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Anna und Silvia

1987 war ich gerade mal zehn Jahre alt. Ich trug eine rosa Brille, eine Igelifrisur, noch keine Spange und spielte fürs Leben gern mit meinen Barbies.

Anna“ war für meine Schulfreundinnen und mich einfach schön anzusehen. Die attraktive junge Tänzerin, die einfach so herumwirbelt und tanzt. Sie wird berühmt. Sie ist glücklich.
Für mich war „Anna“ damals von ganz anderer Bedeutung. Nach drei Hüftoperationen durfte ich mühsam wieder laufen lernen. Genau wie Anna. Die Verzweiflung von Anna, ihre Wut, ihren Willen, den fand ich cool. Das hat mir Mut gemacht. Und ihr Freund, gespielt von Patrick Bach, war einfach wundersüss.

Jahre später habe ich Wiederholungen gesehen und fand „Anna“ plötzlich sehr miefig. Graue, verschwitzte Ballettkleidung. Wie gruusig! Ihre Liebeswirren schienen mir nichtig. Dieser David!! Ieks. Den hätt ich nicht mit dem kleinen Zeh angefasst. Die Serie übte für mich nicht mehr den Zauber meiner Kindheit aus.

Dass sich vor ein paar Tagen Silvia Seidel, die viel gerühmte Hauptdarstellerin der Serie, das Leben genommen hat, schockierte mich wirklich. Natürlich hab ich mehr als einmal davon gelesen, wie schwierig sich die Karrieren der einstigen Kinderstars gestaltet haben. Aber bei Silvia Seidel ist das nochmals anders. Sie war schön. Sie war eine gute Schauspielerin. Ich hatte an meinem Schuletui so viele Bilder von ihr.

Trotz alledem hat ihr diese Rolle kein Glück gebracht. Ich bin traurig und denke zurück an 1987, als ich noch ein Kind war, von nichts eine Ahnung hatte und trotzdem glücklich schien.