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Vom Anders-Sein und der wahren Normalität

Im „Club“ werden Themen diskutiert, die jeden angehen. Ganz gleich ob Kopftuchverbot, höhere Strafen für Raser oder Tierquälerei, alles findet jeweils am Dienstag nach den Nachrichten in diese Gesprächssendung. Früher hiess der Club „Zischtigsclub“. Damals in den 80ern rauchten die Gäste noch und auf den Tischchen zwischen den Ledersesseln standen Weingläser und -flaschen. Alles hatte den Touch von Bohème. Niemand hielt sich an Sendezeiten. Die Diskussion war dann fertig, wenn der Strom ausging. Heute ist das alles etwas anders. Christine Maier moderiert und wirkt dabei wie eine neugierige Oberstufenlehrerin. Sie ist dabei nicht unsympathisch, und doch… Irgendwie ist es nicht mehr so wie früher.

Früher. Da gab’s Gegner. Da wurde nicht diskutiert sondern gestritten. Bei einem Thema wie gestern Abend über Transmänner und Transfrauen, wäre noch vor wenigen Jahren eine religiöse Eifererin dabei gesessen. Die Moderatorin hätte sie alle paar Minuten zu anständiger Wortwahl aufrufen müssen. Nun könnte man sich ja fragen, ob unsere Gesellschaft wirklich so viel toleranter geworden ist. Ich bezweifle es.

Die Gäste am Dienstagabend, ein Chirurg mit Boxernase, eine Soziologiestudentin im 24sten Semester, eine Sexologin, die Ehefrau einer Transfrau sowie ein Transmann und eine Transfrau, gingen jedenfalls alle sehr lieb miteinander um. Die beiden „Betroffenen“, die aber nicht halb so betroffen wirkten wie die Moderatorin, gaben ruhig Auskunft über ihr Leben und über ihr (Anders)sein. „Transmann“ zu sein, so verstand ich es jedenfalls, bedeutete nicht automatisch, sich von seinen weiblichen Geschlechtsteilen zu trennen. Es hiess, so zu sein, wie man sich fühlt. Der Moderatorin jedenfalls reichte das nicht. Christine Maier fragte immer wieder nach den jeweiligen Geschlechtsteilen, ohne dann wirklich konkret zu werden. Mir schien, als wollte sie unbedingt hören, dass zu einer Transfrau nun mal die künstliche Vagina und der entfernte Penis gehört.

So, jetzt ist es raus, Und das nächste Mal, Frau Maier, benutzen wir wieder Worte, die jeder versteht, gell?