Archiv der Kategorie: Aus heimischen Gefilden

Konserven-Sommer mit SRF: schauen Sie noch oder gähnen Sie schon?

Ich gebe es gerne zu: ich bin ein Fangirl. Ich mag Fernsehen. Ich mag Entertainment.
Als Schweizer Medienkonsumentin auf SRF1 habe ich natürlich feste TV-Termine, die mir wichtig sind und die ich schaue, falls irgendwie möglich. „Kassensturz“ ist einer davon, der zweite „Club“ und schliesslich die „Arena“. Alle drei Sendungen konsumiere ich, seit ich 15 oder 16 bin.

Vor der Sommerpause graut es mir allerdings. Denn da läuft auf SRF1, dem sogenannten Hauptsender, nicht mehr wirklich viel. Allerdings habe ich dies noch nie so deftig wahrgenommen wie dieses Jahr, obwohl ich 2015 schon für furchtbar hielt. Um uns herum passierte so viel, derweil SRF Sommerpause machte und ich mir engagierten Journalismus gewünscht hätte. Ich wich gezwungenermassen auf ARD in Sachen Information und Arte und 3sat, was Unterhaltung und Anspruch anging, aus.

Am 28. Juni lief der letzte Kassensturz vor der Sommerpause, am 23. August der erste danach. Das sind fast zwei Monate. Am Dienstagabend wurde jeweils eine langatmige Krimiserie und an den anderen Abenden irgendwelche Konserven gezeigt. Der „Donnschtigsjass“ lief zwar live, ist aber wohl für TV-Zuschauer unter 85 nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Bis vor einem Jahr gab es zumindest noch Live-Produktionen wie „SRF bi de Lüt“ mit Nik Hartmann. 2016 beschenkte uns SRF schliesslich am Samstagabend mit dem drögen „Traumschiff“ und am Sonntagabend mit Schweizer Filmen aus dem hinteren Regal. Die wirklich, wirklich geilen Filme und Dokus liefen erst um 0.00.

Natürlich könnte ich mir gewisse Dinge im Replay anschauen, aber das ist doch wohl nicht der Sinn eines Informationsgefässes wie SRF.

Aktualität war zwischen Juni und August auf SRF1 nur noch grad in der Tagesschau und bei „10vor10“ gewährleistet. Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich hätte mir Sendungen gewünscht, die auf das eingehen, was um uns herum gerade geschieht. Bei SRF1 bin ich da offenbar an der falschen Adresse.

Über Irrelevanz und Sommerpause

Im Sommer läuft bei SRF nicht viel. Schliesslich ist Ferienzeit.
Glücklicherweise gibts dann immer irgendwelche Wiederholungen, Spielfilme, abgesackte Dokumentarfilme und – den Schweiz Aktuell „Sommerschwerpunkt“.

Waren es die letzten Jahre Themen wie „Alpenfestung – Leben im Réduit“, „Pfahlbauer von Pfyn“ oder „Anno 1914“, erwartet uns diesen Sommer ein wahrer Höhepunkt der televisionären Erlebnispädagogik: „Autobahn A1“. Obwohl ich bekennender Fan von Bildungssequenzen wie dieser bin, werde selbst ich von der Langeweile dieses Sendegefässes buchstäblich überrollt. Aber nun gut, es gibt ja schliesslich noch die Fernbedienung.

Was mich aber wirklich ärgert, ist, dass ich in der Sommerpause keine brauchbaren Informationen aus der Region auf SRF kriege. Obwohl im Kanton St. Gallen heftige Unwetter geschahen, halten die Macher von Schweiz aktuell es offenbar nicht für nötig, mehr als einige wenige Minuten darüber zu berichten. Stattdessen läuft „Autobahn A1“, eine Sendung, die verständlicherweise eh niemand anschaut.

Na vielen Dank. Ich bin dann mal auf arte.

die unsägliche Gesprächskultur von #srfclub

Der Club von SRF gehört zu meinen festen Terminen seit Jahren. Eigentlich.
Immer öfters schalte ich um oder ab. Ich mag das Gelaber nicht mehr ertragen.

Die Studiogäste sind eine Sache; sie debattieren über ihr Thema, mehr oder weniger emotional, intellektuell und manchmal sogar interessant. Wenn ich aber Karin Frei, der Moderatorin der meisten Sendungen, zuhöre, stellts mir ab.

