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SF Alpabfahrt – immer der Kuh nach!

Heute morgen um halb sieben hab ich mir kurz überlegt, ob ich jetzt gerade übergeschnappt bin. Ich mein‘, die ganze Woche arbeiten ist eine Sache, eine andere, an einem freien Tag extra früh aufstehen um eine TV-Sendung zu sehen, die von Ziegen und Kühen handelt. „Oh well“, hab ich gedacht und mich, einen Krug Kaffee und die schnarchende Katze vor den Fernseher geschleppt.

Ich sollte nicht enttäuscht werden, denn es machte Spass, via Fernsehen mitzuerleben, was die Sennen vor der #sfalpabfahrt so alles zu tun haben. Ich mochte die Stimmung, die wirklich ein wenig romantisch schien, zumindest auf den ersten Blick. Man merkt, wie diese Sennen und Bauern hart arbeiten für ihre Ideale. Sabine Dahinden Carrel führte mit sonnigem Gemüt, Humor und Intelligenz durch die Sendung. Von ihr kann man einfach nicht genug sehen!

Natürlich hab ich mich auch geärgert: Fabienne Freis Dauerfragen zum Thema „Frau und Sennentum – geht das?“ gingen mir irgendwann auf die Eierstöcke. Aber offenbar gab es wohl nicht mehr Interessantes, das sie ihre Interviewpartner hätte fragen können. Schade, denn die Sennerin Rita schien mir eine der spannendsten Personen des Tages.

Die Installation der Kuhkamera auf der Kamerakuh hingegen war ein sehr witziges Experiment. Beim längeren Zuschauen wurde mir übel. Ich fragte mich, wie eine Kuh so durchs Leben kommt. Vielleicht ist das der Grund, warum diese Tiere wiederkäuen.

Die Gäste konnten sich ebenfalls sehen lassen. Da war beispielsweise der kluge Museumskurator von Urnäsch, Walter Frick, nach dessen Erklärungen man einfach Lust bekommt, das Brauchtumsmuseum zu besuchen. Oder die beiden Alder-Brüder, die herrlich gerne über (ihre) Musik sprechen, über die ihres Bruders hingegen nicht zu viele Worte verlieren.
Mein persönliches Highlight war der Auftritt von Alt-Bundesrat Rudolf Merz, der mir durch seine Bescheidenheit und seinen Respekt gegenüber den Sennen (und ihrem Brauchtum) sehr positiv auffiel. Er sollte endlich ein Hörbuch aufnehmen. Ich bin sicher mit seiner Stimme im Ohr gäbe es weniger Ehestreite und Autounfälle.

Da die Sendung wohl von Angehörigen aller Altersschichten geschaut wurde, übersprang Social Media, besonders Twitter, Generationengräben. Sogar mein eigener Vater weiss nun, was Twitter ist. „Schriib eifach kein Seich, gäll?“ Es war schon sehr erstaunlich, über Stunden mit anderen über gelbe Hosen, die Muttertierhaltung und kuhlose Hörner zu debattieren. Gerne wieder, liebes Schweizer Farbenfernsehen.