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Tatort Wiesbaden: Im Schmerz geboren

Wer auf flache, langweilige und anspruchlose Tatorte abfährt, wurde heute abend denkbar schlecht bedient.

Ulrich Tukur mag man in seiner Rolle als Murot lieben oder hassen, aber das Drehbuch von „Im Schmerz geboren“ nicht. Es ist eine Sammlung von Filmzitaten, von „High Noon“ über „Silence of the Lambs“ über „Breaking Bad“ und „Twin Peaks“ und vielen anderen mehr.
Ulrich Matthes geht in seiner Rolle als leidenschaftlich-missverstandener Bösewicht auf. Seine schwarzen Augen, die elegante Ankleide tun den Rest. Zwischen den beiden Männer flammt eine unterschwellige, längst vergessene Leidenschaft zu einer Frau auf.
Wir verfolgen Erschiessungen. In Anbetracht der heutigen Schreckensbilder sind sie nicht mehr wirklich schlimm. Regisseur Florian Schwarz schafft es trotzdem, dass wir bei jedem einzelnen Schuss zusammen zucken.

Wir fiebern mit. Die Stimmung hat was von Kenneth Brannaghs enthusiastischen Shakespeare-Verfilmungen, nur ohne erhobenen Zeigefinger. Die 40er Jahre. Sehr Berlin, nur jetzt im Saarland. Wiesbaden. Wie unerotisch.
Ich erkenne Felix von Manteuffel. Anatole Taubmann. Und schliesslich immer wieder Alexander Helds warme Stimme als Erzähler. Sie begleitet den Zuschauer durch alle Untiefen.
Die Bildsprache scheint essentiell. Die warmen Farben. Stopp. Die wie auf Leinwand gemalten Bilder. Man wähnt sich in einem
Gemälde.

„Im Schmerz geboren“ werd ich wohl einige Male sehen müssen, um ihn zu verstehen, zu sehen und zu geniessen. Fünf von fünf Zigarettenspitzen.

Nachtrag
Lieber Herr Tukur, ich bin 37. Aber danke. Ich hab Sie auch lieb.
#tatortshow

Tatort Wiesbaden – Schwindelfrei

Wann immer Felix Murot angesagt wird, ist klar, dass der Tatort nicht blosses Mordgeplänkel ist. Nein. Murot verspricht Tiefgang, Gedankenbilder und wildeste Phantasien. Da ist selbst die kleinste Szene ein grosser Auftritt.

Ulrich Tukur spielt Felix Murot und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er, der immer die bösesten Bösewichte und selten die Guten spielte, gibt jetzt dem Ermittler des LKA ein Gesicht.

In diesem Fall geht der Kommissar in den Circus und wir treffen auf viele bekannte Gesichter des europäischen Fernsehens. Da wäre beispielsweise Josef Osterdorf, der schon in der Tatort-Folge „Sterben für die Erben“ auffiel. Hier spielt er Direktor Raxon. Seine Stimme, sein Timbre fallen wunderbar auf. Dann wäre da noch die tolle Zazie de Paris, die die Ehefrau des Zirkusdirektors Raxon spielt. Auch ihrer Stimme mag man gerne zuhören. Ihre Erscheinung ist atemberaubend. Dann wären da noch Uwe Bohm als Messerwerfer Frank und Dorka Gryllus als seine geheimnisvolle Frau Caja.

Aufregend ist der Fall nicht gerade.
Aber die Atmosphäre ist atemberaubend, auch dank der Rhythmus Boys bestehend aus Ulrich Tukur, Kalle Mews, Ulrich Mayer und Günter Märtens.
Man fühlt sich in einem Mal zurückversetzt in die eigene Kindheit, als Zirkus noch ein magischer Lebensmoment war.

Fest steht eines: Der Regisseur Justus von Dohnànyi ist für mich einmal mehr eine feste Tatortgrösse. Von ihm ist nicht einfach der übliche Bullshit zu erwarten, sondern eine seltene, wunderbare Filmqualität mit grossartigen Schauspielern, witzigen, tiefgründigen Dialogen und einer tollen Bildregie. So macht Tatort Spass und so ertrage ich auch die Bullshitfolgen anderer Regisseure gerne.