Sie schafft es, ernsthaft, völlig unsouverän dazuhocken. Sie wirkt konzentriert, aber nur auf ihren Bauch. Sie nickt, immer der gleiche Gesichtsausdruck, und man merkt, dass es ihr einerlei ist, was die Leute so von sich geben. Gäste fahren ihr über den Mund und brechen ihre angefangenen Sätze ab. Das stört sie nicht gross. Sie leckt dazu mit der Zunge über die Lippen. Kindergarten. Sozialpädagogisches Problemtreffen. Nicht mein Ding.

Ich wünsch mir manchmal, nein: oft! Ueli Heiniger retour. Nicht weil er ein Mann ist, sondern weil er wirklich, wirklich intensive Gespräche führen konnte. Vielleicht sollte man im #srfclub einfach wieder Alkohol und Zigarettenkonsum einführen. Dann wäre vieles einfacher.

Der Herr Müller im Fernsehen.

In der Schweiz irrt ein schreckliches Gespenst umher: Es nennt sich #nacktselfie und hat längst Amtstuben und Büros heimgesucht.

So hatte heute abend der gewillte Fernsehzuschauer und Billag-Abdrücker die Möglichkeit, fast anderthalb Stunden den Erklärungen eines grünen Nationalrats und Stadtammanns zu lauschen: Herrn Müller. Den „Club“, der Quasselstunde für Moralisten, Lästerer und Leute wie mich, moderierte Frau Frei.

Sie gab sich sichtlich Mühe, aber es bereitete mir dennoch grosse Schmerzen, ihr beim hilflosen Raubtierbändigen zuzusehen.

Herr Geri Müller, so heisst der Mann, dessen Cyber-Privatleben in den letzten Tagen fast erbarmungslos ausgerollt wurde. Einzig die Photos seines Gemächts blieben uns bisher erspart. Und das ist gut so.

Der Herr Müller darf sich zu seinem eigenen Skandal äussern und das zeigt ja eigentlich sehr gut, wie friedvoll wir Schweizer miteinander umgehen. Da macht es nichts, dass neben ihm Frau Maier sitzt, die für den Blick arbeitet. Der Blick hat die letzten Tage nicht über den Herrn Nationalrat und Stadtammann Geri Müller berichtet, sondern über Grüsel-Geri. Dass Herr Müller ihr nicht sofort an die Gurgel springt, hat bestimmt damit zu tun, dass sich hier alle kennen.

Frau Maier, die früher einmal beim Fernsehen gearbeitet hat und damit ziemlich erfolgreich war, schafft es denn auch mit einer klaren Geste, Frau Frei, die Moderatorin, zum Schweigen zu bringen. Ein wahres Schauspiel. Bitchfight, wie er im Buche steht und leider völlig unnötig, genauso wie die Selbstbeweihräucherungen einiger männlicher Gäste.

Und so sitze ich da, höre zu und wundere mich. Ab und zu starre ich auf mein Handy und bin froh, dass ich keine (grünen) Politiker kenne, die mir Fotos von Pony, Pussy und Penis zusenden, in der Hoffnung, dass daraus ein Skandal und ein eigener Fernsehabend entstehe.

Ich, die Mehrheit – ein seltsames Experiment auf Kosten der Kritiker

Ein guter Freund von mir hat mal gesagt: „Demokratie und Freiheit muss man sich verdienen.“ Ich hab ihn nie verstanden und hielt ihn in eben diesen Dingen immer für hoffnungslos altmodisch.

In diesen Tagen werden wir von SRF zugemüllt mit einer Aktion, die sich „Ich, die Mehrheit“ nennt. Nun mag man von SRF halten, was man will, ich bin eigentlich ein Fan, doch nachdenklich macht es einen doch.

Eine junge Frau namens Pony M. liefert sich einer beliebigen Mehrheit aus und lässt diese über ihr Leben bestimmen. Natürlich geschieht dies zu festen Zeiten und über offenbar oberflächliche Themen. Da darf man darüber „abstimmen“, was die gute Frau isst, was sie abstimmt und was sie unternimmt, wenn sie mal nicht am Tippen ist. Wenn man willens ist, darf man sich sogar eine App herunterladen, damit man auch ja keine „Abstimmung“ verpasst.

Es erscheint mir wie ein schlechter Witz. Halten die Leute von SRF ihre Konsumenten für derart unterbelichtet?

