Ein Song für Baku. Lieber nicht.

Voller Erwartung sass ich am Samstagabend vor der Glotze. Der ESC ist so eine Art familiäres Heiligtum, das es zu wahren gilt. In früheren Zeiten versammelte sich der schlagerfähige Teil der Familie, also meine Mutter und ich, in der Stube, bewaffnet mit Block und Bleistift und gaben gegenseitig harte Kommentare ab.

Gestern abend haben wir das nicht getan. Schon nach dem ersten Song war mir klar: eigentlich hätte ich den Fernseher abstellen und mir endlich mal wieder „Lord of the Rings“ reinziehen können. Denn da ist der Sven Epiney bestimmt nicht mit von der Partie.

Noch selten habe ich so schlechte Musik gehört, die so wenig Spass machte. Dabei fiel mir eines auf: es geht offensichtlich nur darum, wer am meisten Punkte rein holen könnte. Der Spassfaktor wird dabei total ausgeblendet.

Mit grossem Bierernst und totaler Freiheit von Humor, schicken wir junge und weniger junge Leute irgendwo hin, die dann in die Pfanne gehauen werden.
Das können dann auch die Herren Juroren Leal, Hartmann und Stämpf nicht gross verhindern.

Meine Herren, eigentlich sollte man uns von dem Wettbewerb ausschliessen. Vielleicht wäre es besser, wenn wir einfach helvetische Jodelspiele veranstalten würden, an denen dann meinetwegen Sänger aus ganz Europa teilnehmen würden. Die würden wir vielleicht auch nicht gewinnen, aber das spielte dann keine Rolle.

Wen schicken wir jetzt nach Baku?
Tja, Peter Zinsli lebt ja nun leider nicht mehr. Gotthard ist auch nicht mehr das was es war. Drum wird „Sinplus“ die Ehre Helvetiens verteidigen und grausam verheizt werden. Schade eigentlich.