Mitgefühl an Rotweinsauce

Auch wenn’s nicht so aussieht, ich mag die Landfrauenküche wirklich. Mir gefallen diese bedächtigen Bauernfrauen mit kurzem Haar und bunten Strähnchen. Sie kochen gerne, halten sich Hühner und gehen alle beim örtlichen Metzger einkaufen. Ich liebe die traditionelle Schweizer Kochkunst, die Berge und jene Art von Küchen, die es nur in Schweizer Bauernhäusern zu geben scheint.

Von allen Kandidatinnen mochte ich bisher Esthi Derungs aus dem Safiental im Kanton Graubünden am besten. Mir gefällt ihre einfache, vielleicht etwas schüchterne, aber sehr liebenswerte Art sehr gut. Und da ich im Herzen auch eine fette Bündner Ecke mit mir herumtrage, halt‘ ich ihr natürlich ganz fest die Daumen, dass sie gewinnt.
Ihr Leben auf 1600müM scheint mir exemplarisch für viele Bergbauern: Die Aussicht von ihrem Haus ist unbeschreiblich, doch sagt sie ganz klar: im September muss ich damit rechnen, dass es kalt wird. Der Gemüsegarten kann jederzeit zugeschneit werden.
Esthi träumt von einem Ort, 1000m tiefer, während ihr Mann doch lieber weiter im Gebirge auf die Jagd gehen will. Beim Zuhören wird man in eine längst vergangen geglaubte Zeit versetzt. Das Ehepaar scheint als eines der wenigen noch miteinander zu reden. Sie sprechen über ihre Träume und Wünsche. Und doch: der Kampf, vielleicht die dauernde Auseinandersetzung mit der Natur ist kräftezehrend. Man mag den beiden gönnen, dass sie eine gemeinsame, gute Lösung finden. Und so schafft es diese Freitagabend-Hirnausleer-Sendung, was jahrzehntelange Werbung für Subventionen in Berggebieten nicht erreicht: man fühlt mit.