Schlagwort-Archive: Martin Freeman

I am sherlocked.

Auf twitter haben sich die letzten Wochen die Begeisterungstweets über Sherlock, im speziellen über den Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch, überschlagen. Dieser schafft es auch in der zweiten Staffel den wunderbar geheimnisvollen, roboterhaften, aber deshalb nicht minder attraktiven Holmes zu spielen.

Neben Cumberbatch sind aber auch die Kameraführung (Fabian Wagner) und die Regie (in zwei von drei Filmen Paul McGuigan) hervorzuheben. Ich mein, schon lange nicht mehr hat mich eine Serie so sehr gefesselt (im sprichwörtlichen Sinn, nicht wahr, Miss Adler?) wie die drei Folgen „“A Scandal in Belgravia“. „The Hounds of Baskerville“ und „The Reichenbach Fall“. Ich sag nur: witzige Bilder und kalte Farben.

In der ersten Folge treffen wir auf „die Frau“, Irene Adler, eine Domina. Während sie im Roman einfach geheimnisvoll sein darf, ist sie hier verrucht, wunderschön, verschlagen und unglücklich. Für einen kurzen Moment wünscht man dem Soziopathen Sherlock Holmes, er könnte sich doch verlieben. Die Lösung des Falls findet er einmal mehr per Zufall und aufgrund seiner grossen Beobachtungsgabe. (tiefer Seufzer)

Der zweite Fall „The Hounds of Baskerville“ ist tatsächlich in unsere hochmoderne Zeit adaptiert worden. Ganz im Ernst, der Hund von Baskerville sorgt hier für Gänsehaut, die von einem so alten Stoff eigentlich nicht erwartet.

„The Reichenbach Fall“ schlussendlich, früher einmal gedacht als der letzte Fall des berühmten Detektivs, zeigt die Schattenseiten auf. Oder auch nicht. Jedenfalls sitzt man mit offenen Mund in der letzten Szene da und ist fast ein klein bisschen beleidigt, dass es wider besserem Wissen keinen Cliffhanger gibt.

Freunden des Heimkinos empfehle ich die frisch erschienene DVD wärmstens. Cumberbatch und Freeman lohnen sich auf jeden Fall auch im Originalton, ladies.

 

 

R.I.P Sherlock Holmes. Viva!

Es gibt keine guten Krimis mehr.

Noch vor ein paar Jahren hätte ich das vollends unterstrichen. Zu lange liegen für einen Geek wie mich die Edgar-Wallace-Filme aus meiner Kindheit, die Iron-Woman-Serien mit Farrah Fawcett und Konsorten und die Tatorte mit Gustl Bayrhammer zurück.

Natürlich hab ich vor ein paar Wochen das ARD-Spätprogramm verfolgt. Mal wieder stand eine Sherlock-Holmes-Verfilmung an. Nach gefühlten tausend Wiederholungen mit Basil Rathbone und den legendären Folgen mit Jeremy Brett habe ich eigentlich nichts Neues mehr erwartet. Doch „Sherlock“ hat’s in sich:

Watson ist noch immer Watson, etwas treudoof, aber hochsympathisch. Gespielt wird er von Martin Freeman und das nicht schlecht. Die Figur wurde radikal aktualisiert und das nicht zu ihrem Nachteil. Man nimmt dem knuffeligen Freeman den kriegstraumatisierten Arzt ab und leidet mit ihm mit, wenn er beim weiblichen Geschlecht auf Grundeis läuft.

Etwas komplizierter verhält es sich mit Sherlock Holmes. Benedict Cumberbatch gibt den Meisterdetektiv und gestaltet ihn als eine Mischung von Technik-Geek und Alien. Unterschwellig wirkt er für einen kurzen Moment erotisch anziehend, um im nächsten Moment eiskalt und asexuell zu erscheinen. Natürlich hält sich Sherlock reloaded nicht mehr mit Kokain und Depressionen auf, sondern ist interessiert an medialer Entwicklung: GPS!!! SMS!! Skype!!! Aus dem drei-Pfeifen-Problem wird eine drei-Nikotinpflaster-Lösung. Diese gelungene Mischung macht es, dass man neugierig den Wortduellen der Darsteller (der O-Ton lohnt sich!!) und den bildgewaltigen Kameraeinstellungen folgt.

Egal ob „Studie in Pink“ oder „Der blinde Banker“: Sherlock macht einfach Spass. Einmal mehr beweisen die Engländer, dass sie ihre eigenen literarischen Vorlagen nicht leningleich konservieren, sondern sie im Zug der Zeit zu neuem Leben erwecken können.

Ich jedenfalls freu mich auf die zweite Staffel und empfehle „Sherlock“ unbedingt all jenen weiter, die gerne einen gemütlichen Abend bei Guinness und Marmite vor der Glotze verbringen.