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Die neue alte Sehnsucht nach dem vermeintlich Heimatlichen.

In Unterwäsche-Läden werden sie nicht so schnell wieder verramscht: die urchigen, Edelweiss behafteten Unterhosen und -leibchen der Firma C. Der Trend hat aber nicht am Körper angefangen, sondern findet höchstens hier seinen Höhepunkt.
Seit Jahren werden wir am Wochenende zur besten Sendezeit (Samschtigjass! Grand Prix der Volksmusik!! SF bi de Lüt – live!!!) von gut gelaunten Sennensöhnen, Deppen im Förstergwand und schrill klingenden Kindern im Matrosenkleidchen heimgesucht. Keine Schweizer Sendung kommt ohne sie aus: die Alphornbläser, den Hackbrettspieler mit knackigem Hintern und lausbubenhaften Grinsen, die Jodlerin mit dem unschuldigen Lächeln. Alle schunkeln sie und freuen sich darüber, dass die Welt ennet unserer Grenzen draussen bleiben und zusehen muss, wie gut es uns geht. Der vxm (Volxmusik)-Trend ist zumindest seit Jahren vor allem im TV-Programm zu spüren. Da haben nicht nur Feingeister was dagegen, sondern auch selbsternannte, urbane Trendsetter. Die erhoffen sich stattdessen Reportagen aus ehemals verrauchten Kellertheatern.
In dieser unserer schnelllebigen Welt scheint eine Sehnsucht nach dem ruralen, quasi Ballenberg-mässigen Lebensgefühl zu bestehen. Anders scheint es nicht erklärbar, warum Stadtzürcher in ländliche Gebiete ziehen. (Winke, winke, Herr Nachbar. Und nimm endlich die Zürcher Fähnlein ab. Der 1. August ist vorbei!)

Was bleibt, ist ein dumpfes Gefühl: eine Art Ambivalenz zwischen instinktivem Fahnenschwenken und Hymne-Trällern. Und dem Ekel vor zur Schau getragenem Stolz auf ein Land, das sich einst rühmte, ein Bund von Brüdern zu sein.