Wie unanständig es ist, sich seine Wahlstimme von einer „Mehrheit“ bestimmen zu lassen, vermag ich nicht zu bewerten. Offenbar ist dieser Frau ihr Wahlrecht derart unwichtig, dass sie sich dafür bezahlen lässt. Informieren ist ihr offenbar zu anstrengend. Natürlich verwundert es einen da nicht mehr gross, wenn sie im Radio verlauten lässt „Sagt mir, was ich denken soll“. Brainwash inklusive. Vielen Dank.

Ich könnte jetzt mit dem Frauenstimmrecht herumwedeln. Vierzig Jahre alt ist es. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal sagen würde: Ja. Bestimmte Frauen sollen nicht mehr wählen dürfen.

Doch schwenken wir ein wenig weiter. Als SRF-Konsumentin fühlt man sich imstande, dieses seltsame „Experiment“ der Zürcher Bloggerin, welches auf SRF1 und SRF3 beworben wird, zu kommentieren und zu kritisieren. Der Gedanke, darüber in ein Gespräch zu kommen, erweist sich als trügerisch. Rasch wird, vor allem von SRF3, mit der Frauen-Keule geschwungen.

„Du traust dich, als Frau eine andere Frau zu kritisieren? Was fällt dir ein?“
Verbittert und missgünstig sind nur einige Ausdrücke, die vom Leiter SRF3 online Martin Oswald fallen. Man spürt: hier ist Kritik gänzlich unerwünscht. Die Verantwortlichen fühlen sich sicher. Das Geld ist ausgegeben. Brot und Spiele. (oder darfs Schoggi oder Apfel sein?)

Weiterführende Links zur Diskussion:

von @yseultCH: zum Blog
von Abi: zum Blog
von @phwampfler: ein offener Brief

Tatort Luzern: Zwischen zwei Welten

Zunächst einmal die gute Botschaft: Dank des neuen Tatorts aus dem heimeligen Luzern wissen wir jetzt, dass native Schweizer super fluchen, schreien, kotzen und Bier saufen können – je nach Alkpegel sogar gleichzeitig.

Die etwas weniger gute Nachricht ist, dass der Tatort aus Helvetien nach all den Jahren noch immer bleiern, verstaubt und vor allem uninteressant daherkommt. Dabei wäre die Ausgangslage so vielversprechend gewesen:

Eine rothaarige Frau wird tot aufgefunden. Sie hat 3 Kinder von 3 (in Worten: drei) unterschiedlichen Vätern. Das ist fürs Schweizer Mittelland und eine etwas verschlafene Stadt wie Luzern ein einigermassen hoher Wert. Aber ich schweife ab.

Unsere Tote hat sehr interessante Ex-Männer. Einer davon ist ein etwas gruseliger Mike-Shiva-Verschnitt, ein anderer ein schicker Hipster mit rotem Bart und ergrautem Brusthaartoupet, der dritte ein engagierter Anti-Feminist. Letztere sind in der schönen Schweiz nicht so selten, wie man vielleicht denken mag, denn irgendwer war ja schliesslich früher gegen das Frauenstimmrecht.

Umso schwerer wiegt die Entscheidung des Opfers, mit Kind, Kegel und schlechter Synchro nach Indien auszuwandern.

Unser Kommissar, gespielt von Stefan Gubser, der mit Verlaub noch immer zu den ansehnlicheren Schweizer Männern gehört, lebt gerade eine Post-Midlife-Crisis durch. Dementsprechend unrasiert marschiert er durch den Film und wir bangen immer wieder mal ein wenig, aber nicht zuviel, um seine psychische Ausgeglichenheit.

Natürlich mag ich Ihnen die Auflösung nicht verraten. Nur so viel: Sie verpassen nicht viel, wenn Sie diesen Tatort nicht schauen. Lesen Sie mal wieder ein Buch, gehen Sie mit dem Hund raus oder schenken Sie Ihrem Lebensabschnittbegleiter unerwarteterweise einen anständigen Blowjob. So ist uns allen geholfen und wir sparen sogar noch etwas Strom.

„L’expérience Blocher“ oder wie Bilder einen gefangen nehmen

Kino ist seit längerem nicht mehr mein Ding. Ich nehme an, das Älterwerden zollt seinen Tribut und Kinositze sind ja wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Und überhaupt: Filme machen nur Spass mit der Katze auf dem Schoss.

