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Tatort Frankfurt: Das Haus am Ende der Strasse

Harte Kost. Das war dieser letzte Tatort mit Joachim Krol als Steier auf jeden Fall.

Steier ist alkoholabhängig und kaputt. Nach dem Tod eines Mädchens seilt er sich ab. Feige? Ist er sich seiner absoluten Unfähigkeit bewusst?

Vom Gerichtssaal schweifen wir ab an einen Tatort. Drei Menschen brechen in eine Villa ein. Die Junkie-Frau schlägt ein Bild ihres Peinigers zu Bruch. Sie pisst drauf. Der Peiniger taucht wider Erwarten auf und bedroht sie. Er wird nieder geschlagen oder getötet. So genau interessiert das hier niemanden.

Krol findet sich wieder in einer Szene mit den drei Einbrechern und einem bärtig-zotteligen Achim Rohde. Dieser ist auf einer Art einsamer-Rächer-Trip unterwegs. Achim Rohde ist überhaupt, neben dem still leidenden Krol, der Held dieses Tatorts. Ihm möchte man zusehen, wenn er spricht, sinniert und Menschen gegeneinander ausspielt oder gar anschiesst.

Am Ende scheint die Rechnung aufzugehen: Die Liebenden entkommen (für kurze Zeit) der Hölle. Krol sitzt im Gerichtssaal und grinst. Abspann läuft.

Ich werd Krol im Tatort herzlich vermissen. Verdammte Scheisse.

Tatort Frankfurt – Mädchengemüse

Beim Schauen des Tatorts „Wer das Schweigen bricht“ überwiegt in ganzer Schwere die Trauer über den Ausstieg der wunderbaren Nina Kunzendorf. Es ist doch einfach schade, dass die Autoren dieser tollen Schauspielerin die Rolle der Conny Mey nicht besser weiter entwickeln konnten. Wundern tut’s uns allerdings nicht: keine Actrice mag auf Dauer eine Figur spielen, deren einzige Kontur die spitzen roten Stiefel zu sein scheinen.

Die Geschichte ist so einfach nicht erzählt. Steyer soll einen Mord im Jugendgefängnis aufklären. Ein junger Libanese wurde umgebracht – und: ihm fehlen acht seiner Zehennägel. Was auf den ersten Blick wie grauenvolle Foltermethode aussieht, ist es auch auf den zweiten. Wer dermatologische Grundkenntnisse besitzt, tun wir das nicht alle?, erfährt dann rasch, dass nicht immer alles so ist, wie es aussieht. Es gibt eine Verfolgungsjagd, Schlägereien und einen tollen Stunt. Für einmal ein Tatort ohne Klamauk!

Joachim Krol spielt Steyer. Er tut dies in einer lauten, sabbernden, frustrierten und ungepflegten Art und Weise, dass er in mir (und anderen menschlichen Wesen) ungewohnte Reflexe hervorruft: Man möchte dieses Häufchen Übellaunigkeit zuerst einmal heiss baden, schrubben und rasieren und schlussendlich mit lauwarmen Schoggikuchen füttern. Im Ernst: Krol ist grossartig.

Der Abschied von Conny Mey ist dann auch schön gefilmt. Steyer läuft gut gelaunt einen Ziegelstein-Gang und trifft auf ein leeres Zimmer und – Mädchengemüse. Schluss. Aus. Fertig.

Tatort: Król lacht nicht.

Ich bin seit Jahren ein grosser Fan von Joachim Król. Er ist einer der wunderbarsten, berührendsten Schauspieler Deutschlands. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass er eine Rolle im „Tatort“ übernimmt. Seit ein paar Monaten ist er der Mann aus Frankfurt, Frank Steier.

An seiner Seite agiert die umwerfende Nina Kunzendorf und mehr als einmal hab ich ihretwegen gegrinst. In „Der Tote im Nachtzug“ läuft die gute Nina in ihrer Rolle als Conny Mey zur Höchstform auf: Sie latscht den halben Film lang in labbrigen Jogginghosen rum, dann wieder sieht sie aus wie eine Bordsteinschwalbe, verführt fast den Kommissar mit ihrem „je-ne-sais-pas-quoi“-Charme und landet schlussendlich mit Thomsen alias Benno Führmann in der Kiste.

Die Story ist schnell erzählt: ein Mann wird erschossen, ein anderer, offensichtlich ein Dealer flieht. Er erpresst die hochschwangere Ehefrau, wird am Ende selber getötet. Was bleibt, ist das Versprechen der beiden Kommissare Stillschweigen über die Geschichte zu bewahren, ein bisschen BKA und Männer in Uniformen und die Auszahlung einer Risiko-Lebensversicherung.

Highlight der Sendung ist das Schauspiel des an Panikattacken leidenden Kommissars. Król gibt ihn so eindringlich, dass wir mit Frank Steier leiden und ihm schlussendlich wünschen, dass er bald wieder in seinem eigenen Bett, wenn möglich mit der Mey, schlafen kann.

Ein Kommissar für einen Tag

Seit Jahren liebe ich Donna Leons Kriminalromane mit Commissario Brunetti. In all der Zeit wurde er sozusagen zu einer Art literarischem Familienmitglied. Mit grosser Freunde habe ich damals (2000 bis 2002) die Verfilmungen mit Joachim Krol angeschaut, auch wenn diese nicht wirklich den Romanvorlagen entsprachen.

Wenn ich allerdings ehrlich bin, habe ich, seit Uwe Kockisch die Rolle übernommen hat, keine einzige Folge mehr gesehen. Krol war und ist für mich die perfekte Besetzung, ebenso Barbara Auer, die der Paola Brunetti Charme und Lebenslust verleiht. Keiner wandelt so waidwund und vergessen durchs zerfallende Venedig wie Krols Brunetti. Sein Bart, immer getrimmt und in Form gebracht, wirkt einfach glaubhafter als Kockischs Gestrüpp im Gesicht, welches wohl Nonkonformismus ausdrücken soll.

Dass meine Lieblingsfolgen jetzt auf DVD erhältlich sind, erfreut mich als Fan der ersten Stunde natürlich sehr.