Herzblut mit Whiskeygeschmack oder warum die Protagonisten in jeder Folge einen Arm in eine tierische Körperöffnung stecken

„All Creatures great and small“ oder auf gut deutsch „Der Doktor und das liebe Vieh“ ist eine typisch englische Serie aus den 70ern. Sie kommt unaufgeregt daher, aber nicht ohne Spannung und Emotionen und birgt im Original sehr viel Humor.

Christopher Timothy ist James Herriot, ein junger Tierarzt der in Yorkshire Assistent des erfahreneren Siegfried Farnon wird. Dieser ist nebenberuflich leidenschaftlicher Junggeselle, ein wenig cholerisch zwar, aber herzensgut im Umgang mit Tieren. Tristan ist Siegfrieds jüngerer Bruder. Er studiert noch, verbockt regelmässig Prüfungen und fällt hauptsächlich durch seine Frauengeschichten auf. Natürlich verliebt sich James in die schöne Helen, die bereits in der ersten Szene auftaucht. Wir erinnern uns an die junge Frau im Bus, die er nach dem Weg fragt.

Die zweite Hauptrolle in dieser Serie spielen die Tiere. Da geht’s um kranke Kälber, Schweine, Pferde, Katzen und Hunde. Herzergreifend sind die Geschichten und berührend ist die Armut, in der die Menschen damals lebten.
Running Gags gibt’s ebenfalls genug: da sind Siegfrieds Tobsuchtanfälle, Tristans hochtrabende Pläne und Misserfolge und die Tatsache, dass Siegfried es schafft, jeden einzelnen seiner Vorsätze sofort zu brechen und dann erst noch allen anderen die Schuld zu geben. Und dann ist da noch die Sache mit den Automobilen: irgendetwas ist immer defekt, meist sind es die Bremsen. Oder Tristan bringt es fertig, mit einem neuen Auto in eine Mauer zu donnern. Erinnern Sie sich noch an den heimlichen tierischen Star? Tricky-Woo hiess diese Mischung aus Staubwedel und Tamagotchi, gehörte der reichen, aber etwas verrückten Mrs. Pumphrey und war sogar einmal Mittelpunkt einer Champagner-Party…
Ein Lachen ist also trotz der immer wieder ernsten Stories garantiert.

Überhaupt muss man sich in der heutigen Zeit an diese Serie mit sehr viel Toleranz annähern: in praktisch jeder Szene wird getrunken und geraucht, was die Tapeten hergeben. Aber hey, das waren die 30er Jahre!

Die Bildführung dieser Serie ist sehr englisch: die Aussenszenen kommen sehr grob daher, manchmal gar dunkel, während die Studioaufnahmen scharf gestochen sind. Empfehlenswert hier: der Originalton. Niemand rastet so wunderbar aus wie Robert Hardy in seiner Rolle als Siegfried Farnon, auch wenn ich anmerken muss, dass seine deutsche Synchronstimme Erik Schumann ebenfalls klasse ist!

Beim Recherchieren stiess ich in punkto Synchro auf einen anderen grossen Namen: Elmar Wepper. Dieser hat lange Jahre seine Stimme James Herriot geliehen. Ich gebe mit Erröten zu, dass ich gar nicht wusste, dass dieser Ur-Münchner so perfekt hochdeutsch spricht!

Deshalb: sieben Staffeln sind erhältlich. Wer nostalgische Sonntagnachmittage auf dem Sofa mit Tee, Scones und Whiskey verbringen will, liegt beim Kauf dieser Serie nicht falsch. Fünf von fünf Pferdeäpfeln für „All Creatures great and small“.