„L’expérience Blocher“ heisst der Film von Jean-Stéphane Bron. Der Dokumentarfilmer begleitet den Politiker Blocher und eröffnet dem Zuschauer eine Welt, von der er manchmal nicht ganz genau weiss, wie er sie einordnen soll.

Der Film wurde im Vorfeld vor allem von politischen Gegnern zerrissen, nicht selten in Kombination mit Sätzen wie „Ich habe ihn nicht gesehen und werde ihn auch nicht sehen“. Das machte mich neugierig, vor allem weil ich als Filmfan mir doch lieber selber ein Bild mache, anstatt mich belehren zu lassen, was gut für mich ist und was nicht.
Ich gebe es zu: als Blocher-kritische Bürgerin ist der Film nicht leicht verdaulich. Blocher in Grossformat auf der Leinwand zu sehen, mag für empfindliche Gemüter nur schwer zu ertragen sein. Aber der Filmbesuch lohnt sich dennoch. Sehr.

Zum einen erwarten einen grossartige Landschaftsaufnahmen. Man ertrinkt beinahe in diesen tiefgrünen Wäldern, die man von oben herab sieht. Die Strassen, der Rheinfall, die Aufnahmen im Bundeshaus, Blocher „eingerahmt“ in der Türe neben seinen Anker-Bildern – perfekte Bildkomposition.
Dann ist da die Stimme des Filmemachers. Sie ist sanft und beruhigend. Sie führt einen sicher durch alle Untiefen, peinliche und intime Momente, gleich einem Fährmann. Auch der Soundtrack ist zielsicher. Er berührt, lässt Gänsehaut zurück.
Mein Hauptpunkt, diesen Film sehen zu müssen, ist gleichzeitig eine Kritik der Vorwürfe von kultur(be)schützenden politischen Gegnern. Ich bin weiss Gott kein ironischer Mensch, aber wer diesen Film für Pro-Blocher-Propaganda hält und der Meinung ist, er „hätte seinen Werbefilm selbst bezahlen sollen“, hat entweder während des Films geschlafen oder einfach nicht kapiert, was Brons Film erzählt.

Indem Bron den Politiker so nahe begleitet und versucht, dem Phänomen Blocher auf die Fährte zu kommen, demontiert er gleichzeitig den Mythos und zeigt den Unsinn einer Dämonisierung allein aufgrund des Namens „Blocher“. Zum Vorschein kommt nicht der mächtige Schweizer Politiker, kein Volkstribun, sondern ein alter Mann mit einem zugebenermassen etwas speziellen Sinn für Humor, ein Mensch, der eine sehr bewegte Geschichte hinter sich hat. Brons Stimme aus dem Off kann man als Grabesrede interpretieren, aber auch als Anklageschrift. Oder einfach als ausbalancierende Hintergrundinfo. Respektvoll, ja. Aber oft, in Kombination mit den Bildern, auch bitterböse und direkt.

Bron schafft das beinahe unmögliche: man fiebert mit, leidet mit und ist immer wieder befremdet. Will ich wirklich zusehen, wie Christoph Blocher auf seinem Sofa liegt und schläft? Er wirkt plötzlich sehr verletzlich. Will ich sehen, wie er im leeren Bundeshaus sitzt und sinniert? Will ich Frau Blocher im Hotelbett liegen sehen?

Der mächtige Mann wird mit einem Mal zu einem Menschen und man fragt sich nicht mehr, wie er das geschafft hat. Es wird einem beim Zuschauen klar. Er ist angetrieben von seiner Geschichte, seinem Leben und seinen Träumen. Wie jeder Mensch. Dabei relativiert Bron nicht, er zeigt einfach. Und das überaus gekonnt.

SRF Gipfelstürmer: Einmal volltanken, bitte!

Bitte verstehen Sie mich richtig: ich liebe Listen. Ich bin sozusagen eine Listen-Liebende. Und ich mag gute Shows.

Nun könnte man meinen, SRF Gipfelstürmer sei einfach so ein helvetisches Geschwurbsel, das jegliche Kreativität vermissen lässt. Nein, meine Herrschaften, da liegen Sie aber falsch!

