einer dieser 90er-Jahre-Serien, ist er der heimliche Held. Der Do-it-Yourself-Gott. Der Junge von nebenan, zwar nicht mehr ganz jung, aber immer zuverlässig und nett. Er ist es, der von Tim Taylor, dem offiziellen Star der fiktiven Sendung „Tool Time“, Häme erntet.

Al spielt in „Tool Time“ den Assistenten, doch wir alle wissen natürlich, dass die Serie ohne ihn ein Desaster wäre. Die grössten Lacher bescheren ihm sein Ausspruch „Das glaube ich nicht, Tim“ oder sein cooles Anschrifttafel-in-die-Kamera-halten, wenn Tim mal wieder Minderheiten beleidigt. Al rettet Tim aus fast jeder Scheisse oder aber warnt ihn kurz davor. Ein echter Freund.

Al Borland ist Junggeselle, was eigentlich keiner so recht versteht, weil er Frauen mag und sie ihn offensichtlich auch. Vielleicht liegt es in den ersten Staffeln an seiner Mutter, die nie jemand zu Gesicht kriegt, und die ebenfalls von Tim Taylor veräppelt wird, weil sie so dick und gross ist? Seine Freundinnen sind meistens blond gelockt, sanft und Zahnärztinnen. Verehrt und angemacht wird er von weiblichen Fans und seiner Nachbarin, die ihn anfangs für homosexuell hält, weil er Tim bei sich aufgenommen hatte. Der Schrecken in ihrem Gesicht, als sie einen Streit zwischen den beiden Männern mitbekommt, ist unbezahlbar.

Figuren wie er sind selten geworden. Die meisten Buddies sind lächerlich und nicht wirklich liebenswert. Manchmal wünsch ich mir Al zurück.

 

 

Kindheit im Paradies

Eine Kindheit im thurgauischen Hinterland einigermassen gesund zu überstehen ist eine Sache, fürs Leben ohne Schaden davon zu kommen eine andere.

„Die Bill-Cosby-Show“ lief damals auf ZDF. Bill Cosby war so eine Art Traum-Vater.
Als Gynäkologe Heathcliff „Cliff“ Huxtable halten er und seine Frau Claire, eine engagierte Anwältin, ihre fünfköpfige Kinderschar im Schach: Da waren die langweilige älteste Schwester Sondra, ihre flippige und ziemlich schräge Schwester Denise, Bruder Theo, dann die nervige Vanessa und die kleine Rudith.
Schon als Kind mochte ich Denise am liebsten. Sie trug die coolsten Klamotten, hatte dieselbe Haarlänge wie ich und ich fand ihre Frechheiten einfach wunderbar. All die anderen Geschwister fand ich mehr oder weniger langweilig.

Die „Bill-Cosby-Show“ war eine der Lieblingsserien meiner Mutter. Vielleicht fand ich deshalb lange nicht wirklich den Zugang zu dieser Serie. Zwar fand ich Bill Cosby in seiner Rolle als Cliff lustig, besonders die verschiedenen Vorspänne, aber das war’s dann auch schon.
Erst als ich älter wurde, eröffnete sich mir ein anderes Bild:
Da war eine Familie, die sich ziemlich gut durchs Leben schlägt. Zwar ist die eine oder andere Folge etwas moralingetränkt, aber irgendwie war das egal. Die Werte, die Claire und Cliff ihren Kindern beibringen, sind auch heute noch gültig. Mir ist besonders die Folge, in der die ganze Familie ein Real-life-Theaterstück für Theo aufführt, in Erinnerung geblieben: Theo ist der Meinung, dass er ohne Ausbildung, als Fotomodell leben kann. Cliff verkleidet sich als Hausmeister der „neuen“ Wohnung, sie räumen einfach Theos Zimmer aus, Claire gibt die Restaurantbesitzerin und die kleineren Geschwister spielen Modell-Scout und Kreditgeberin. Zusammen zeigen sie Theo auf, dass seine Vorstellung vom Leben so nicht ganz aufgeht und vor allem, dass sein Geld nicht mehr für eine Freundin reicht. Das macht Spass und beweist, dass Bill Cosby ein wirklich guter Pädagoge ist.

