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Happy Day, aber nicht für alle.

4x pro Jahr beehrt uns Röbi Koller mit „Happy Day„, jenseits seiner „Club“-Präsenz, aber genauso einfühlsam. „Happy Day“ ist, wie schon früher erwähnt, eine gekonnt-helvetische Mischung aus der „Rudi Carrell Show“ und den liebenswerten Showacts aus „Iischtige bitte“. Hervorzuheben sind Kollers weiche, warme Stimme und der Geschmack der Kostümbildnerin, die ihn in einen frühsommerlichen, weiss-blauen Anzug steckte. Wenn sie jetzt noch die richtige Bundweite trifft, können sich sowohl Röbi als auch die Zuschauer glücklich schätzen.

Wieder erfüllt Koller grosse und kleine Wünsche. Die meisten berühren tief drinnen, so wie von den Machern kalkuliert. Einige wenige gar nicht. Die alleinerziehende und patente Mutter kriegt von Röbi und seinen tapferen Schreinern ein Baumhaus für ihre Kinder. Die beiden adoptierten peruanischen (Fast-) Geschwister Ana Maria und Francisco bewegen mit ihrer Geschichte und ihrer Suche nach ihren natürlichen Eltern. Betroffen macht hierbei nicht nur die emotionale Krise der beiden jungen Menschen, sondern auch die Armut der Peruaner.

Fremd-geschämt habe ich mich schliesslich für den Honk, der seiner herzigen Ehefrau eine sehr peinliche Entschuldigung für sein Verhalten dargebracht hat. Hoffentlich müssen wir so was nie wieder im Fernsehen, und idealerweise auch sonst nie, erleben. Die arme Frau war es denn auch, die am Ende trotz Blumenstrauss nicht gelacht hat. Man kann es ihr nicht verdenken.

Immer wieder für ein Frank-Capra-Gefühl sorgen die Umbauarbeiten zu Gunsten von Leuten, die es besonders verdienen. Diesmal wurde ein Coiffeursalon komplett renoviert. Die sympathische Besitzerfamilie hat harte Zeiten durchgemacht und so durfte sie dank dem Fernsehen und den Schreinern ihren 80er Jahre-Retro-Salon gegen einen durchgestylten, hip-rustikalen Hairdresser-Workingplace eintauschen. Die Anteilnahme von Nachbarn und Kunden ist hochemotional, und als Zuschauer wünscht man sich auch ein solch familiäres Geschäft im Quartier.

Die Musikeinlagen bei „Happy Day“ sind immer ein wenig Geschmacks- bzw. Glückssache. Dass es ein „Hunde-Medley“ gab und zwei nicht besonders gesangsbegabte Promis mit Musicalstars (die niemand kennt) sangen, machte das Erlebnis auch nicht erfreulicher. Wenigstens, so muss man sagen, wurden dafür keine Hunde gequält. Ich hoffe doch sehr, dass Jabba Ohrpfropfen tragen durfte.

Highlight der Sendung war, beziehungsweise hätte werden können, der Auftritt von Rock-Dino-Diva Polo Hofer. Da er sich ja auch als Schauspieler bezeichnet, hätte man zumindest erwarten dürfen, dass er ein wenig von seinem hohen Rock-Ross runterkommt und mit seinem „grössten Fan“ etwas netter umgeht. Polo sah während der „lustigen“ Anfangsszene sowie dem „Live-Auftritt“ einfach nur gelangweilt und angepisst aus. Schade.

Und dennoch freue ich mich – trotz allem – auf eine neue Ausgabe von „Happy Day“, DER Sendung, die es fertig bringt, ohne gewagte Amateuer-Kunstseilakte oder nackte Tatsachen die Menschen am Bildschirm zu fesseln.