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Mad Men. Oder wie ich die heilige Johanna zu lieben lernte

Ich hab mir vor zwei Jahr die erste Staffel gekauft, aus Trotz, weil ich das Schweizer Farbenfernsehen für seine hinterwälderische Haltung gegenüber dem helvetischen Fernsehpublikum verurteilte. Bis heute habe ich mir keine einzige Folge auf meinem Haussender angesehen.
Der Hype um „Mad Men“ erschien mir zuerst etwas verdächtig. Wenn plötzlich meine ganzen Chanel-Handtäschchen-Freundinnen auf 60er Jahre Kleidchen schwören, muss das einen ja nachdenklich machen. Jedenfalls hab ich „Mad Men“ überflogen und weggelegt.

Dann geschah etwas Seltsames. Beim Kaufen der vierten Staffel fiel mir ein, dass ich die erste zwar gesehen hatte, aber mich nicht mehr dran erinnern konnte. Ich schaute mir alles von vorne an und wurde süchtig.

Don Draper, dieses Bild von einem Mann, dieser gutgekleidete Hengst im Anzug, dieser Ober-Macho ist die Hauptfigur und ich weiss nicht, ob ich ihn hassen oder mögen soll. Dann ist da noch Peggy Olson. Irgendwie erinnert sie mich an mich selbst vor zehn Jahren. Betty Draper, Dons angeheiratete Ehefrau, verstört einen solange, bis man auch sie nur noch eine dumme, blonde Nuss finden kann.

Die einzige, wirklich positive Figur scheint Joan. Die heilige Johanna der roten Haare, der Wespentaille und des gut ausgefüllten Tüten-BHs, ist die wirkliche Führungsperson der Werbeagentur Sterling-Cooper. Sie ist die Herrin über die frustrierten, saufenden, toll geschminkten Sekretärinnen. Ihr Lidstrich ist perfekt. Ihre pinken, violetten und grünen Kleider scheinen ihr wie auf den Leib genäht. Immer ist sie Dame im Salon, Hure im Schlafzimmer. Wo sie durchpuddingt, wächst kein Gras mehr und die ansässigen Erektionen ziehen sich vor Ehrfurcht in ihre ureigenen Gefilde zurück.

„Mad Men“ sollte man sich nicht einmal oder zweimal anschauen. Am besten ist es doch, man schaut sich alle Folgen immer und immer und immer wieder an. Darauf einen Old-Fashioned.