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Anzug oder Fummel?

Böse Mäuler meinen, dass die jeweilige Mr. oder Miss Butterhirn-Wahl uns Eidgenossen für die fehlende Monarchie entschädigen soll. Dieser Meinung bin ich nicht. Ich will Ihnen auch sagen weshalb:

Einmal jährlich findet dieses seltsame Treiben in Lugano oder sonst wo statt. 16 junge Männer lassen sich in Badehose und Anzug, manchmal auch in beidem gleichzeitig, ablichten. In der staatlichen Boulevardzeitung kann man denn auch spannende Interviews nachlesen und sich ein Bild vom momentanen Geisteszustand der Generation Hybrid machen. Schöne Männer hat dieses Land, daran ist nichts auszusetzen. Doch was bewegt halbwegs ausgewachsene Milchbubis dazu, ein solches Affentheater mitzumachen? Ruhm? Ehre? Reichtum? Ein Krönchen? Ein lebenslanger Gutschein für Kleider des Sponsors?

Gestern abend sahen wir uns versetzt in eine zwei Stunden andauernde James-Bond-Show, die einen von der Machart und der Qualität an eine dieser unsäglichen hirnlosen Trullala-Emissionen des Berlusconi-Senders. erinnerte. Ob die Kandidaten sich von ihrer besten Seite zeigen durften, sei dahingestellt. In Retro-Bond-Manier wurden sie gefilmt, egal ob aus dem Meer kommend oder auf Trikes herumfliegend, ganz Mann, ganz Macho, aber immer hübsch eidgenössisch.

Dass am Ende der Beste und Schönste gewann, ist natürlich klar. Jan Bühlmann heisst der Typ, der uns nun für die nächsten 12 Monate auf den Titelseiten der Boulevardzeitung die schlechte Laune vertreibt. Er wird uns seine Meinung über Frauen, die Schweiz und Autos mitteilen, egal ob wir dran interessiert sind oder nicht. Dass am selben Tag die Miss Tiffany-Wahl stattfand, werte ich nicht als Zufall. Schönheitswettbewerbe müssen einfach sein in diesem Land, ganz gleich ob es sich bei den Kandidaten um Männer, Gemüse oder Kühe handelt. Und damit haben wir schliesslich Erfahrung.

One Comment

  1. Sandra wrote:

    Erinnert ein wenig an Woody Allens neusten Film „To Rome with Love“. Aus unerklärlichen Gründen wird einer plötzlich bekannt und fortan interessiert die Welt sich für seine Banalitäten.

    Ich geh nun in die Küche, küre die schönste Salatgurke. Sie darf sich als Preis von mir zerschnippeln und essen lassen. Welche Ehre.

    Samstag, August 25, 2012 at 17:07 | Permalink

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