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Über Irrelevanz und Sommerpause

Im Sommer läuft bei SRF nicht viel. Schliesslich ist Ferienzeit.
Glücklicherweise gibts dann immer irgendwelche Wiederholungen, Spielfilme, abgesackte Dokumentarfilme und – den Schweiz Aktuell „Sommerschwerpunkt“.

Waren es die letzten Jahre Themen wie „Alpenfestung – Leben im Réduit“, „Pfahlbauer von Pfyn“ oder „Anno 1914“, erwartet uns diesen Sommer ein wahrer Höhepunkt der televisionären Erlebnispädagogik: „Autobahn A1“. Obwohl ich bekennender Fan von Bildungssequenzen wie dieser bin, werde selbst ich von der Langeweile dieses Sendegefässes buchstäblich überrollt. Aber nun gut, es gibt ja schliesslich noch die Fernbedienung.

Was mich aber wirklich ärgert, ist, dass ich in der Sommerpause keine brauchbaren Informationen aus der Region auf SRF kriege. Obwohl im Kanton St. Gallen heftige Unwetter geschahen, halten die Macher von Schweiz aktuell es offenbar nicht für nötig, mehr als einige wenige Minuten darüber zu berichten. Stattdessen läuft „Autobahn A1“, eine Sendung, die verständlicherweise eh niemand anschaut.

Na vielen Dank. Ich bin dann mal auf arte.

Die Angst des TV-Nerds vor dem Sommerloch

Jedes Jahr das gleiche Theater: Giacobbo/Müller macht schon im Frühsommer Pause und wir kriegen am beinharten Sonntagabend nur noch tiefgekühlte, aber x-fach aufgetaute Konservenkost zu sehen. In „Schweiz aktuell“  werden bärtige Honks und Ladies mit unrasierten Achselhöhlen in Jack Wolfskin-Jacken zum Baumfällen geschickt. Wenigstens freuen sich darüber die Bären.

Der einzige Grund, sich im Hochsommer nicht nach Grönland zu verquarken, ist der Samstagabend dank „SF bi de Lüt – live“.  Kein peinlicher Thomas Gottschalk, der sich nicht von einem Stier aufspiessen lässt, kein Röbi Koller, der hinter Tränensäcken seine Empathie auspresst, sondern Nik Hartmann. Er ist der Traumschwiegersohn aller Eltern von Kindern beiderlei Geschlechts. Er ist witzig, phöse und fürs helvetische Fernsehen einfach unverzichtbar. Zwar ist er oft zu sehen, aber er nervt nicht im geringsten so sehr wie andere Sympathieträger des Senders.  Und weil man in dieser Sendung das helvetische Gemüt am besten analysieren kann, empfehle ich diese allen deutschen Kollegen, die Frank Baumanns Doku nicht geschnallt haben.

P.s. Meine Freundin Tiffy hat im übrigen gedroht, dass sie mir die Finger bricht, wenn ich es wage, über Nik was schlechtes zu schreiben. Dies sei hiermit nicht getan.

Spiesserfeierabend

Es gibt so gute alte Traditionen, die wohl nicht nur in Helvetien, sondern auch in anderen gut situierten Ländern existieren: der Spiesserfeierabend. Da kommt man oder frau abends nach Hause, haut sich ’ne Pizza Prosciutto aus dem Tiefkühler in den Umluftbackofen. Anschliessend fläzt man sich aufs Sofa und schaltet den Plasma-Bildschirm an. SF1 ist bei den Eidgenossen der erste Sender auf der Liste der Fernsehkanäle und der bleibt dann auch den ganzen Abend an.
Von 17.40h an bis zu den Nachrichten läuft Telesguard, die Sendung für die romanisch sprechenden Zuschauer in der Schweiz. Und weil dann auch all jene zuschalten, die einfach zu müde zum Zappen sind, gibt’s Untertitel. Wenn um 18h dann die Tagesschau läuft, erfährt man zumindest, was man heute alles nicht verpasst hat, während man brav gearbeitet hat.

Meteo ist eine der wichtigsten Sendung des Schweizer Farbenfernsehens. Sie wird bei Sturm, Schnee und Gewitter live auf dem Dach des Fernsehsenders aufgenommen, damit auch jeder Bergbauer sieht, was für tolles Wetter in Zürich herrscht, während er selber von Hochwasser oder Lawinen heimgesucht wird.

Und weil man nicht immer nur schuften kann, sondern sich auch anspruchsvoll amüsieren und gleichzeitig bilden soll, läuft anschliessend 5 gegen 5 mit Moderator und Traumschwiegersohn Sven Epiney. Seit meine Oma gelesen hat, dass er homosexuell ist, findet sie ihn nur noch halb so süss. Aber sie rät mir zumindest nicht mehr, ich solle einen Typen wie ihn heiraten. Wenn Sie, lieber Leser, liebe Leserin, in Deutschland RTL geschaut haben, werden Sie sich vielleicht noch an den unsäglichen Werner Schulze-Erdel und sein unterirdisch schlechtes „Familienduell“ erinnern. Nachdem diese Sendung schon mindestens zehn gefühlte Jahre nicht mehr auf einem deutschen Kanal gesendet wurde, lief die „helvetische Version“ bei uns an…
„5 gegen 5“ erfreut sich in der Schweiz ungebrochener Beliebtheit. Es kann einem also ohne weiteres passieren, wenn man um besagte Zeit an einem offenen Wohnzimmerfenster vorbei latscht die kreischigen Stimmen engagierter Couchpotatoes hört, die „Neiiiiii!“ schreien.

Nach diesem Angriff auf sensible Gehirnregionen kann einen nichts mehr erschüttern. „Glanz und Gloria“, die Sendung für boulevardsüchtige Trendsetterinnen , bringt einem täglich die Welt der Wichtigen und Reichen der Schweiz näher. Mit sehr viel verstecktem Humor werden da Cüpli-Prinzessinnen, ehemalige Skirennfahrer und jede Menge Ex-Missen (mit oder ohne momentanem Lebensabschnittbegleiter) gezeigt. Wenn dann um 19h Schweiz Aktuell anläuft, ist man richtig froh, dass man selber nur Probleme mit der Erziehung seines Appenzeller Sennenhundes oder den Schulnoten des Nachwuchses hat…

Schweiz Aktuell ist die wichtigste regionenbezogene Sendung der Schweiz. Die Moderatoren sind sympathisch und sprechen lustige, nicht-untertitelte Dialekte. Man erfährt, wer wen mit der Armeewaffe erschossen und warum eine Italienerin ihren Mann mit dem Bügeleisen erschlagen hat. Da kann man nichts mehr zu sagen.