Heiraten erwünscht, bitteschön

Die Serie „Ich heirate eine Familie“ war ihrer Zeit voraus. Da geht’s in lockeren Dialogen um Affären, Patchwork-Familien, Alltagsknatsch und kinderlose Ehepaare. Ich liebte diesen Höhepunkt deutschen Fernsehschaffens als Kind, notabene wegen der Titelmusik und Peter Wecks wunderbarem Wiener Schmäh.

Für absolute Nichtkenner hier der SchnellKurzabriss: Geschiedene Frau mit drei Kindern und Wiener Schürzenjäger verlieben sich und heiraten. Er baut sein Haus für die angeheiratete Familie um, bald kommt noch ein Baby dazu.

Liebhaber wissen natürlich, warum die Serie 1983 so eingeschlagen hat. Curth Flatow verarbeitete seine eigenen Erfahrungen, nachdem er eine Frau mit Kinder geheiratet hatte, in diesem Drehbuch. Das Resultat sind geschliffene, zeitweise sehr ironische Dialoge. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Eheleute gespielt von Thekla Carola Wied und Peter Weck, der in diesen Tagen seinen 80sten feiert. Eine Fussnote zu Weck: eigentlich, und das wissen die Fans, war er gar nicht für die Rolle von Familienvater Schumann vorgesehen. Harald Juhnke hätte den bekehrten Ehemann spielen sollen. Doch wegen (oder dank??) seiner Alkoholerkrankung entschied man sich gegen ihn. Regisseur Peter Weck wurde schliesslich angefragt und sagte ja. Es macht auch heute noch Spass, Auszüge aus Making-ofs der Serie zu schauen. Weck ist hinter der Kamera der knallharte Regie-Profi, den man ihm so gar nicht gibt.

Auch nach über 25 Jahren bleibt „Ich heirate eine Familie“ ein Highlight der Fernsehunterhaltung und auf charmante Weise modern. Die modischen Tiefschläge jener Zeit sind zwar visuell nur schwer verdaulich. Stars wie Bruni Löbel, Maria Sebaldt, Herbert Hermann und mein persönlicher Liebling Hans Holt versüssen einem die einzelnen Folgen, wenn man gar keine Lust mehr auf Kinderquatsch hat.