Ich, die Mehrheit – ein seltsames Experiment auf Kosten der Kritiker

Ein guter Freund von mir hat mal gesagt: „Demokratie und Freiheit muss man sich verdienen.“ Ich hab ihn nie verstanden und hielt ihn in eben diesen Dingen immer für hoffnungslos altmodisch.

In diesen Tagen werden wir von SRF zugemüllt mit einer Aktion, die sich „Ich, die Mehrheit“ nennt. Nun mag man von SRF halten, was man will, ich bin eigentlich ein Fan, doch nachdenklich macht es einen doch.

Eine junge Frau namens Pony M. liefert sich einer beliebigen Mehrheit aus und lässt diese über ihr Leben bestimmen. Natürlich geschieht dies zu festen Zeiten und über offenbar oberflächliche Themen. Da darf man darüber „abstimmen“, was die gute Frau isst, was sie abstimmt und was sie unternimmt, wenn sie mal nicht am Tippen ist. Wenn man willens ist, darf man sich sogar eine App herunterladen, damit man auch ja keine „Abstimmung“ verpasst.

Es erscheint mir wie ein schlechter Witz. Halten die Leute von SRF ihre Konsumenten für derart unterbelichtet?

Wie unanständig es ist, sich seine Wahlstimme von einer „Mehrheit“ bestimmen zu lassen, vermag ich nicht zu bewerten. Offenbar ist dieser Frau ihr Wahlrecht derart unwichtig, dass sie sich dafür bezahlen lässt. Informieren ist ihr offenbar zu anstrengend. Natürlich verwundert es einen da nicht mehr gross, wenn sie im Radio verlauten lässt „Sagt mir, was ich denken soll“. Brainwash inklusive. Vielen Dank.

Ich könnte jetzt mit dem Frauenstimmrecht herumwedeln. Vierzig Jahre alt ist es. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal sagen würde: Ja. Bestimmte Frauen sollen nicht mehr wählen dürfen.

Doch schwenken wir ein wenig weiter. Als SRF-Konsumentin fühlt man sich imstande, dieses seltsame „Experiment“ der Zürcher Bloggerin, welches auf SRF1 und SRF3 beworben wird, zu kommentieren und zu kritisieren. Der Gedanke, darüber in ein Gespräch zu kommen, erweist sich als trügerisch. Rasch wird, vor allem von SRF3, mit der Frauen-Keule geschwungen.

„Du traust dich, als Frau eine andere Frau zu kritisieren? Was fällt dir ein?“
Verbittert und missgünstig sind nur einige Ausdrücke, die vom Leiter SRF3 online Martin Oswald fallen. Man spürt: hier ist Kritik gänzlich unerwünscht. Die Verantwortlichen fühlen sich sicher. Das Geld ist ausgegeben. Brot und Spiele. (oder darfs Schoggi oder Apfel sein?)

Weiterführende Links zur Diskussion:

von @yseultCH: zum Blog
von Abi: zum Blog
von @phwampfler: ein offener Brief