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TV Real macht Ferien: Wasserland Schweiz

Alle paar Jahre muss es einfach sein: die Fahrt per Schiff von Kreuzlingen nach Schaffhausen. Da kommt nämlich bei mir dieses vergessen geglaubte Safari-Gefühl auf. Ich muss mir khakifarbene Kleider anziehen, mich mit Moskito-Spray einhüllen und Feldstecher und Schlapphut einpacken.

In Kreuzlingen schliesslich erwartet den geneigten Untersee-Rhein-Besucher das Gefährt der nächsten Stunden, ein Schiff mit Namen Diessenhofen oder Reichenau oder dergleichen. Der Eingang mitsamt Rampe ist von einer Traube aggressiver, kaffeesüchtiger Rentner besetzt und ohne Gehstöcke oder Rollator komme ich mir auf einmal schrecklich wehrlos vor.

Nach einigen knochigen Ellbogenstössen in die Seite und der Bekanntschaft eines überaus haarigen Männerarms schaffe ich es, ins Restaurant zu flüchten. Die Crew, bestehend aus sehr gut gelaunten Stewards, die einem so ziemlich jeden Wunsch von den Augen ablesen würden („Sind Sie sicher, dass Sie jetzt keinen Apfelkuchen mögen?“), wirbelt zwischen Tischen und Gehhilfen herum. Wir bestellen zwei Menüs und staunen. Das Essen ist sehr schmackhaft.

Wir wundern uns, warum das Restaurant plötzlich aus allen Nähten platzt. Neben all den älteren Herrschaften haben sich nun auch die Familien mit mehr als drei Kindern eingefunden. Diesen scheint die Reise im Innern des Schiffs nicht annähernd so grossen Spass zu machen. Zwischen den Tischen spielen sie Fangis und die Dame am Tisch neben mir stellt ihr Hörgerät ab. Wir zahlen und gehen.

Draussen wird mir schnell klar, warum plötzlich alle ihr Glacéstengeli im Restaurant essen wollen. Ein sehr starker Wind bläst und zwischen Kreuzlingen und Reichenau kommt so das Adria-Feeling auf. Die Mütter halten ihre Kinder fest, während die Väter nach Bier schreien und die Schönheiten des Thurgaus (tiefer Ausschnitt, Amy-Winehouse-Gedenkfrisur) bewundern. Ich warte darauf, dass ein leicht bekleideter Bodensee-Fischer heranbraust und frisch gefangene Bodensee-Felchen an Bord liefert. Wo bleibt der Weisswein? Wo die fröhlichen Lieder?

Ich ziehe meine Jacke an und crème mich gut ein. Der Sonnenbrand wäre anders wohl nicht abzuwenden. Das nächste Highlight ist die Unterquerung der Rheinbrücken. Besonders Diessenhofen scheint dem gut aussehenden, jungen Steward den Schweiss über das schöne Gesicht zu treiben. Aufmerksam steht er auf dem Oberdeck und hält blasenschwache ältere Damen davon ab, den Kopf zu verlieren.

In Schaffhausen kommen wir drei Stunden später an. Total durch den Wind und glücklich.