Tatort Thurgau – Ein Fall für TV Real

In den letzten Tagen durften wir soviel über Rebranding, abgesetzte Shows und neue Ideen des Schweizer Fernsehens lesen. Mich interessiert seit jeher nur eines: wann endlich gibt’s ’nen richtig guten Tatort aus der Schweiz.

Ganz ehrlich, Leute, einen Krimi in der nettesten Touri-Metropole der Schweiz zu drehen, ist wie darauf zu warten, dass einer der Kirche auf den Boden spuckt. Da vermittelt man doch den Freunden aus Deutschland und Österreich ein ganz falsches Bild. Die Schweizer Polizei ist doch nicht so ’ne Art Filiale der Schweizer Gardisten. Unsere Ermittler sind männlich, allen Gefahren überlegen und witzig! Den Stefan Gubser in Ehren, aber warum wurde sein Ermittler vom Bodensee an den Vierwaldstättersee verpflanzt? Da läuft doch nichts!!In Luzern sind alle immer so fröhlich und nett zueinander. Wie soll da bitteschön ein Mord zustande kommen? Das höchste der Gefühle ist doch, wenn einem japanischen Touristen die Spiegelreflexkamera in den See fällt oder ein Frühstücksei zu hart gekocht wurde.

Schaut doch mal in den wilden Osten: da finden zwischen blühenden Apfelbäumen Eifersuchtsdramen statt. Hier werden unliebsame Konkurrenten auch schon mal in der reissenden Thur versenkt. Es gibt jede Menge zwielichtiger Anwälte, auch Briefträger genannt und im Turm von Schloss Frauenfeld liesse sich doch prima ein Erpresser erhängen!

Im Thurgau sind die Leute genauso spröde und wortkarg wie in Österreich. Die Landschaft ist grün und kann einem in ihrer Schönheit richtig Angst machen. Das Allerbeste ist, man bräuchte nicht mal ’ne hochdeutsche Fassung zu drehen, weil so ziemlich jeder Tubel unseren Dialekt versteht. Ausser die Walisser. Und wenn alle hiesigen Attraktionen durch sind, kann der Ermittler immer noch herausfinden, warum die Delphine im Connyland sterben mussten.