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Alpenrose – recyclet.

Die letzten Tage durften wir täglich im Blick lesen, wie Alpenrose-Erfinder Polo Hofer die Welt und vor allem sich selber sieht. Seine weissweinersäuften Gedanken zu Musik, Politik und Tod waren derart allgegenwärtig, dass es einfach nur langweilig war und einem die Lust auf den Samstagabend auf SF1 versaute. Und ja, wir wissen jetzt alle, dass es bald ein neues Album von ihm gibt.

Auch die ganzen „Showgrössen“ der Schweiz (die heilige Francine Jordi, Schlagertrulla Monique, usw.) konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Alpenrose“ ein falsch gewählter Titel für einen derartigen Anlass ist. Vielleicht wär‘ „Lust auf Neues?“ treffender gewesen.
Die Sparte „Jodel und Chor“ beispielsweise, powered by Frau von Oesch, erwärmte zwar Omas Herz, aber ebenso das von Onkel Detlef. Kleine Kinder in Trachtenkleidchen reizen doch nur noch heimwehkranke Amis.

Schade ebenfalls, dass die Formationen „traditionelles“ Liedgut zu interpretieren hatten. Beispielsweise wirkten die „Tornados“ sehr viel frecher mit ihrem eigenen Stück als mit „Dä Köbi, dä Chrigel und dä Sepp“. Auch gut gemeintes Showgezwitscher der „Stars“ zwischen den einzelnen Auftritten konnte über dieses Manko nicht hinwegtäuschen. Monika Morells Song „Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an“ derart blutleer und emotionslos zu interpretieren, wie es die blonde Frau tat, fand ich einfach nur schlimm. Liedermacher Heinigers Interpretation von „Jede chunnt und jede goht“ hingegen wirkte lediglich auf den ersten Blick schwer, fesselte aber das Studiopublikum und die Autorin. Die Stille nach seinem Auftritt war gespenstisch. Von ihm möchte man doch mehr hören…

Nicolas Senn und Carlo Brunners gemeinsamer Auftritt machte Freude. Vielleicht einer der Höhepunkte der ganzen Sendung? Ein bisserl erinnert „Alpenrose“ ja an den 1×1-Wettbewerb der Primarschule. Die einen üben Nächte lang durch, andere hingegen schütteln alles einfach so aus dem Ärmel. Die „Ländlergiele Hubustei“ sind das perfekte Beispiel hierfür. Ihre ganze Performance wirkt locker hingeblättert…

Traktorkestar“ reisst mit ihrem Stück mit und man wundert sich mit einem Mal, warum Schweizer Volxmusig plötzlich so viel Spass macht und etliche Jahre „Musikantenstadel“ einen weder verderben noch hirnlos machen konnten.

Und wenn Nik Hartmann gegen Ende der Sendung selbstironisch Witze über Heizdecken und Schwarzwaldfahrten macht, ist man ihm, trotz grünem Pochettli zur randenroten Krawatte, dankbar und voller Hoffnung, dass doch noch alles gut wird.