Ein anderer Aspekt der Serie ist die Beziehung zwischen Cliff und Claire. Sie sind beide nicht mehr ganz jung, scheinen sich aber noch immer (sexuell!!) attraktiv zu finden. Sie sind Rollenvorbilder für andere Paare über 30, was Humor, Liebe und Partnerschaft angeht.

Den Komplett-Serienschuber, Amazon ca. 70 Euro, kann ich kindererziehenden Paaren nur empfehlen. (Die Folge mit Danny Kaye dann auch bitte nur im O-Ton hören!!)

Der dümmste deutsche Titel – Die Story

Die Story von „Home Improvement“ scheint schnell erzählt:
Da ist ein Amerikaner, Tim Taylor, um die 40, verheiratet, Vater von drei Söhnen. Er macht die Sendung „Tool Time“ für die Werkzeug Firma „Binford Tools“. Dort tritt er auf mit einem etwas jüngeren Mann, der sein Assistent ist. Ab und zu, bzw. meistens geht was schief, da Tim zwar Werkzeuge liebt, aber offensichtlich nicht gut damit umgehen kann.

Auf den ersten Blick ist „Home Improvement“ eine strunzlangweilige, gewöhnliche Männer- Ami-Serie. Ich habe auch nach langem Nachfragen auf twitter keine einzige Frau gefunden, die sich für die Serie erwärmen konnte. Das finde ich schade, denn wir Frauen verschenken uns hier echt eine spannende Lektion Leben. Wer sich aber darauf einlässt und sich von Hot Rods und explodierenden Werkzeugen nicht abschrecken lässt, kriegt was ganz anderes geboten:

  • Einsicht in die Männerwelt

Gerade für Frauen dürfte doch spannend sein, das Innenleben eines (ihres) Mannes kennenzulernen. Tim ist nämlich (nicht nur) Macho und Werkzeugfetischist, sondern in erster Linie ein Mensch, der mitten im Leben steht. Er versucht ein guter Ehemann zu sein, was ihm auch meistens gelingt. Er arbeitet, mit Hilfe seines weisen Nachbars Wilson daran, mit seiner Frau besser zu kommunizieren und sie zu verstehen. Seinen erwachsen werdenden Söhnen versucht er, ein guter Vater zu sein. Wie er das macht, nämlich mit Kreativität, viel Humor und Selbstreflektion, ist wunderbar. Väter dürfen sich gerne ein Beispiel an ihm nehmen.
Tim ist aber auch ein Freund. Er geht mit seinem Gefühlen um, lässt sie zu und tritt auch immer wieder in Fettnäpfchen. In Harrys Eisenwarenladen ist er ganz sich selbst.

  • Wie erziehe ich meine Umwelt?

Der Erziehungseffekt von „Home Improvement“ ist auch heute nicht zu unterschätzen. Als junge Frau fand ich Jill in ihrer Rolle als Ehefrau und Erzieherin von vier (sic!) Jungs ziemlich heftig. Andererseits imponierte mir immer wieder ihr Wille und ihr Humor, ihre Selbstreflektion und schlussendlich ihre Liebe zu Tim. Ich fragte mich immer wieder, wie sie dieses Theater, das Grunzen, die öligen Kleider aushalten konnte. Ich mochte auch an ihr, dass sie sich weiter bildete. Sie studierte. Sie blieb nicht stehen. Sie machte ihren Mann nicht verantwortlich für ihr Lebensglück. Und das in den frühen 90ern. Und: sie zeigte mir, dass frau auch jenseits der 35 attraktiv bleiben kann.Ihre Geduld, die sie mit den Jungs an den Tag legt, fand ich ebenfalls liebenswert und vorbildhaft. Mehr als einmal sind mir die Tränen ins Gesicht gestiegen.

  • Fremde Kulturen kennenlernen

Dank „Home Improvement“ fand ich auch einen Zugang zu Halloween. Die jeweiligen Folgen habe ich geliebt, ebenso wie die Weihnachts-Specials. Nirgends sonst scheint sich Amerika mehr zu offenbaren, menschlicher zu sein, als dann. Ich verstehe die Amerikaner zwar immer noch nicht, doch dank dem Einblick in ihre wirklich wichtigen Feste werden sie greifbarer.

