Apfelbäckchen und Erdbeerhintern

Die Langweiligkeit der Mr. Schweiz-Wahl ist mit nichts zu unterbieten und in ihrer aufgesetzten Piefigkeit höchstens mit einem Turnerchränzli zu vergleichen. Da kämpfen 12, oder besser: 11 Schweizer (sic!) um das Krönchen, bzw. den Sportwagen. Einer wird gewinnen, heisst es und man fragt sich vor dem langsamen Wegnicken, was das nun bedeuten soll.

Was treibt einen mehr oder minder gutaussehenden, klugen Mann dazu, sich bei einer Männerbadehosenwahl anzumelden, sich dafür zu schinden und der Lächerlichkeit preiszugeben? Ist es wirklich nur eine Wette unter Freunden oder geht’s darum, sich der weiblichen Welt als besonders paarungsfreudig und nesttriebfähig zu zeigen? Ich mein‘, die Mehrheit der jungen Kandidaten träumt von Frau, Hund, Kind und Reiheneinfamilienhäuschen. Verarschen die die Zuschauer nur oder hab ich was verpasst? Schliesslich findet gerade das Zeitalter des Mad-Men-Revivals statt. Die Welt steht kurz vor dem Untergang und kein einziger will sie retten, sondern sich nur fortpflanzen. Und an Luther alleine kann’s ja nicht liegen.

Die Wahl fand dieses Jahr in Helvetiens beliebtester Event-Halle statt. Sie steht in dem Kanton, aus dem auch der neue Mr. Schweiz stammt. Unter den Zuschauern befand sich ein grosser Anteil ehemaliger Mister und Misses. Ich mein‘, was haben diese Leute anderes zu tun, als jene willkommen zu heissen, die dem exklusiven Club ebenfalls beitreten? Ich stelle mir die Tischgespräche als besonders anregend vor. Aber das ist eine andere Geschichte.

Warum schaue ich mir dieses furchtbare TV-Spektakel an, wenn ich es augenscheinlich von Herzen hasse? Ich glaube, ich bin ein wenig masochistisch veranlagt. Oder das exzessive Kritisieren hat den letzten Rest meines Gehirns aufgefressen. Wohl eine Kombination von Beidem.