#zürcherprozesse Samstag. Ein Tag wie jeder andere.

Anstatt wie andere, anständige(re) Leute, mit meinem Auto die Strassen zu verstopfen und einkaufen zu gehen, verbringe ich einen Grossteil dieses Tages vor meinem Bildschirm. Selber schuld. Wer braucht schon frische Lebensmittel und Bier?

Nach dem gestrigen Tag konnte der geneigte Zuschauer sehr wohl gespannt sein, was heute abgehen würde. Eine Katzenschmuseorgie? Bestimmt nicht.

Wir wurden dann auch nicht enttäuscht. Im Gegensatz zu gestern funktionierte die Livecam noch vor der Verhandlung. Das Treiben im Theatersaal ist mindestens genauso aufregend, wie die Trialshow selber. Menschen sind schon sehr komische Viecher.

Wundern und satthören durfte man sich einmal mehr an Herrn Nay, dessen Einführungen gottseidank kürzer waren als gestern. Anne Rüffers Stimme stach mehr denn je hervor. Sie sollte Hörbucher sprechen.

Eine Lektion in Sachen raubtierhaftem Herumwandeln, sanftem Sprechen und distanzierter Freundlichkeit konnte man von Valentin Landmann lernen. Sein Adjektiv „onkelhaft“ werde ich sehr gerne in mein bescheidenes Vokabular aufnehmen und in gesellschaftlich adäquaten Situationen verwenden.

Freunde der Entwicklungspsychologie konnten während der Feldstudie von Claudio Zanettis rhetorischen Künsten beobachten, wie sich sachliche erwachsene „Experten“ in herumschreiende, regredierende Teenager verwandelten. Ich bin noch immer ein bisschen disturbed. Zumindest trug er damit dazu bei, dass die älteren Herrschaften unter den Zuschauenden wach blieben und ab und zu energisch durchschnaufen konnten.

Alles in allem bot dieser Tag beste Unterhaltung und einen Einblick in die Art und Weise helvetischen Kommunizierens. Und das ist nicht nichts.