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Duell der guten Manieren

Ja. Langsam kehrt der Winter in unsere Breitengraden zurück. Wir nisten uns in den Stuben, vor dem Kachelofen, auf dem Schafffell von IKEA ein und warten darauf, was uns der rechteckige Gott liefert.
„Kampf der Chöre“ heisst die Sendung, die uns die langweiligen Sonntagabende während der nächsten paar Wochen versüssen soll. Dafür verzichtet Herr Schweizer gerne auf Herz-Schmerz-Filme, den Tatort oder archäologisches Gemeingut wie Oberstadtgass mit Schaggi Streuli.

Wie immer, wenn das Schweizer Farbenfernsehen eine Sendung ausstrahlt, die sämtliche erwünschten Zielgruppen (kleine Kinder, meine Oma und meinen Cousin Detlev) vor den Bildschirm locken soll, wird Sven Epiney verpflichtet. Er ist in der Schweiz sowas wie der Oliver Geissen in Deutschland: der nette, gut aussehende junge Mann, den sich alle Schweizerinnen als Schwiegersohn für ihren Sohn wünschen. Epiney führt denn auch genauso charmant und umsichtig durch die Sendung, wie er es für die Miss-Schweiz-Wahlen, 5 gegen 5 oder Die grössten Schweizer Hits getan hat. Er beleidigt niemanden, sondern lächelt nur immer wieder fröhlich wie ein Pfannkuchen in die Kamera.

Weil „Kampf der Chöre“ eine Art „Deutschland sucht den Superstar“ nur ohne Ehrverletzungen, schrille Stimmen und vor allem ohne Dieter Bohlen ist, läuft alles sehr gesittet (schweizerisch!) ab. Die acht ChorleiterInnen Padi Bernhard, Maja Brunner, Fabienne Louves, Stämpf, Michael von der Heide, Sandee und Noëmi Nadelmann, alles Schweizer Cervelatprominente, dirigieren dann auch mehr oder weniger professionell ihre Chöre.
Während das Grüppchen um Sopranistin Nadelmann sehr klassisch und steif, dafür sehr überzeugend daher kommt, vermag Maja „Schifffahrt mit Kaffi und Chueche“ Brunners Chor nicht zu überzeugen. Wenn Padi Bernhard dann seinen Leuten sagt, sie sollen jeden Moment der Show geniessen, pflichtet man ihm von ganzem Herzen bei und hofft, dass man diese Leute wirklich nicht wiedersehen (und vor allem hören) muss. Die beiden jungen Sängerinnen/Dirigentinnen Sandee und Fabienne fallen mit kraftvollen Songs und Choreografien auf. Da möchte man gerne mehr sehen.

Natürlich wird nach jedem Song freundlich ausgetauscht, was man davon hält. Die DirigentInnen geben einander brav wie in der Sonntagsschule gelernt ein Feedback, das nicht wehtut oder beisst.

Allgemein kann ich nach dem ersten Abend nur eines sagen: schauen Sie sich „Kampf der Chöre“ ruhig an, dann können Sie am Montagmorgen mit Ihren Arbeitskollegen beim Znüni endlich mal wieder über was anderes als das Wetter und die Politik diskutieren.“