In der zweiten Staffel der SRF Gipfelstürmer empfängt Nik Hartmann verschiedenste Gäste. Genau das ist das Problem. Während der ersten Staffel konnte sich der Zuschauer mit jenen Personen quasi anfreunden. Maja Brunner und Hanspeter Latour gehörten doch schon nach dem ersten Samstagabend zur Familie. Anders bei der zweiten Staffel, wo die Gäste von Sendung zu Sendung wechseln.

Vielleicht bin ich da die Einzige, aber ich fand es herzlich doof, dass die Boulevardzeitung B. darüber berichtete, dass zu viel Alk in den Schweizer Fernsehsendungen konsumiert wird. Zumindest bei den Gipfelstürmern wirkten die Gäste wesentlich entspannter, wenn sie zum obligaten Chäsplättli Weisswein intus hatten.

Über die „Abstimmungen“ kann man sich streiten. Wenn’s um den beliebtesten Schweizer Fernsehpromi geht, sagt ja wirklich jeder im Moment: „Nik Hartmann!“ Und das mit Recht! Man mag sich allerdings fragen, wie peinlich eine solche Umfrage ist, wenn der Betreffende selber da sitzt und die Sendung moderiert.
Ich wage zu fragen, warum das Schweizer Fernsehen diesem tollen Typen nicht schon längstens eine wirklich gute, eigene Sendung gibt, anstatt ihn langsam zu verheizen, wie man es schon mit Mäni Weber gemacht hat! Wenn ich allerdings an das Historienverständnis des Senders denke (#dieSchweizer) wird mir recht schnell klar, dass der Publikumsgeschmack nicht viel zählt…

Und dann diese Themen: „Der schillerndeste Wahlschweizer“. Sorry, wen interessiert das? (Mich, ehrlich gesagt nicht.) „Die 30 schönsten Schweizer Promipaare“ mit Irina Bellers Brüsten, ihrem schnitzelschlagenden Baulöwen und PaolaundKurtFelix in einer Liste. Und dann gewinnt trotzdem dieser Tennisspieler mit seiner Frau? Ich frage Sie im Ernst: WTF?

Ich habe mich echt gefragt, wer da befragt wird und wie. Der wirklich! tolle SRF Kundendienst erklärt, dass die Kandidaten von der „SRF-Fachjury“ erkoren werden. Am Ende wird dann per Marktforschungsinstitut in einer „repräsentativen Umfrage ermittelt“, wen Herrn (und Frau?) Schweizer am liebsten mögen.

Tolle Sache, das.
Mich jedenfalls braucht ihr nicht anzurufen…

Ein Vorschlag zur Güte unter Freunden, liebes @srf

Ich staune seit Jahren, wie ihr es schafft, meine Generation als zukünftiges Publikum zu vergällen.
Schliesslich sind wir 30 bis 45jährigen die alten (und zahlungskräftigen) Säcke von morgen. Doch anstatt um uns zu werben und uns ein wirklich geiles Programm zu liefern, sorgt ihr dafür, dass ich und andere SRF1 und SRF2 meiden und wir uns stattdessen ausländische (intelligentere) Sender anschauen. Das kann’s doch wirklich nicht sein!

Nehmen wir diesen Samstagabend. Viele meiner Generation haben Kinder und gehen nicht mehr in den Ausgang. Ihr aber strahlt diesen verdummenden Mist „Best of Musikantenstadl 2013“ aus. Warum ausgerechnet jetzt? Warum am Samstagabend? Hasst ihr junge Eltern??
Und: Könnt ihr das nicht am Dienstagnachmittag ausstrahlen, wenn meine Oma und ihre Freundinnen Kaffee trinken und ihnen langweilig ist??

In aller Liebe: liebe Programmverantwortliche. Wir sind mit Peter Alexander und Peter Frankenfeld aufgewachsen. Ich mag gute Shows. Tolle Musiker. Sketches. Eine Band. Es wird doch wohl möglich sein, eine solche Sendung in der Schweiz auf die Beine zu stellen. (Bitte kommt nicht mit Happy Day. Die Sendung hat nicht das Format einer Rudi-Carrell-Show, was besonders an Röbi Koller liegt, der weder Charme noch Showtalent besitzt.)

Warum strahlt ihr nicht wieder eine Sendung wie „Übrigens…“ aus? Es gibt genügend hochtalentierte Kabarettisten und witzige Menschen. Ich vermisse, die Diskussionen am Tag nach der Sendung. Habt ihr Angst, dass wir vom Nachdenken krank werden könnten? Dass wir keinen Humor haben? Den braucht man nämlich, wenn man Euer Programm sieht.