Bei Ex Libris habe ich zwei Staffeln aufgetrieben, die zweite und die dritte. Aber ich bin weiter auf der Suche, schliesslich werden es am Ende acht sein…

Der dümmste deutsche Titel. Die Protagonisten.

Die erste Folge, die ich von „Home Improvement“ gesehen habe, war eine Offenbarung für mich.

Als Tochter eines Vaters, der handwerklich begabt ist, war ich total angefixt von jener Welt, die ich ach so gut kannte. Ich durfte jeweils Vaters Schrauben sortieren. Zum ersten Mal habe ich „Home Improvement“ Mitte der 90er Jahre gesehen. Ich war knapp volljährig, hatte meine erste eigene Wohnung und einen munzig kleinen Fernseher. In der Mittagspause hab ich jeweils RTL angemacht und mir Tim Taylor’s Tool Time reingezogen.

Den deutschen Titel „Hör mal, wer da hämmert“ fand ich von jeher ziemlich doof. Aber die Protagonisten habe ich geliebt. Obwohl, Tim Taylor war mir nicht wirklich sympathisch. Ich empfand den Typen als laut und chaotisch. Seine Frau Jill hingegen war süss. Mit den drei Söhnen konnte ich nicht viel anfangen und das lag nicht nur an den peinlichen Doppelvornamen der Darsteller.

Mein Interesse galt den Nebendarstellern. Da war beispielsweise der bärtige Al Borland, der immer Karo trug und den ich auf verstörende Weise sexy fand, weil er wirklich intelligent und sensibel war. Der Nachbar der Taylors, Wilson, war für mich so eine Art Guru. Er hatte auf jede Frage eine Antwort und war durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Seine Bonmots, die wunderbare Einrichtung seiner Wohnung und seinen reichen Erfahrungssschatz empfand ich als jeweiligen Höhepunkt der Sendung. Dass er immer nur Teile seines Gesichts zeigte, war nur ein Grund mehr, ihn interessant zu finden.

In den ersten Staffeln trat ein zukünftiger Weltstar auf. Nur wusste das damals keiner: Pamela Denise Anderson war ziemlich blond. Und üppig. Ich fand die totlustig.
Ihre Nachfolgerin Debbe Dunning, wir haben am selben Tag Geburtstag!!, hingegen war nicht nur sexy und lustig, sondern auch wirklich mit eisernen Nerven ausgestattet. Die Zahl meiner männlichen Freunde, die diese Frau verehrt haben, ist unendlich.

Natürlich gab’s auch Gaststars. Falsche und echte. Unvergesslich bleibt mir die Folge mit den Astronauten, darunter Claude Nicollier. Auch die Jungs von K&B (ein echtes Bauunternehmen dieser Zeit), ein Haufen von unrasierten, etwas harten, aber eigentlich ziemlich netten Kerlen, fand ich toll. Bob Vila, der erklärte Saubermann und Konkurrent von Tim, war mir damals eher unsympathisch. Erst im Nachhinein wurde mir die ironische Komponente seiner Gastauftritte bewusst.

… Fortsetzung folgt …

Carte blanche für Ray Kroebl: Kochen mit Rachel und Robin

Nein, keine Kochsendung, über die ich hier schreiben möchte. Es geht vielmehr um eine Art von Ursachenanalyse. Ich will einfach wissen, warum ich in zwei Fällen zum hoffnungslosen Serienjunkie geworden bin. Die erste Sucht, die habe ich – abgesehen von gelegentlichen Rückfällen an langweiligen Regentagen – hinter mir gelassen. Sie heisst ‚Friends‘ und ist und bleibt (möglicherweise) die erfolgreichste TV-Serienproduktion aller bisherigen Zeiten. Die zweite ist akut. Sie ist der Stoff, den ich mir gegenwärtig reinziehe; das süsse, zwar nicht in Dosen dafür in Episoden gelieferte, immer mit drei Kameras gemixte Gift, das gegenwärtig über die Bildschirme strahlt: ‚How I met your Mother‘, das wir der Einfachheit halber ab hier nur noch ‚HIMYM‘ nennen wollen. ‚LSD‘ hat man schliesslich auch kaum je ausgeschrieben.

