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Potzmusig goes Jazz

Ich bin ja weiss Gott kein Fan von Volksmusik. Die Freude daran hat mir Wysel Gyr mit seinem „Öisi Musig“ an jenen gespenstischen Samstagabenden im Hause meiner Grosseltern im Toggenburg gründlich ausgetrieben. Wie der Mann in diese seltsamen Kisten fasst und uralte Karten rausholt, hat mich als Kind doch sehr verschreckt. Die darauf folgenden Filmchen waren nicht weniger angsteinflössend: die bärtigen, grimmigen Älpler in ihren Trachten, die nie lächelten, sondern einfach nur so aussahen, als würden sie nur ihre Misthaufen und Kühe mögen, faszinierten mich nicht im geringsten.

„Hopp dä Bäse“ mit Kurt Zurfluh war zumindest nicht mehr so sennentunschimässig erschreckend wie „Öisi Musig“. Aber die fröhlich grinsenden Playback-Musikanten fand ich dann auch nicht wirklich knackig. Mehr als einmal gröhlte ich nur noch, wenn ich bemerkte, dass die was ganz anderes spielten als angesagt. Wie peinlich wurden diese Herzblut-Musiker doch in dieser Sendung verheizt …? Und das Publikum (ü50, im Holzfällerhemd mit Bier oder Tschumpeli vor dem Bauch, sah meistens so aus, als würden sie für eine Bratwurst einen Doppelmord begehen.

Natürlich hab ich mich im Geheimen gefreut, dass ausgerechnet Nicolas Senn die neue Sendung „Potzmusig“ moderieren darf. Ich mein, der Mann ist ein Thurgauer. Nette Umgangsformen. Sieht gut aus. Richtig zugetraut hab ich es ihm nicht. Ich mein‘, der Kerle war für mich immer der nette Junge am Hackbrett. Schwiegermutter Traum unzo.

„Potzmusig“ erinnert mich in seiner Machart irgendwie an Hardy Hepps „Hits a Gogo“, nur einfach mit Volxmusig. Die Zuschauer sahen so aus, als ob sie wirklich mit dabei und nicht nur an die Stühle genagelt wären. Der Star der ersten Sendung, Walter Alder, begeisterte mich durch seine Kunst am Hackbrett und der ausgeprägten Spielfreude. Auch seine Gruppe, die „Alder Buebe“, wirkte aufgestellt und nicht besonders kamerascheu. Dass beim gemeinsamen Spielen auch Nicolas Senn einfach abging wie ein Zäpfli, war schön anzusehen. Ich hatte den Eindruck, dass dieser „Moderator“ weiss, was er macht.

Besonders aufgestellt hat mich das Stück mit der Tänzerin Bettina Castaño. Solche fruchtbaren Zeichen von Zusammenarbeit möchte ich gerne weiterhin sehen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die nächste Sendung.