Vielleicht, wenn ihr wirklich mal herausfinden wollen würdet, was wir wirklich gerne schauen, dann wären auch endlich die unsäglichen Billag-Diskussionen zu Ende.

Herzlichst, eure Zora

Resumée eines trüben Sommers

Ich bin ja kein sehr genügsamer Mensch, besonders, was Fernsehen angeht. Ich lasse mich gerne unterhalten. Leider blieb dies auch diesen Sommer auf SRF1 ein frommer Wunsch.

Während letztes Jahr „Cover me“ noch irgendwie witzig war, musste ich feststellen, dass dieses Sendegefäss ein schlechter Witz ist. Knackeboul mochte in seiner grenzenlosen Naivität 2012 noch charmant wirken; 2013 stellte sich heraus, dass dieser junge Mann weder Allgemeinbildung noch Interesse für irgend etwas anderes als sich selber besitzt. Das einzig gute an dieser Sendung war die Off-Stimme von Franziska von Grünigen. Schade. Aus dieser Sendung hätte echt was nettes werden können.

Nach 2010 wurde wiederum eine Art Inklusionsshow mit Namen „Üse Zoo“ gedreht. Wir begleiten eine Gruppe von Menschen mit einer geistigen Behinderung im „Alltag“. Natürlich sind die Protagonisten sympa. Auch der Plättlizoo Frauenfeld profitiert von der positiven Werbung. Ansonsten muss man dieses Konzept leider unter der Rubrik „schon gehabt“ abhaken.

Dann wäre da noch der unsägliche Donnschtig-Jass, eine Sendung, die schon mit Möneli Fasnacht unerträglich war. Mit Roman Kirchsperger hat sie zudem an Leichtgewicht und visueller Übelkeitserregung gewonnen.

In Schweiz aktuell begleitete Oliver Bono während drei Wochen eine Bergbauernfamilie. Zumindest die Landschaftsbilder und die unverbrauchten Gesichter waren bezaubernd. Aber auch hier schafft es SRF, die immer gleichen Bilder aus der Schweiz zu transportieren. Wir wissen nach drei Wochen nun endlich, dass in dieses vorgestellte Restaurant nur noch Schweizer Touris und keine Einheimische gehen. Schliesslich ist das Fernsehen da. Danke vielmals.

Kommen wir zu SRF bi de Lüt live: diese Sendung schaue ich seit Jahren. Ich mag sie und ich bemerke den fortschreitenden Niedergang, zu erkennen an der Ideenlosigkeit und der schlechten Dramaturgie. Natürlich ist Nik Hartmann immer Nik Hartmann. Er ist der Mittelpunkt der Sendung und das ist auch gut so. Auch seine anderen Protagonisten sind noch an seiner Seite; der Grillueli und Dani Hüsler, ebenso Annina Campell.

Nun muss man ja per se nichts schlechtes daran finden, wenn Nik plötzlich Spiele spielen muss und Annina Campell moderiert. Aber die Art und Weise, wie sie es tun, ist mühsam. Anninas Ausstrahlung als charismatische Fernsehfrau ist nun mal nicht wirklich gross. Dramaturgisch gesehen ist es ziemlich langweilig, wenn Nik die Spiele verliert und den Schatz nicht öffnen kann. Das Publikum in den verschiedenen Orten ist zur totalen Passivität degradiert. Das ging doch auch schon mal anders. Der Name sollte doch eigentlich Programm sein.

Ich will Nik nicht dabei zusehen, wie er sich zum Affen macht. Ich will zuhören, wie er interessante und nette Leute interviewt, mit ihnen Chäsplättli vertilgt, Rotwein trinkt, Grillwaren probiert und Witze reisst. Nicht mehr und nicht weniger.

Und dann ist da noch diese Sendung, bei deren Konsum ich mich vor ein paar Wochen halluzinatorisch wähnte: „Metzgete – heiteres Prominentenraten

Was an dieser Sendung heiter sein soll, entzieht sich meiner Wahrnehmung. Ich mein‘: Ich habe noch nie etwas derart Unlustiges im Schweizer Fernsehen gesehen. Sogar die Beerdigung eines Pferdes ist spannender.

Da bleibt mir nur eines: ich schalte um und schaue ARTE.