Ich war und bin ein fanatischer Fan (nein, so geschrieben ist das kein Pleonasmus!) von ‚Friends‘. Bei ‚HIMYM‘ verhält sich das gar nicht anders, auch wenn ‚Friends‘ bereits TV-Geschichte ist und wir alle den Ausgang von der ‚HIMYM‘-Story noch gar nicht kennen. Trotzdem stellt sich nicht nur mir selber, sondern vor allem meinem Umfeld die nicht ganz unberechtigte Frage, warum man einen gestandenen Mann (ich bezeichne mich selber gerne so) über Jahrzehnte mit Produktionen wie den beiden an der Serienstange halten kann.

‚Friends‘ – alle 10 Staffeln und 236 Episoden habe ich gesehen. Mehrmals. Meine DVDs sind durchgescheuert, inzwischen. Obwohl ich amerikanische Produktionen immer in Originalsprache geniesse (zeitgenössisch-amerikanischer Humor ist schlecht übersetzbar, finde ich), habe ich auch eine Anzahl der Episoden in Finnisch, Mandarin, Urdu und Hindi gesehen und gehört. Keine dieser Sprachen verstehe ich – aber ich kenne sowieso den Text sämtlicher Handlungsteile auswendig, dann spielt das kaum eine Rolle. Wenn man schlaflos mit Jetlag in irgendeinem Hotelzimmer in Helsinki, Mumbai oder Hong Kong liegt, macht sowieso nur noch ‚Friends‘ glücklich und bringt zum schlafen. Aber eben, ‚Friends‘ hab ich hinter mir. Diese Kultserie wurde von 1994 bis 2004 abgedreht aber läuft noch immer, immer wieder, überall. Steht eben auch im Regal bei mir. Manchmal nasche ich.

‚HIMYM‘ ist jetzt gerade, während ich schreibe, zu sehen. Auch auf heimischen SRF-Sendern sogar ,das macht mich glücklich!, im Zweikanalton. Wenn man beim durchzappen auf ‚HIMYM‘ stösst, ist es wohl aber meist Pro7, an dem man hängenbleibt – denn die senden da kaum noch etwas anderes, seit Monaten. Ende des Diskurses.

Wir wissen nicht, wie das weiter gehen wird, mit der Geschichte bei ’HIMYM’. Episode für Episode kommen neue Rätsel. Schweissüberströmt im Delirium des Entzugs, noch bevor irgendwas davon am hiesigen Fernsehen zu konsumieren ist, hängt sich der hoffnungslose Junkie an die legal zweifelhaften Nadeln der Internet-Downloads. Und holt sich den Stoff. Klaut ihn. Dass er derweil die ersten sechs auf DVD erhältlichen Staffeln bereits im Regal stehen hat und auch diese immer und immer wieder ansieht, ist, na ja, logo.
OK, da sind ‚Friends‘, und ‚HIMYM‘. Hier bin ich. Süchtig. Warum? Was sind die Ingredienzen in dem Stoff, die mich nicht loskommen lassen davon? Was hält mich nächtelang vor der Kiste wach, zwingt mich zu übermässigem Konsum von Popcorn (von den Nüsschen bin ich glücklicherweise weggekommen) bis ich auf dem Sofa vor Erschöpfung einschlafe?
Es gibt ein Rezept dafür, natürlich! Womit wir doch beim Kochen wären.

Um mich hoffnungslos abhängig zu machen, nehme man (je nach Geschmack):

