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R.I.P Sherlock Holmes. Viva!

Es gibt keine guten Krimis mehr.

Noch vor ein paar Jahren hätte ich das vollends unterstrichen. Zu lange liegen für einen Geek wie mich die Edgar-Wallace-Filme aus meiner Kindheit, die Iron-Woman-Serien mit Farrah Fawcett und Konsorten und die Tatorte mit Gustl Bayrhammer zurück.

Natürlich hab ich vor ein paar Wochen das ARD-Spätprogramm verfolgt. Mal wieder stand eine Sherlock-Holmes-Verfilmung an. Nach gefühlten tausend Wiederholungen mit Basil Rathbone und den legendären Folgen mit Jeremy Brett habe ich eigentlich nichts Neues mehr erwartet. Doch „Sherlock“ hat’s in sich:

Watson ist noch immer Watson, etwas treudoof, aber hochsympathisch. Gespielt wird er von Martin Freeman und das nicht schlecht. Die Figur wurde radikal aktualisiert und das nicht zu ihrem Nachteil. Man nimmt dem knuffeligen Freeman den kriegstraumatisierten Arzt ab und leidet mit ihm mit, wenn er beim weiblichen Geschlecht auf Grundeis läuft.

Etwas komplizierter verhält es sich mit Sherlock Holmes. Benedict Cumberbatch gibt den Meisterdetektiv und gestaltet ihn als eine Mischung von Technik-Geek und Alien. Unterschwellig wirkt er für einen kurzen Moment erotisch anziehend, um im nächsten Moment eiskalt und asexuell zu erscheinen. Natürlich hält sich Sherlock reloaded nicht mehr mit Kokain und Depressionen auf, sondern ist interessiert an medialer Entwicklung: GPS!!! SMS!! Skype!!! Aus dem drei-Pfeifen-Problem wird eine drei-Nikotinpflaster-Lösung. Diese gelungene Mischung macht es, dass man neugierig den Wortduellen der Darsteller (der O-Ton lohnt sich!!) und den bildgewaltigen Kameraeinstellungen folgt.

Egal ob „Studie in Pink“ oder „Der blinde Banker“: Sherlock macht einfach Spass. Einmal mehr beweisen die Engländer, dass sie ihre eigenen literarischen Vorlagen nicht leningleich konservieren, sondern sie im Zug der Zeit zu neuem Leben erwecken können.

Ich jedenfalls freu mich auf die zweite Staffel und empfehle „Sherlock“ unbedingt all jenen weiter, die gerne einen gemütlichen Abend bei Guinness und Marmite vor der Glotze verbringen.