  • ganz viel New York City, mit viel Manhattan, etwas Brooklyn, Trips hinüber nach Staten Island und Seitenhiebe nach Poughkipsie und Long Island
  • eine Gruppe junge, lebensfreudige, normale, schöne Menschen, teilweise in WGs zusammenlebend
  • eine Stammbeiz (Central Perk, McLaren’s)
  • eine neu zur Gruppe gestossene, bildschöne, ach so beschützenswerte, herzensgutunschuldigzugereiste Wahnsinnsfrau (Rachel Green, Robin Scherbatsky), der ob aller Ambitionen immer viel falsch läuft im Leben
  • einen überdimensionalen Macho/Weiberhelden mit den coolsten Sprüchen (Joey „How‘ yooo doooin‘?“ Tribbiani bzw. Barney „Legen-dary!“ Stinson)
  • ein Pärchen, das sich in die Ehe verabschiedet – mit allen dazugehörigen Turbulenzen (Monica Geller und Chandler Bing bzw. Lily Aldrin und Marshall Eriksen)
  • den Mann, der ziemlich unbeholfen die Frau seines Lebens sucht (Ross Geller bzw. Ted Mosby)
  • eine Wundertüte voll von eingestreuselten Cameos, wie die zum schreien komischen Auftritte von Stars wie Sean Penn, Britney Spears, Jennifer Lopez, Alec Baldwin, Brad Pitt, Bruce Willis, George Clooney, Susan Sarandon, Winona Ryder, und noch so vielen anderen
  • ganze Heerscharen von talentierten Drehbuch- und Dialogschreibern, Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten und Tontechnikern

Dann geht’s. Das funktioniert, das kann man kochen. Dann gewinnt man nicht nur Emmys und andere Fernsehpreise in Serie. Dann hat man auch Publikum, dann wird die ganze Chose – ich bediene mich Barney Stinson’s Worten „LEGEN-DARY“ – und macht mich zum Junkie.

‚HIMYM‘ läuft noch. Wir sind mitten in der 7. Staffel, ab Januar 2012 geht’s weiter.
So, wer nun den Eindruck erhalten hat, ich hätte all dies im Sinne von Zora s Bildschirmbeobachterblog recherchiert und geschrieben, wird nun enttäuscht werden.
Mein Beweggrund für all diese Zeilen ist bloss der Wunsch nach dem Podium. Ich wage es hier und hoffe, sie liest mit:

„Robin Scherbatsky, will you marry me?“

 

 

 

In unregelmässigen Abständen schreiben befreundete Autoren über ihre Lieblingsfernsehserien.

Ray Kroebl lebt und arbeitet in  Zürich

 

Weihnachten für Nerds

Man sagt, Weihnachten sei die schönste Zeit des Jahres. Dem ist nichts hinzu zu fügen.
Es ist natürlich sehr schön, sich in der Migros um die letzten Lachsstücke zu prügeln oder im Denner hinter all den jugendlichen Trinkern anzustehen. Da kommt Stimmung auf.

TV-Nerds müssen sich all diesen Problemen nicht aussetzen. Schliesslich gibt es Hauslieferdienste. Doch der vermeintlich festlichen Stimmung entkommt man nur durch gute Vorbereitung, sprich: die richtigen Filme:

Wir erinnern uns an 1995 und Sandra Bullock in „While you where sleeping“. Damals war die Welt noch in Ordnung. Bill Pullman, ihr love interest, war noch nicht als amerikanischer Präsident in „Independence Day“ tätig, sondern konnte sich ganz auf die romantische Beziehung zur Kassenwartin konzentrieren. Hach, nach diesem Film wollten wir doch alle nach Amerika und mit einer echten amerikanischen Familie Weihnachten und Neujahr feiern und Omas Punsch saufen.

Einer der wunderbarsten Weihnachtsfilme für Fans des amerikanischen Filmmusicals ist „White Christmas“. Bing Crosby, der Mann mit der Stimme aus Samt, und Danny Kaye, der begabteste Spassvogel der 50er Jahre, helfen als ehemalige Soldaten ihrem Kommandanten aus der Misere und verlieben sich erst noch in zwei tolle Frauen: Vera-Ellen und Rosmarie Clooney (Georges Tante!!)

Unrettbaren Zynikern sei „It’s a Wonderful Life?“ empfohlen. Frank Capra war der Regisseur und James Stewart ist der Protagonist. Wir lernen George Bailey kennen, der sich umbringen will, Clarence, der alte Engel ohne Flügel, wird auf die Erde geschickt, um ihn zu retten. Georges Geschichte ist geprägt von Mut, Tapferkeit, Krieg und Engagement für die anderen. Am Ende des Films kehrt George zu seiner Familie zurück und Clarence erhält seine Flügel.